Älteste Bohlenstube Thüringens auf Schloss Burgk

Die freigelegte Holzbohlenwand auf Schloss Burg. (Foto: Ingenieurbüro Scherf.Bolze.Ludwig)
 
Detail der Holzbohlenwand (Foto: Ingenieurbüro Scherf.Bolze.Ludwig)
Burgk: Schloß Burgk |

Dendrochronologische Untersuchung zeigt: Bohlenstube auf Schloss Burgk ist die älteste bekannte Thüringens und eine der ältesten in Mitteldeutschland! Die im Sommer dieses Jahres bei Bauarbeiten entdeckte Holzbohlenwand auf Schloss Burgk konnte nach der dendrochronologischen Untersuchung (also einer Datierungsmethode) in das Jahr 1402 -d- (dendrochronologisch) datiert werden. Sie ist somit die älteste bekannte Bohlenstube Thüringens und zählt zu den ältesten in Mitteldeutschland. Bohlenstuben waren beheizbare, rauchfreie Räume.

Von Lutz Scherf

Im November wurde die im Sommer diesen Jahres auf Schloss Burg freigelegte Bohlenwand, die in den vergangenen Wochen bereits von zahlreichen Besuchern besichtigt werden konnte, dendrochronologisch untersucht, um das konkrete Baualter festzustellen. Dabei wurde zur genauen Laboruntersuchung ein Bohrkern entnommen, an dem die Jahrringfolgen mit ihren unterschiedlichen Zuwachsbreiten – den Jahrringen – vermessen und das Fälldatum des Baumes ermittelt werden konnte. Das dendrochronologisch ermittelte Fälldatum wird auf das Jahr 1402 -d- (dendrochronologisch) datiert.

Diese Untersuchungen belegen damit, dass mit dem Neubau des sogenannten Palas auf Schloß Burgk, der bislang aufgrund der schriftlichen Quellen 1403 datierte, eine große, repräsentative Holzstube eingebaut wurde. Derartige Stuben sind in Thüringen überwiegend aus der Zeit um 1500 in den Städten wie Pößneck, Neustadt an der Orla oder auch Erfurt, Jena und Altenburg bekannt. Dort stehen sie in unmittelbarem Zusammenhang mit einer Weiterentwicklung des Wohnens, da es sich um meist rauchfrei beheizbare Räume handelte.

Nun ist die Stube auf Schloß Burgk im Vergleich zu den bisher bekannten Beispielen gleich mehrfach bemerkenswert: Mit dem belegten Datum um 1402 handelt es sich um die älteste bisher bekannte Holzstube Thüringens, und darüber hinaus zählt sie zu den ältesten in Mitteldeutschland. Nur im Tetzelhaus in Pirna gibt es in dieser Region eine ältere Holzstube, die 1381 errichtet wurde. Beide Stuben – in Pirna und in Burgk – wurden als sogenannte Stabbohlenstuben errichtet. Dabei sind in einer regelmäßigen Folge neben senkrecht stehenden profilierten und stärker angelegten Stabbohlen ebenfalls senkrechte gestellte Füllungsbretter in einer Nut der Stabbohlen gefasst. Es entsteht als Raumbegrenzung eine bewegte Oberfläche, die zusätzlich durch Wulst und Kehle profiliert sind. Auf der Außenseite waren die Stubenwände durch einen bis zu zehn cm starken Lehmschlag – ein Stroh-Lehm-Gemisch – abgedeckt. Die Stube auf Burgk zeichnet sich insbesondere durch die Feingliedrigkeit der Profile und der Profilausläufe aus. Den oberen Wandabschluss bildet dazu ein Kranzgesimsholz, welches ebenfalls mit parallel laufenden Stabprofilen aufwendig gestaltet wurde. Auf diesem Kranzgesimsholz lag ursprünglich die Stubendecke auf, die in Burgk leider nicht erhalten ist, die aber deutlich unter der Geschossdecke des Palas lag. Durch die geringere Raumhöhe und die Lehmummantelung war in den ansonsten kalten Stein- und Fachwerkbauten auch in den Wintermonaten ein wohnliches Klima herzustellen.

Für die Bau- und Nutzungsgeschichte von Schloss Burgk kann damit eindeutig belegt werden, dass der Neubau des Palas für seine Zeit vergleichsweise modern ausgestattet war. Weiterführenden Untersuchungen bleibt es überlassen, festzustellen, inwieweit dieser Neubau auch Vorbildwirkung für die nicht herrschaftlichen Wohnbauten der Region haben konnte.
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4 Kommentare
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Gunter Linke aus Saalfeld | 14.12.2016 | 09:27  
Gerd Zeuner aus Zeulenroda-Triebes | 14.12.2016 | 09:46  
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Jürgen Wesiger aus Nordhausen | 14.12.2016 | 11:34  
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Renate Jung aus Erfurt | 14.12.2016 | 22:51  
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