Mit Schlagkraft und Charme – Boxerin Justine Mörl hat Olympia 2016 im Visier

Justine Mörl, erfolgreiche Nachwuchsboxerin vom TSV Zeulenroda.
 
Justine Mörl mit ihrem Trainer Karl-Heinz Ullrich bei der „Arbeit“ am Sandsack.
Das Frauenboxen boomt. Nicht erst seit Regina Halmich und Stefan Raabs gebrochener Nase wissen die Herren, dass es auch schlagkräftige Damen im Boxring gibt. Im Amateurbereich dringen bereits seit Anfang der 90er Jahre immer mehr Faustkämpferinnen in die einstige Männerdomäne Boxen ein. Nicht umsonst ist das Frauenboxen dieses Jahr in London erstmals olympische Disziplin.

Auch beim TSV Zeulenroda trainieren mittlerweile fast genauso viele Sportlerinnen wie Sportler in der Sektion Boxen. Unter ihnen mit Justine Mörl ein Mädchen, das im Nachwuchsbereich zur deutschen Spitzenklasse gehört. Das hat sie zuletzt mit ihrem Titelgewinn bei den Thüringer Landesmeisterschaften in Nordhausen unterstrichen.

Ich treffe die 16-Jährige im Box-Trainingszentrum des TSV im Zeulenrodaer Jugendclub Römer. Justine macht auf dem ersten Blick überhaupt nicht den Eindruck einer Kampfsportlerin. Charmant und zurückhaltend, fast schon schüchtern, beantwortet sie meine Fragen. Doch sobald sie mit ihrem Trainer Karl-Heinz Ullrich am Sandsack steht, explodiert sie. Mit hart und schnell geschlagenen Haken und Geraden traktiert sie das Trainingsobjekt. Ich erhalte eine Ahnung von ihrer Schlagkraft. Auch beim „Schattenboxen“ im Ring legt sie ihre Zurückhaltung ab. Selbst hinter meinem Fotoapparat spüre ich ihre Aggressivität und Explosivität. 53 Kilo geballte Energie – ich bin tatsächlich froh, ihr nicht im Faustkampf gegenüber stehen zu müssen!

Seit fast genau fünf Jahren trainiert Justine zweimal wöchentlich beim TSV. „Durch meinen Vati bin ich zum Boxen gekommen“, sagt die mittlerweile 1,70 Meter große Athletin. Trainer Karl-Heinz Ullrich hatte gleich das große Talent der damals noch kleinen Sportlerin erkannt. Ihre enorme Schlagkaft und eiserne Disziplin schätzt er heute als besondere Stärken seines Schützlings ein. Im vergangenen Jahr ging es für Justine auf der Erfolgsleiter steil bergauf. Höhepunkt war die Silbermedaille bei den 9. internationalen Deutschen Meisterschaften in Straubing. Im Finale der Juniorinnen bis 57 kg unterlag sie gegen die WM-Dritte Elisabeth Wohlgemut aus Wismar hauchdünn nach Punkten. Objektive Beobachter des Finalfights hätten sich über einen anderen Kampfausgang nicht gewundert. Auch die Späher des Schweriner Sportgymnasiums, der Hochburg für den Box-Nachwuchs in den Neuen Bundesländern, setzten Justine Mörl auf ihre Liste. Prompt erhielt die Aumaerin nach der Deutschen Meisterschaft eine Einladung, ab 2012 das Sportgymnasium zu besuchen.

Selbstverständlich nimmt die Justine diese neue Herausforderung an – die schulischen Leistungen bringt sie dafür allemal mit: Auf ihrem letzten Halbjahreszeugnis hatte sie einen Zensuren-Durchschnitt von 1,1! Gute Voraussetzungen, um sich einmal ihren Berufswunsch zu erfüllen: Sportlehrerin.

Auf ihre nächsten sportlichen Ziele angesprochen, nennt Justine den Länderkampf im Mai gegen Österreich, wofür sie als D-C-Kader nominiert ist, und natürlich die Deutschen Meisterschaften im Dezember. Da soll es für die Linksauslegerin nach der Thüringer Meisterschaft auch mit einem nationalen Titelgewinn klappen. Auf ihr ganz großes sportliches Ziel angesprochen, beginnen Justines Augen zu strahlen: „Die Olympischen Spiele 2016 in Rio! Das wäre toll, dann bin ich mit 21 Jahren im besten Alter für eine Amateurboxerin.“ Ob sie danach eine Profikarriere einschlagen würde, weiß die Aumaerin noch nicht. Regina Halmich jedenfalls ist nicht ihr Vorbild: „Von ihr habe ich nie einen Kampf gesehen.“

ZUR PERSON:
Name: Justine Mörl
Geburtstag: 25. 9. 1995
Größe: 170 Zentimeter
Gewicht: 53 Kilogramm
Kampfbilanz: 10 Siege/1 Remis/ 4 Niederlagen
Sportliche Erfolge: Deutsche Vizemeisterin der Junioren 2011, „Beste Boxerin“ beim Drei-Länderturnier Deutschland/Schweiz/Ungarn 2012, Siegerin beim internationalen Girls-Cup in Hamburg 2012, 4 x Thüringenmeisterin von 2009 bis 2012, 2 x Südwestsachsenmeisterin
Verein: TSV Zeulenroda
Trainer: Karl-Heinz Ullrich
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