Uralte Geheimnisse entdecken. Ausflug in die Geschichte des Bieres und Erzbergbaus im Markthöhler Bad Lobenstein

Carsten A. Dunkel an einem Bohrhammer, wie er ab 1900 in Lobenstein zum Einsatz kam. Die hinteren Höhler des Bad Lobensteiner Markthöhlers sind museal zum Anschauungsbergwerk umgestaltet, um den früheren Erzbergbau der Region vorzustellen.
 
Erzbergbaugeschichte hautnah erleben.
Bad Lobenstein: Markthöhler | Heute ist alles so einfach. Kühlschranktür auf und schon kann man ein kühles Blondes zischen. Und sollte der Vorrat zur Neige gegangen sein, ist der nächste Supermarkt oder am Wochenende eine Tankstelle nicht weit. Bier ist überall verfügbar. Und selbst bei Zimmertemperatur hält es verschlossenen in Flaschen oder Büchsen eine halbe Ewigkeit.

Aber was machten unsere Vorahnen, als die maschinell erzeugte Kälte noch nicht erfunden war? Anschauliche Antworten darauf bietet Carsten A. Dunkel in Bad Lobenstein. In den Tiefen unter der Stadt lädt er zur Entdeckungsreise uralter Geheimnisse ein. Seine Gäste im Markthöhler staunen nicht schlecht, welcher Aufwand um 1785 betrieben wurde, Bier zu lagern.

Aber zuerst muss er den Begriff Höhler erklären. Die meisten seiner Besucher kommen aus Berlin und Leipzig, zu nehmend auch immer mehr Hallenser und Dresdner. Der Begriff Höhler hingegen ist nur in Ostthüringen gebräuchlich, beschreibt nichts anderes als einen unterirdischen Bierfelsenkeller. In dem Moment, wo die Gäste das erfahren, stehen sie bereits im Höhler Nr. 4. Es ist kalt, feucht und nur notdürftig beleuchtet. Zu sehen ist ein aus dem Stein heraus gehauener Gewölbekeller, rechts und links des Ganges Erhöhungen. Dunkel klärt auf: Die rechts und links stehen gelassenen Steinsockel, 40 Zentimeter hoch und 1,40 Meter breit, nennen sich Strossen. Auf diesen Strossen standen einst die Bierfässer in doppelter Reihe und bis an die Decke übereinander gestapelt. Rund 8500 Liter sollen in einen derartigen Höhler gepasst haben.

Von wegen, dass diese Menge wohl eine halbe Ewigkeit gereicht haben muss. Carsten A. Dunkel weiß es besser: „Das hat gerade gereicht, die Lobensteiner Einwohner eine Woche mit Bier zu versorgen!“. Lobenstein – heute Bad Lobenstein – ist ein kleines Städtchen. 1875 hatte Lobenstein 2851 Einwohner. Zu Hochzeiten der Bierhöhler waren es noch weniger. Mit Gerstensaft verwöhnte Genussmenschen? Nein! Bier hatte damals eine andere Bedeutung: „Bier zählte zur damaligen Zeit neben Brot, Grütze und Schmalz zu den Hauptnahrungsmitteln der einfachen Bevölkerung. Und das Bier war damals eines der gesündesten Getränke, die man zur Hand hatte. Denn das Brauwasser hatte man vor dem Bierbrauen stundenlang gekocht und damit war es unbewusst keimfrei gemacht, so gesund, dass es selbst Alte, Kranke und Kinder Bier als Hauptgetränk bekamen!“, berichtet Dunkel.

Der Exkurs in die Biergeschichte ist nur ein Teil der Führung. Wenn Dunkel erklärt, wie die Höhler entstanden sind, „erntet“ er dafür offene Münder und staunende Augen. Etwa anderthalb Jahre brauchten zwei Bergarbeiter, um in mühseliger Schlägel- und Eisenarbeit eine Höhlerkammer aus dem Fels des Schlossberges herauszuschlagen! Die Höhler ab der Nr. 12 sind jüngeren Datums, entstanden ab Mitte des 19. Jahrhunderts durch Schießpulversprengungen. Die Wände und Decken sind uneben und zackig. „Deshalb hat man hier den Eindruck, als befände man sich in einem Bergwerkstollen“, so Dunkel. Das hat er zum Anlass genommen, die hinteren Höhler als Anschauungsbergwerk einzurichten. Die Region Bad Lobenstein-Hirschberg ist zerlöchert wie ein Schweizer Käse. Es gab zeitweise bis zu 144 betriebene Erzbergwerke. Wie dort einst gearbeitet wurde, hat Dunkel anschaulich nachgestellt.

Insgesamt führt er durch 17 Höhler, beziehungsweise an ihnen vorbei. Jeder hat seine eigene Geschichte und Carsten A. Dunkel die passende dazu. Selbst Kindern wird’s nicht langweilig. Sie werden bei den Zwergen hellhörig, von denen nicht jeder das Bier ordentlich bewacht haben soll. Einer mit dicker roter Knollnase wurde daraufhin versteinert und kann heute noch bestaunt werden.

Markthöhler Bad Lobenstein
Dienstag bis Sonntag geöffnet
Führungen 14.10, 15.30 und 17.10 Uhr
Telefon 036651/39557 oder 30792
www.markthoehlerlobenstein.de
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