Spurensuche in Little Berlin alias Mödlareuth dank ZDF-Dreiteiler „Tannbach – Schicksal eines Dorfes“

Auf Spurensuche in Mödlareuth.
 
Gestern war in Mödlareuth kein Parkplatz frei.
 
Vor allem Bayern nutzen den Feiertag, um Little Berlin einen Besuch abzustatten.
 
Freigelände des Deutsch-deutschen Museums Mödlareuth.
Gefell: Deutsch-deutsches Museum |

6,35 Millionen Zuschauer am Sonntag, am Montag 6,55 Millionen. Heute, 20.15 Uhr, ist im ZDF der dritte Teil von „Tannbach – Schicksal eines Dorfes“ zu sehen. Erzählt wird im Dreiteiler anhand der Lebenswege der Bewohner eines kleinen Ortes an der bayerisch-thüringischen Grenze von den Schicksalsmomenten im Nachkriegsdeutschland auf dem Weg zur deutsch-deutschen Teilung. Als authentisches Vorbild hierfür wurde Mödlareuth gewählt. „Little Berlin“, wie es der damalige Vizepräsident George Bush 1983 einst nannte, ist ein geteiltes Dorf. Die Staatsgrenze wurde nach dem Zweiten Weltkrieg entlang des Bachverlaufs des Tannbaches mitten durch das Dorf gezogen.

Sieglinde Waschke arbeitet im Deutsch-deutschen Museum Mödlareuth, sie findet den Kommentar der „Zeit“ – „Wieder ein Film mit Geschichtsfolkore“ passend. Den ersten Teil des ZDF-Dreiteilers hatte sie nicht gesehen. Den zweiten findet sie komisch, kurios, schlampig recherchiert, gedankenlos: „Wieso wird dort oberbayrisch gesprochen? Die Handlung spielt in Oberfranken! Und wieso fahren russische Jeeps durch den westlichen Teil von Mödlareuth?“ Sie wird heute den dritten Teil logischerweise mit kritischen Augen verfolgen: „Die eine Seite ist das Drehbuch. Wenn man bei der Umsetzung aber nie vor Ort war…“. Dass durch den Dreiteiler die Besucherzahlen in Mödlareuth enorm steigen werden, glaubt sie übrigens nicht. Voriges Jahr zählte das Museum 70.000 Besucher. Im Film fällt kein Ortsname Mödlareuth. Lediglich der Name des Bächleins spielt eine Rolle: Tannbach. Auch von der Örtlichkeit sei wenig Authentizität gegeben. Schließlich wurde der Film fast ausnahmslos in Tschechien gedreht. Man könne nicht in Mödlareuth drehen, hieß es zuvor, weil die Häuser hier zu modern seien.

Karin Merkner, im Westteil von Mödlareuth wohnend und ebenfalls im Museum arbeitend, hat am Dienstag nicht schlecht über die vielen Besucher in Mödlareuth gestaunt. In dieser Jahreszeit sei eher tote Hose. Der Film habe wohl viele Neugierige angelockt. „Das Wetter hat gepasst und bei uns war ja auch Feiertag“, kommentiert sie. Sie freut sich, wenn sich die Menschen für das geteilte Dorf und dessen Geschichte interessieren. „Wir sind übrigens nur kommunal getrennt, nicht menschlich“, betont sie und scherzt: „Wir haben zwei Bürgermeister. Wenn der eine nicht spurt, dann gehen wir eben zum anderen“.

Museumsleiter Robert Lebegern freut sich über den positiven Werbeeffekt für das Museum. Er hat heute an seinem ersten Arbeitstag nach dem Urlaub zahlreiche E-Mail-Anfragen in seinem Postfach. Für ihn hat der ZDF-Dreiteiler das Thema deutsch-deutsche Teilung mit all seinen Facetten ins Bewusstsein der Fernsehzuschauer gerufen. Da in der anschließenden Doku nach dem ersten Teil des Filmes mehrere Grenzmuseen benannt wurden, werden sie in den nächsten Wochen und Monaten seiner Meinung nach von einem größeren Besucherinteresse profitieren. Davon ist heute Vormittag in Mödlareuth noch nicht viel zu merken. Laut Lebegern liege das aber am ungemütlichen Wetter. Zudem war in Bayern gestern nicht nur Feiertag, sondern auch der letzte Ferientag.

Lebegern zeigt sich begeistert, auf welch großes Interesse der ZDF-Dreiteiler stößt. Natürlich sei die dargestellte Handlung nur fiktional, aber schon an die Geschichte von Mödlareuth angelehnt. „Der Film ist kurzweilig und interessant“. Dass der Ortsname im Film keinerlei Rolle spielt, betrachtet der Museumschef nicht als Problem. Der Name des Grenz-„Flusses“ – er ist nur ein kleiner Bach – kommt sogar im Titel des Dreiteilers vor. „Und wer nach Tannbach googelt, kommt automatisch auf Mödlareuth“, so Lebegern.

Vergangenen Herbst hatte der Museumschef Kontakt mit den Filmemachern. In den Gesprächen war zu erfahren, dass es nicht ausgeschlossen sei, dass die Geschichte in weiteren Teilen fortgesetzt wird.


Tannbach - Schicksal eines Dorfes

Teil 1: Der Morgen nach dem Krieg
Teil 2: Die Enteignung
Teil 3: Mein Land, dein Land

Buch: Josephin von Thayenthal, Robert von Thayenthal
Kamera: Clemens Messow
Musik: Fabian Römer
Regie: Alexander Dierbach

Dr. Norbert Himmler zum Dreiteiler:

Zum Jahresauftakt 2015, 70 Jahre nach Ende des Zweiten Welt­kriegs, zeigt das ZDF die mehrteilige Familiensaga "TANNBACH – Schicksal eines Dorfes", die im Nachkriegs­deutschland spielt. Die Geschichte des Ortes und seiner Men­schen, die von wahren Begebenheiten und historischen Ereignis­sen inspiriert ist, er­zählt vom Leben der in Tannbach verbliebe­nen Bewohner, Kriegsge­fangenen, Deserteure, Naziopportunisten und Flüchtlinge in den letzten Kriegstagen und ihrem Versuch, den Krieg irgend­wie zu überleben.

Nach dem Krieg gehört Tannbach zunächst zur amerikanischen, später zur sowjetischen Besatzungszone, bis sich die Grenzen erneut verschieben, und das Dorf schließlich geteilt wird.

Das ZDF setzt sich 2015 also einmal mehr mit Menschen und Er­eignissen, wie sie im kollektiven Gedächtnis verankert sind, in­nerhalb der Familie weitergetragen und in Erzählungen, Film und Büchern dargestellt wurden, auseinander. Dabei sind Besetzung und Machart ebenso populär wie glaubwürdig, heutig und realis­tisch. Der attraktive und hoch emotionale Mehrteiler erzählt, wie alles anfing: von unseren Wurzeln im Nachkriegsdeutschland bei­der Republiken, der DDR im Osten und der BRD im Westen. His­torisch schließt der Film damit an das Kriegsepos "Unsere Mütter, unsere Väter“ an. Auch "TANNBACH - Schicksal eines Dorfes" kann de­nen, für die diese Jahre sehr weit zurückliegen, einen Einblick in eine für sie längst vergangene Zeit, die uns immer noch prägt, geben. Denen, die die Geschichten von ihren Eltern und Großel­tern noch kennen, manches verständlicher machen, und bei den wenigen Menschen, die die Zeit noch bewusst erlebt haben, Erin­nerungen wecken und Bilder hervorholen, die lange verschüttet waren.

So erzählt das aufwändige Filmepos im Erinnerungsjahr 2015 durch die Darstellung dieses ländlichen Mikrokosmos von der Entstehungsgeschichte der beiden deutschen Staaten und bringt dem Zuschauer große Geschichte im Brennglas menschlicher Erfahrungen und Erlebnisse nahe.

Rollen und Darsteller:

Anna von Striesow (Henriette Confurius)
Friedrich Erler (Jonas Nay)
Liesbeth Erler (Nadja Uhl)
Georg von Striesow (Heiner Lauterbach)
Hilde Vöckler (Martina Gedeck)
Franz Schober (Alexander Held)
Lothar Erler (Ludwig Trepte)
Konrad Werner (Ronald Zehrfeld)
Caroline von Striesow (Natalia Wörner)
Theresa Prantl (Maria Dragus)
Heinrich Schober (Florian Brückner)
Kathi Schober (Johanna Bittenbinder) u.v.a.

Weitere Sendungen:

ZDFneo | Sa 10.01.2015 20:15 Teil 1

Deutschland 1945, die letzten Tage vor der endgültigen Kapitula­tion. Auf Gut Striesow an der thüringisch-bayerischen Grenze sind unzählige Flüchtlinge einquartiert, man wartet auf das erlö­sende Ende des Krieges. Doch im letzten Moment kann die SS durch Verrat noch ein Exempel statuieren: Caroline von Striesow droht die Exekution, weil sie ihren desertierten Mann Georg versteckt.

Ihre Tochter Anna ist tief erschüttert. In Friedrich, dem Sohn von Liesbeth Erler, die aus Berlin nach Gut Striesow geflüchtet ist, findet sie einen Vertrauten in ihrem Verlust. Auch er hat seinen Vater im Krieg verloren. Als kurz darauf die Amerikaner Dorf und Gut einnehmen, müssen sich die Bewohner mit der neuen Situation arrangieren. Franz Schober, NS-Parteimitglied und Verräter des versteckten Georg von Striesows, glaubt sein Parteibuch verschwunden und nutzt diese Chance, sich den Amerikanern anzudienen. Hilde Vöckler verrät aus Abscheu ihren Sohn Horst, den mörderischen SS-Mann, an die neuen Besatzer. Lothar, jüdischer Ziehsohn von Liesbeth Erler, geht zurück nach Berlin, um nach seinen ver­schollenen Eltern zu suchen. Georg von Striesow, der von dem Verrat durch Franz Schober erfährt, greift diesen tätlich an und wird als Konsequenz von den Amerikanern in ein Kriegsgefange­nenlager abgeschoben. Jetzt trägt die junge Anna von Striesow die alleinige Verantwortung für das Gut und sucht die Verständi­gung mit den Amerikanern. Doch die Besatzungszonen verschie­ben sich – und Tannbach befindet sich im Sommer 1945 plötzlich in der sowjetischen Zone.



ZDFneo | Sa 10.01.2015 21:45 Teil 2

1946. Tannbach wird jetzt von den Rotarmisten kontrolliert. Für die Be­wohner bedeutet das neben dem alltäglichen Überlebens­kampf eine neue politische Richtung: Enteignung durch die Bo­denreform und Deportierung der ehemaligen Großgrundbesitzer. Friedrich brennt für diese neuen Ideen – obwohl Anna durch die politischen Reformen ihren Besitz verliert und deportiert werden soll. Der neu eingesetzte Landrat Werner ist für Friedrich Vater­ersatz und ide­ologischer Richtungsgeber.

Der Großbauer Franz Schober entgeht der Enteignung durch ei­nen klugen Schachzug seines ungeliebten Sohnes Heinrich, der seinen Vater mit dem aufgefundenen Parteibuch in der Hand hat. Heinrich versucht, sich ein eigenes Leben aufzubauen – mit sei­ner jungen Frau Theresa, die er, bereits schwanger von einem ande­ren, geheiratet hat. Friedrich heiratet Anna und rettet sie so vor der Deportation. Ge­meinsam versuchen auch sie sich ein neues Leben auf den Trümmern aufzubauen. Sie beziehen ihren "Neubauernhof" und erleben erstmals wieder so etwas wie Normalität. Bis sich die Grenzen im Sommer 1946 aufs Neue verschieben und das Dorf in seiner Mitte geteilt wird. Liesbeth, endgültig desillusioniert von den neuen russischen Machthabern und der Konformität ihres Sohnes, verlässt Tannbach im Wunsch, sich ein neues Leben jenseits Deutschlands aufzubauen.



ZDFneo | Sa 10.01.2015 23:20 Teil 3

1948. Tannbach ist ein geteiltes Dorf, auch wenn die Grenzen noch recht durchlässig sind. Im Osten wie im Westen versuchen die Bewohner ihr Leben unter den neuen Bedingungen einzu­richten. Anna und Friedrich haben sich unter den Vorzeichen des entstehenden Bauern- und Arbeiterstaates im Ostteil eine neue Existenz aufgebaut, als fleißige Neubauern auf einer Parzelle des enteigneten Gutes Striesow. Auf der Westseite haben Theresa und ihr Mann Heinrich immer noch unter dem alten Schober zu leiden – was sie endlich dazu bewegt, ihn im Rahmen der "Entnazifizierung" und mit Hilfe des angeblich verschwundenen Parteibuches anzuzeigen. Aber auch hier versteht es Schober, sich seiner Strafe zu entziehen.

1952. Liesbeth besucht nach Jahren in den USA Tannbach, um an der Taufe ihres Enkelkindes teilnehmen zu können, und spürt deutlich die gravierenden Veränderungen seit ihrem Fortgang. Auch Landrat Werner kann einer Ausweitung der "Aktion Unge­ziefer" nicht entgegenwirken. Die Liebesbeziehung zwischen ihm und Hilde Vöckler kann der politischen Situation nicht standhal­ten. Zusammen mit Anna und Friedrich lebt weiterhin Lothar auf dem Neubauernhof, der als Schmuggler und Schleuser im wahren Sinn des Wortes Grenzgänger bleibt. Doch die Situation an der Grenze spitzt sich zu, was die Ent­scheidungen plötzlich endgültig werden lässt. Die Überquerung der Grenze wird lebensgefährlich. Als Friedrich mit der Umset­zung der "Aktion Ungeziefer" betraut wird – Zwangsumsiedlungen seiner Nachbarn und Freunde – wird seine und Annas politische und ideologische Loyalität auf eine harte Probe gestellt.

Doku zum Film:

https://www.youtube.com/watch?v=Mk1UnXckekM
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1 Kommentar
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Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 12.01.2015 | 11:02  
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