Vom betrunkenen Bürgermeister und anderen Persönlichkeiten: Eine Stadtführung der besonderen Art

Der betrunkene Bürgermeister Hans Wolf (Andreas Stark) vor dem Greizer Rathaus, in dem heute natürlich nicht mehr illegal Bier gebraut wird!
 
Der betrunkene Bürgermeister wird vom Stadtbüttel (Frank Becker) gestellt.
Greiz: Innenstadt | Um es gleich vorweg zu nehmen: Ja, es hat ihn tatsächlich gegeben, den betrunkenen Bürgermeister in Greiz. Er hieß Hans Wolf und hat wegen des Alkohols seiner Stadt großen Schaden zugefügt. Allerdings liegt das über vier Jahrhunderte zurück. Am 3. April im Jahre 1610 war es, als jener Bürgermeister beim illegalen Bierbrauen getrocknetes Malz abnahm und dabei mit offenem Licht hantierte, denn elektrischen Strom gab es ja noch nicht! Dabei setzte er, sturzbetrunken, wie der war, nicht nur das Malz und damit das Rathaus in Flammen, sondern insgesamt 78 Häuser, die alle dem Feuer zum Opfer fielen. Seine Schuld stritt er vor Gericht ab und hielt auch nichts von Schadensbegleichung. Worauf er ins Gefängnis kam und schließlich der Stadt verwiesen wurde.

Diese Geschichte hat Silke Stark im Thüringer Staatsarchiv „ausgegraben“. Genauso wie die Story von dem „beschissenen Müller“ von der Greizer Stadtmühle, der vom Betrug, also vom „Beschiss“ lebte, alle und jeden übers Ohr haute und sogar Geld fälschte. Eines Morgens sei dieser Müller aber mit einem flammenden Feuermahl auf der Wange aufgewacht. Dies habe er als Warnung verstanden, worauf er fortan nur gutes getan hat.

Die Greizer Geschichte ist reich an schrägen, schillernden und bekannten Persönlichkeiten. Wobei die Charaktere von solchen wie den einst in den Höhlen des Göltzschtales hausenden Landstreichern Lieb und Finger über den Hof-Fotografen Heinrich Fritz und fürstliche Excellenzen wie Heinrich XI. bis hin zu den landesweit bekannten Satiriker Hansgeorg Stengel reicht.

Ein rundes Dutzend dieser Persönlichkeiten der Stadtgeschichte werden – und das ist kein Aprilscherz – am 1. April 2012 zum Leben erweckt! Möglich machen das die Laienschauspieler des Mode- und Showteams Greiz mit ihrer historischen Stadtführung, die am Sonntag an verschiedenen Schauplätzen Geschichte erlebbar machen will. Leiterin Silke Stark hat dazu, wie bereits erwähnt, viele Tage im Thüringer Staatsarchiv recherchiert. „Alles, was wir darstellen, basiert auf historischen Tatsachen“, versichert sie. Wobei sie die Handlungen und Dialoge, die zu der besonderen Stadtführung in historischen Kostümen präsentiert werden, selbst verfasst hat. Insgesamt zwölf Akteure stellen die Charaktere dar. Und das möglichst authentisch. Was bei dem letzten Hofbäcker der Stadt kein Problem sein dürfte, denn der wird von Heiko Oettert gespielt, der im wahren Leben tatsächlich auch als Bäcker arbeitet.

Angeführt wird der etwa anderthalbstündige Rundgang von Silke Stark und Stadtführerin Johanna Künast, die als „Greizer Latschweiber“ für die notwendigen Informationen sorgen. „Latschen“ heißt auf vogtländisch soviel wie „daher reden“. Konkrete historische Vorbilder für die „Greizer Latschweiber“ gibt es nicht, aber schwatzende Frauen gab es zu allen Jahrhunderten in aller Welt. Und so sicher auch in Greiz.

TIPP: Die Historische Stadtführung durch Greiz beginnt am Sonntag, 1. April, um 17 Uhr im Unteren Schloss an der Tourist-Information, wo es auch Tickets gibt.
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