Wenn Erwachsene nicht lesen können

Simone Dunkel und Uwe Hupfer initiieren das "Netzwerk Ostthüringen für Alphabetisierung". (Foto: Kerrin Viererbe)

Netzwerk Ostthüringen für Alphabetisierung (NOA) nimmt Arbeit auf

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GERA, GREIZ, SCHLEIZ. Trotz Schulpflicht gibt es in Deutschland nach neuesten Untersuchungen der Universität Hamburg zirka 7,5 Millionen Jugendliche und Erwachsene, die nur unzureichend lesen und schreiben können. Allein in Thüringen liegt die Zahl bei geschätzten 200.000 Menschen. Um ihnen zu helfen, nimmt jetzt ein Netzwerk verschiedener Institutionen in Ostthüringen seine Arbeit auf. Die Initiatoren Simone Dunkel und Uwe Hupfer beantworten dazu einige Fragen:

Wie genau nennt sich das Netzwerk?

Simone Dunkel: Unser Projekt heißt „Netzwerk Ostthüringen für Alphabetisierung". Damit möchte die FAW gGmbH Akademie Plauen/Außenstelle Gera in der Region Ostthüringen neue Wege zum Thema „Funktionaler Analphabetismus“ gehen. Denn für die Betroffenen bedeutet nicht ausreichend lesen und schreiben zu können in vielen Lebensbereichen und -situationen eine erhebliche Beeinträchtigung ihrer Entwicklungsmöglichkeiten. Und diesen Menschen wollen wir helfen.

Wen nehmen sie für dieses Projekt mit ins Boot?

Uwe Hupfer: Ziel ist eine langfristige und nachhaltige Netzwerkbildung in Ostthüringen. Wir möchten beispielsweise Unternehmen, Arbeitsverwaltungen, Bildungsträger, Kammern, Gewerkschaften, Behörden, Beratungsstellen und natürlich auch einzelne engagierte Bürger für die Thematik sensibilisieren, sie an einen Tisch holen und für die Umsetzung einer regionalen Alphabetisierungs- und Grundbildungsstrategie gewinnen.

Wie wollen Sie potentielle Partner für das Netzwerk erreichen?

Simone Dunkel: Zur Erreichung dieser Ziele werden wir unter anderem themenspezifische Aufklärungs- und Informationsworkshops durchführen und regionale Netzwerktage initiieren.

Wo können sich Interessenten informieren?

Uwe Hupfer: Informationen gibt es bei uns in der FAW Gera, Telefon 0365/773353-234 und -237. Künftig sollen auch auf einer projektspezifischen Homepage alle relevanten Akteure auf eine Toolbox mit zahlreichen Informationen zum regionalen Netzwerk zugreifen können. Dieses Portal soll noch in diesem Jahr ins Netz gehen. Dort werden Interessenten Instrumente finden, die sie in der Arbeit mit betroffenen Menschen unterstützen

INFO:

Funktionaler Analphabetismus: Als funktionale Analphabeten werden Personen bezeichnet, die aufgrund unzureichender Beherrschung der Schriftsprache und/oder aufgrund der Vermeidung schriftsprachlicher Eigenaktivität nicht in der Lage sind, Schriftsprache für sich im Alltag zu nutzen (Döbert-Nauert 1985). Sie erkennen zwar Buchstaben und sind auch in der Lage, einzelne Wörter zu schreiben, haben jedoch Probleme, den Sinn von Texten zu erfassen und danach zu handeln. Alltagsanforderungen wie zum Beispiel das Lesen von Fahrplänen oder Beipackzetteln ist für sie unmöglich.
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2 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 13.11.2012 | 18:43  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 14.11.2012 | 04:21  
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