Der Tradition verpflichtet: Christo Zigarren in Handarbeit aus Bad Lobenstein. Die Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein gGmbH macht es möglich

Die Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein gGmbH hat eine alte Lobensteiner Tradition wiederbelebt: Die Herstellung von Zigarren in Handarbeit. Auf dem Foto Manuela Kubel, die von Beginn an in der Zigarrenmanufaktur tätig ist.
  Bad Lobenstein: Zigarrenmanufaktur | Zigarren. An was denken Sie? Kuba. Fabrikdirektor im edlen Zwirn. Dicke Qualmwolken. Belohnung. Humidor. Dunkel getäfelte Raucherzimmer. Statussymbol. Winston Churchill. Und: Fast jedes Städtchen hatte früher eine eigene Zigarrenmanufaktur. Dazu zählt auch Bad Lobenstein. Carl Friedrich Gottlob Schmidt fertigte seit 1886 in seiner Fabrik in Lobenstein Zigarren der Marke „Werkfleiß“ mit exzellentem Ruf. 1947 den Stammsitz nach Nordhalben verlegt, war 1971 Schluss mit der Zigarrenproduktion, ein Jahr darauf auch in Lobenstein.

Zigarren hatten zu diesem Zeitpunkt eh nicht mehr die Bedeutung wie im ausgehenden 19. Jahrhundert. Sie wurden längst von den industriell massenhaft gefertigten Zigaretten überrollt. Erst in den 1990er Jahren erlebte die Zigarre eine Renaissance, gilt in gewissen Gesellschaftskreisen wieder als Ausdruck eines individuellen Lebensgefühls.

Nicht mal das Zelebrieren dieses Lebensgefühls, sondern ein ganz anderer Umstand ist daran „schuld“, dass heute wieder Zigarren in Bad Lobenstein gefertigt werden. Die Initialzündung war eine Vorführung der manuellen Fertigung von Zigarren auf Gran Canaria. Norbert Hetterle verbrachte 2002 gemeinsam mit Gattin Doris dort seinen Urlaub. Hetterle war damals Kaufmännischer Leiter der Evangelischen Stiftung Christopherushof. Die Vorführung begeisterte ihn derart, dass ihn die Frage nicht mehr los lies, ob dies nicht auch behinderte Menschen könnten. Fachkompetente Gesprächspartner fand er schließlich in seiner Familie. Seine Mutter drehte in Titschendorf Zigarren. Die Mutter seiner Frau war Zigarrenmeisterin in Helmsgrün. Kontakte zu gegenwärtigen Zigarrenmeistern wurden geknüpft. Skepsis und Euphorie hielten sich die Waage. Letztlich siegte nach drei Jahren Vorbereitung der Optimismus: Seit Sommer 2005 werden in Bad Lobenstein wieder Zigarren in Handarbeit hergestellt.

Manuela Kubel aus Bad Lobenstein ist von Beginn an dabei. Das Reden über die Arbeit in der Manufaktur fällt ihr nicht leicht. Aber wenn man ihr über die Schulter schaut, sieht man, wie perfekt sie jeden Arbeitsschritt beherrscht. Das Herstellen eines Wickels, das Entfernen der Rippen vom Deckblatt, das Zuschneiden der Deckblätter, das Ansetzen der Wickel an das Deckblatt und das Anfertigen des Mundstückes gehen ihr sicher von der Hand.

Derzeit zählt die Zigarrenmanufaktur vier Beschäftigte mit geistigen und psychischen Behinderungen. „Die Einarbeitung war alles andere als einfach“, erinnert sich Kerstin Schenck, Gruppenleiterin im Reha-Bereich. Es dauert alles etwas länger. Norbert Hetterle hat sich nicht getäuscht: Auch Behinderte werden den hohen Anforderungen an die Zigarrenproduktion gerecht.

Mittlerweile hat die neue Zigarrenmanufaktur ihren traditionellen Standort in der früheren Zigarrenfabrik in der Bayrischen Straße verlassen. Das neue Domizil gleich neben dem Reha-Bereich im Gewerbegebiet am Ortsausgang Richtung Unterlemnitz bietet beste Voraussetzungen für ein neues Gemeinschaftsgefühl. Zudem können sich Besucher des Werkstattladens von der Leistungsfähigkeit der Lobensteiner Werkstätten überzeugen. Angeboten werden neben den Zigarren auch Töpfereiwaren, Webereiartikel und viele kleine Geschenke.

Während die Christo (der Name steht für Christopherushof) anfangs nur auf lokalen Festen und in der eigenen Werkstatt verkauft wurde, findet sie mittlerweile deutschlandweit Absatz. Der Sohn von Norbert Hetterle, Christoph, hat den Vertrieb übernommen.

Gefertigt wird die Christo in den vier verschiedenen Formaten Toro, Petit Robusto, Chico und Zigarillo. Der verwendete Tabak, dessen Mischung geheim gehalten wird, ist bei sämtlichen Formaten gleich. Dennoch werden zwei verschiedene Geschmacksrichtungen angeboten. Den Unterschied machen die verwendeten Deckblätter: Man kann sich zwischen dem sanfteren hellen Sumatra-Deckblatt und dem kräftigeren Brasil-Deckblatt entscheiden.

Weitere Informationen auf www.christo-zigarre.de
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4 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 16.10.2013 | 10:59  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 16.10.2013 | 20:41  
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Hannelore Grünler aus Artern | 17.10.2013 | 07:31  
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Renate Jung aus Erfurt | 17.10.2013 | 19:15  
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