Leben mit einem Spenderorgan

"Wir sind der lebendige Beweis für die Sinnhaftigkeit der Organspende" – Jürgen Fröhlich (l.) und Karsten Zeh leben mit Spenderorganen.
 
Der 1. Beigeordnete des Landrates, Jürgen Hauck (r.), begrüßt zur Eröffnung der Ausstellung "Imagekampagne für Organspende" interessierte Gäste.
 
Karsten Zeh zeigt einen Organspendeausweis.
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Leben spenden – Leben retten: "Imagekampagne für Organspende" im Foyer des Landratsamtes Schleiz informiert


Von Gerhard R. Zeuner

SCHLEIZ. Nein, Jürgen Fröhlich feiert den 15. Juli 2012 nicht als seinen zweiten Geburtstag. Obwohl er dazu allen Grund hätte. Denn an jenem 15. Juli vorigen Jahres erwachte der heute 52-Jährige mit einer neuen Lunge in seinem Körper aus der Narkose. Mit einer Spenderlunge, die ihm in der Uni-Klinik Leipzig in einer aufwändigen Operation eingepflanzt wurde. „Ohne diese Lunge wäre ich heute nicht mehr am Leben“, schätzt der ehemalige Werkzeugmacher ein. Die Transplantation habe ihn den Start in ein neues Leben ermöglicht.

Seit 2002 hatte Jürgen Fröhlich, der in Peuschen bei Pößneck lebt, immer stärker unter Atemnot gelitten. 2007 dann die Diagnose in Bad Berka: Asbest in der Lunge. „Wir haben als Werkzeugmacher viel mit Asbesthandschuhen und –schürzen gearbeitet“, vermutet Fröhlich als Ursache. Geraucht habe er seit 1992 nicht mehr. Nach der erschütternden Diagnose vor sechs Jahren verschlechterte sich sein Gesundheitszustand rapide. Zuletzt musste er, um zuhause von einem Zimmer ins nächste zu gelangen, auf einem Stuhl im Korridor eine Pause einlegen. „Ich bekam keine Luft mehr, ich war voll und ganz auf die Pflege meiner Frau angewiesen“, erinnert sich Fröhlich. Im Februar 2009 unterschrieb er in der Uni-Klinik Leipzig, dass er mit der Transplantation einer Spenderlunge einverstanden ist, er kam auf die Dringlichkeitsliste für Organspendeempfänger. Am 14. Juli 2012 war es dann soweit – ihm wurde eine neue Lunge eingepflanzt. Nach großem Leid geht es Jürgen Fröhlich heute wieder besser. Sein geschwächtes Immunsystem muss er mit einem Mundschutz und Handschuhen schützen.

Auch Karsten Zeh lebt mit einem Spenderorgan, seit sechs Jahren mit einem transplantierten Herzen. Der 49-Jährige, der bis 2008 in Pößneck lebte und Jürgen Fröhlich bereits seit der Schulzeit kennt, ist heute stellvertretender Vorsitzender des Vereins für Herz-Lungen-Transplantation am Herzzentrum in Leipzig. Er sagt, dass nach der Aufdeckung der Missbrauchsfälle die Organspende in Deutschland so sicher wie noch nie sei. Die Wartelisten würden jetzt noch intensiver überprüft und die medizinische Betreuung sei auf höchstem Niveau. „Wir beiden sind lebende Beispiele für die Sinnhaftigkeit der Organspende“, sagt Zeh und empfiehlt den Besuch der derzeitigen Ausstellung "Imagekampagne für Organspende"im Foyer des Schleizer Landratsamtes: „Schauen Sie sich die Ausstellung ganz entspannt an und denken dabei vielleicht an jene, die auf ein Spenderorgan warten.“ Auf jeden Fall sollte jeder mit seiner Familie über das Thema Organspende reden und sich dazu positionieren, um nach dem eigenen Tod Verwandten und Ärzten die große Last der Entscheidung abzunehmen.

INFORMATION: Die Ausstellung "Imagekampagne für Organspende" ist bis 29. März 2013 im Foyer des Saale-Orla-Landratsamtes zu sehen. Mehr dazu nachfolgend:

Ich lebe und denke nicht an den Tod. Doch was passiert, wenn mich schwere Krankheit unvermeidbar trifft und ich ein fremdes Organ benötige ? Wer hilft, wenn ich einen Unfall habe und auf eine Blutspende angewiesen bin ?
Blut, der natürliche Saft des Lebens, kann nicht künstlich hergestellt werden und auch die künstliche Herstellung von Organen steckt noch in den Kinderschuhen. Aus diesem Grund werden immer wieder Spenderinnen und Spender gesucht, um die Versorgung von kranken Menschen und Unfallopfern zu sichern.

Im Rahmen der 21. Thüringer Gesundheitswoche zeigt das Landratsamt Schleiz, Oschitzer Straße 4, seit 12. März 2013 eine Ausstellung mit dem Titel "Imagekampagne für Organspende".

Diese wurde von Studenten der Hochschule Pforzheim, Fakultät Gestaltung, entworfen und zeigt aus unterschiedlichen Blickwinkeln die Notwendigkeit von Organspenden. Aufgabenstellung war die Entwicklung einer fiktiven Imagekampagne und deren kommunikative Umsetzung in zwei relevante Medienkanäle (z.B. Film, Print, Funk, Online) für die Deutsche Stiftung Organtransplantationen (DSO) als fiktiven Auftraggeber. Die DSO ist laut Transplantationsgesetz mit der Koordination der Organspende beauftragt.

In dem Projekt ging man davon aus, die DSO als Initiator für die Kampagne fiktiv einzusetzen, weil sie aufgrund ihrer fachlichen Arbeit der Garant für den vertrauensvollen Ablauf der Organspende ist. Die fiktiven Kampagnen-Ansätze wurden von der Hochschule Pforzheim unabhängig von der DSO geplant und realisiert. Hierbei ging es in erster Linie um die Entwicklung von kreativen Ideen, die dieses anscheinend immer noch „brisante Thema" wieder mehr in den Fokus der breiten Öffentlichkeit rücken. Ziel der Kampagne sollte es sein, die Gesellschaft zum Denken anzuregen und letztendlich mehr Menschen dazu zu bewegen, einen Organspendeausweis bei sich zu tragen, um so mehr Leben retten zu können.

Die Studentinnen und Studenten Mareike Bärenholz, Julia Bürckel, Sonja Lauf,
Julija Litke, Sebastian Moser, Mariel Scherzer, Mayan Shay und Teresa Zajac dazu:

In Deutschland warten 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Täglich kommen 14 neue Patienten hinzu und täglich sterben drei Menschen, weil das lebensrettende Spenderorgan fehlt. Diese Statistiken bilden nüchterne Zahlen ab, doch dahinter stehen tragische Schicksale; Schicksale, die seit einiger Zeit immer häufiger in die Medien gelangen und so das Thema auch für die Politik und die breite Öffentlichkeit relevant machen.

Auf Grund der Aktualität und, um noch mehr Menschen auf die Problematik aufmerksam zu machen, wurde das Thema zur Semesteraufgabe des 4. Semesters Werbung/Text im Studiengang Visuelle Kommunikation bei Prof. Sebastian Hackelsperger.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, bedingt durch das Thema, näherten sich die Studierenden auf ganz unterschiedliche Weise Ihrer Semesteraufgabe: Julia Bürckel machte beispielsweise das „Fehlen" zum zentralen Punkt ihres
Kampagnenansatzes. Es fehlen Organe, es fehlen Organspender. Jährlich warten 12.000 Menschen in Deutschland auf ein Spenderorgan. Mit der Kampagne „Fehlen" sollte dieser Zustand auf ungewöhnliche Weise dramatisiert werden - denn die Kampagne fehlt auch einfach! Im übertragenen Sinn fehlen die Anzeigen, es fehlen die Plakate, es fehlen die Funkspots, es fehlt der TV-Spot. Mayan Shay fragte dagegen: „Was passiert nach dem Tod"?


Mit ihrem Kampagnenansatz wollte sie möglichst vielen Menschen die Angst vor einer Organspende nehmen. Unter die typografische Visualisierung verschiedener Nah-Tod-Erlebnisse setzte sie jeweils den prägnanten Satz: „What ever happens after death, your body is not needed there".

Der Kampagnen-Ansatz von Mareike Bärenholz lautete: „Man muss kein Engel sein". Ein Organ spenden und damit ein Menschenleben retten kann jeder. Dieser Grundgedanke wurde durch spontane Momentaufnahmen visualisiert, in denen „normale" Menschen durch den jeweiligen Hintergrund zufällig „Engelsflügel" erhielten. Diese Zufälligkeit sollte verdeutlichen, dass jeder durch eine postmortale Organspende Leben retten kann.

Teresa Zajac setzte auf die „Personifizierung der Organe".

Ihre Kampagne versuchte, durch eine Personifizierung der menschlichen Organe
dem Rezipienten einen emotionaleren Zugang zum Thema postmortale Organspende zu vermitteln. Grafisch reduziert kamen die wichtigsten Spenderorgane wie Herz, Niere und Lunge selbst zu Wort und erzählten ihre ganz persönliche Geschichte.

Dass Kampagnen etwas bewirken können, zeigte sich dann auch gleich auf der
Werkschau: Hier entdeckte Landrat Karl Röckinger die Arbeiten der Studierenden
und regte prompt eine Beteiligung an der Ausstellung „By Heart - Dein Herz
entscheidet" im Landratsamt Enzkreis in Pforzheim an.

Nur wenige Monate später, am 11.10.2011, eröffnete die Sozialministerin des
Landes Baden-Württemberg Karin Altpeter MdL mit dem Landrat Karl Röckinger und weiteren geladenen Gästen die Kunstausstellung, wo auch die Arbeiten der Studentinnen und Studenten der Fakultät Gestaltung zu sehen waren.

Das Thema Organspende ist und bleibt ein schwieriges Thema, da man sich zu
Lebzeiten mit seinem Tod beschäftigen muss. Die Entscheidung, einen Organspendeausweis zu tragen oder nicht, muss jeder individuell für sich selbst
treffen. Wichtig ist nur, dass man sich mit dem Thema auseinandersetzt - denn wer sich für das Organspenden entscheidet, entscheidet sich für das Leben!
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