"Ich war noch nie an meiner Grenze": Ultra-Marathon-Athletin Heike Bergmann aus Zeulenroda läuft und läuft und läuft

Ultramarathonläuferin Heike Bergmann mit der Medaille vom Lauf London - Birmingham.
Zeulenroda: ... |

Heike Bergmann gibt viel Geld für Schuhe aus. Für ihre Karriere braucht sie fünf bis sechs hochwertige Paar im Jahr. Die 51-Jährige aus Zeulenroda-Triebes ist aber kein Schuhmodel.


Heike Bergmann gehört zu den besten Läuferinnen der Welt. Mit knapp 40 Jahren beschloss sie, Ultra-Marathon zu laufen. Jana Scheiding besuchte die Frau mit dem langen Atem in ihrem hübschen Wohnort Läwitz bei Zeulenroda-Triebes, wo sie sechsmal die Woche weite Distanzen läuft.

Die 42 Kilometer des New York-Marathons sind für Sie ein kleiner Sprint. Wie kamen Sie zum Ultra-Marathon?
Der Auslöser war 1998 ein Urlaub in den USA. In Las Vegas saßen Menschen vor den Spielautomaten auf zwei Hockern, die aber immer noch nicht ausreichten. Das Bild werde ich nie vergessen. Am nächsten Tag kaufte ich mir Laufschuhe. Zu Hause begann ich zu laufen und habe nie mehr aufgehört. 1999 lief ich meinen ersten Marathon in Hamburg. Und als ich am New York Marathon teilnehmen wollte, fiel der wegen eines Hurrikans aus.

Wie ging es weiter?
2007 lief ich meinen ersten Supermarathon: 72 Kilometer von Eisenach nach Schmiedefeld. Das machte so viel Spaß, dass ich wissen wollte, wie sich 100 Kilometer anfühlen.

Und wie fühlen sie sich an?
Lacht. Das ist schon gar nicht mehr wahr. Zwischenzeitlich bin ich ja den Spartathlon gelaufen - ein Straßenlauf von 236 Kilometern von Athen nach Sparta. Im Ziel habe ich den Journalisten erklärt, dass ich das nie wieder tun werde, aber im September fahre ich wieder hin.

Sie waren die erste Thüringerin, die an diesem Lauf teilnahm...
Ja. Und eine von drei Frauen, die das Ziel erreichten. Der Spartathlon ist eines der härtesten Ultrarennen der Welt. Jeder Marathonläufer träumt davon. Man läuft an der Akropolis vorbei, am Straßenrand, mitten im Berufsverkehr, von der Polizei eskortiert. Die Menschen jubeln. Von den 340 Startern kommen nicht einmal 100 ins Ziel. In Sparta läuft man auf die Statur des Königs Leonidas zu. Wenn man die Hände auf dessen Füße legt, ist man angekommen. Man möchte diesen Augenblick ganz allein genießen, aber das ist unmöglich. Man wird sofort bestürmt. Menschen wollen Fotos und die Dopingkontrolleure warten.

Wie bereiten Sie sich auf solche Höhepunkte vor?
Ich trainiere sechsmal die Woche, nach der Arbeit etwa vier bis fünf Stunden. Meistens laufe ich 70 Kilometer an der Talsperre entlang. Ich teile die Strecke in kleine Abschnitte ein, dann ist die Zahl nicht mehr so groß. So stärke ich mich mental.

Und wenn die Erschöpfung naht?
Laufe ich weiter, weil ich weiß, dass dieser Zustand vorübergeht.

Die Ernährung?
Ausgewogen, aber ich zähle keine Kalorien. Sie werden in meiner Küche keine Fertigprodukte finden, aber wenn es schmeckt, esse ich auch mal vier Stück Kuchen.

Wie reagiert Ihr Umfeld auf diese außergewöhnliche Leidenschaft?
Sie sagen es: Laufen ist meine Leidenschaft. Die meisten Leute reagieren positiv. Meine Kinder und meine Kollegen zum Beispiel. Wenn ich irgendwo auf der Welt laufe, sitzen sie die halbe Nacht vor dem Fernseher und verfolgen meine Laufstrecke. Dann gibt es natürlich Menschen, die meinen, das sei irre und könne nicht gesund sein. Dazu kann ich nur sagen: Ich bin fast 52 und bis jetzt hat es mich noch nicht krank gemacht.

Wo liegt Ihre Grenze?
Lächelt. Ich weiß es nicht, ich war noch nie dort. Laufen ist für mich kein Stress. Auch nach 220 Kilometern nicht.

Haben Sie jemals ans Aufhören gedacht?
Es ist ein hartes Training, das viel Zeit kostet. Vielleicht in zwei, drei Jahren. Bis dahin will ich noch ein wenig oben mitmischen.



Zur Person:

Heike Bergmann startet für den TSV Zeulenroda und gehört zum deutschen Nationalteam. Sie gehört zur Weltelite und ist Weltranglistenerste in ihrer Altersklasse. Bergmann ist Sportlerin des Jahres 2013 der Deutschen UltraMarathon-Vereinigung und Laufbotschafterin.
2013 war sie außerdem beste 24-Stunden-Läuferin Deutschlands.
Laufzeit: 224,932 Kilometer in 24 Stunden
Bergmann imponiert dem Saalfelder Künstler Tim Müller dermaßen, dass er sie demnächst auf einer Mauer, die er bemalen wird, verewigen will.

www.ultra-marathon.org
www.yasni.de
www.laufsport-olbrich.de
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3 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 15.07.2014 | 20:11  
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Renate Jung aus Erfurt | 16.07.2014 | 00:46  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 21.07.2014 | 06:35  
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