Ringen, 2. Bundesliga: Greiz gewinnt Vogtlandderby gegen Markneukirchen

Brian Tewes wirft Bruce Bromnitz und gewinnt mit Technischer Überlegenheit.
 
Adam Sobiraj hat Lukasz Gorczynski im Spaltgriff und siegt ebenfalls kurzrundig.
 
Vladimir Codreanu punktet gegen Attila Kovacs und siegt knapp mit 2:1.
Werbung pur für den Ringkampfsport war das Derby am 9. November in der Greizer Jahnturnhalle. Anders, als es der am Ende klare 26:10-Sieg des gastgebenden RSV Rotation gegen die Gäste aus Markneukirchen vermuten lässt, erlebten die Zuschauer zehn packende Kämpfe auf hochklassigen Niveau. Die Greizer gingen acht mal als Sieger von der Matte, während die Gäste aus dem sächsischen Vogtland zwei Siege erringen konnten. Wobei etliche Mattenduelle allerdings an Dramatik und Spannung nichts zu wünschen übrig ließen.

Höhepunkte des Abends waren sicherlich der Punktsieg des in dieser Saison noch ungeschlagenen Greizers Patryk Dublinowski gegen die Markneukirchener Ringer-Legende André Backhaus sowie die kurzrundigen Erfolge von Adam Sobiraj gegen Lukasz Gorczynski und Radoslaw Kisiel gegen Heiko Holzapfel. Den schnellsten Greizer Sieg errang Brian Tewes, der nach nur 1:08 Minuten den Markneukirchener Nachwuchsringer Bruce Bromnitz mit Technischer Überleneheit bezwang. Ganz eng ging es in der leichtesten und zweitschwersten Gewichtsklasse zu - Vladimir Codreanu und Boris Eisenstein siegten gegen Attila Kovacs bzw. Christoph Matz jeweils knapp mit 2:1. Die beiden Siege für den AVG Markneukirchen errangen Justin Müller und Marian Mihalik.

Nach dem Erfolg im Vogtlandderby führen die Greizer weiter ungeschlagen die Tabelle der 2. Bundesliga Nord an.

Hier der Kampfbericht von Erhard Schmelzer:

Zum Vogtlandderby in der 2 .Bundesliga der Ringer reiste der langjährige Konkurrent AV Germania Markneukirchen in der Greizer Jahnturnhalle an. Gerade die Vogtlandderbys standen in den letzten Jahren unter besonderen Gesetzen. Diesmal waren leider nicht ganz so viele Fans wie in den Vorjahren aus dem südlichsten Zipfel Sachsens in die Perle des Vogtlandes gereist. Hauptgrund dafür waren wohl die doch begrenzten Erfolgsaussichten der Sachsen beim ungeschlagenen Tabellenführer in Greiz. Der Zuschauerzuspruch in der Jahnturnhalle mit ihrem speziellem Flair war trotzdem hervorragend. Lange ging es äußerst spannend zu und sah nicht nach einem klaren Erfolg der Gastgeber aus. Vor dem Kampf wurde die Greizer Nachwuchsmannschaft für den Staffelsieg in der Jugendliga Mitteldeutschland geehrt.

Den Anfang bei den Großen machte Vladimir Codreanu (55 kg), der erstmals in der 2. Bundesliga im griechisch-römischen Stil kämpfte und wie in Markneukirchen auf den Slowaken Attila Kovacs traf. Er sorgt immer für spektakuläre Aktionen. Nach 30 Sekunden führte er, nachdem er zweimal gekontert wurde, bereits 7:5 und die Halle tobte. Den Vorkampf hatte der Greizer in seinem Stil in 98 Sekunden 12:0 gewonnen, doch stilartfremd sieht das alles anders aus. Der slowakische Meister, immerhin EM-Teilnehmer seines Landes, führte zur Pause 9:8. Doch Codreanu zeigte den anwesenden Jugendringern, wie man mit Einsatz und Kampfkraft sowie unorthodoxen Techniken zum Sieg kommen kann. Am Ende stand es 12:9 und der enttäuschte Slowake verstand die Welt nicht mehr. (Zwischenstand 2:1)

Franz Süß hatte Glück, dass er beim ersten Angriff von Sebastian Wendel (120 kg/Freistil) diesen gerade noch so von der Matte drängen konnte. Sonst hätte er im ganzen Kampf keinen Punkt erhalten. Der Greizer bestimmte gegen den ca. 15 kg schwereren DM-Zweiten der Junioren das Geschehen in allen Belangen. Er punktete durch eigene Beinangriffe und konterte geschickt die Attacken des Gegners. Endstand 8:1 (5:2)

Merlin Sewina (60 kg/Freistil) kam mit Justin Müller gar nicht zurecht. Nach drei Jahren in der 55 kg-Klasse musste der Greizer beim ersten richtigen Saisoneinsatz erkennen, dass ein erfolgreicher Gewichtsklassenwechsel nur bei äußerst intensivem Training mit sehr viel Schweiß zu bewerkstelligen ist. Selbst ein Ausnahmeathlet wie Codreanu stand in der Vorwoche eine Klasse höher kurz vor der Schulterniederlage. Der DM-Vierte der A-Jugend aus Markneukirchen siegte mit 11:0 Punkten.

Die Gäste gingen 6:5 in Führung und jubelten, als Christoph Matz eine Drei gegen Boris Eisenstein (96 kg/greco) gelang. Doch dann rang nur noch der Greizer, der am Ende mit 4:3 erfolgreich war. (7:7)

Den Schlusspunkt vor der Pause setzte Brian Tewes (66 kg/greco), der den Leipziger Sportschüler Bruce Bromnitz, kaum dass er diesen in die Bauchlage gebracht hatte, mit Bodentechniken bezwang. In nur 68 Sekunden siegte er 11:0. (11:7).

Der Spitzenkampf kam doch zu Stande. Andre Backhaus stellte sich selbst gegen den aufstrebenden jungen Patryk Dublinowski (84 kg/Freistil), den Bundestrainer Thiele gern in seiner Truppe hätte. Hut ab! Normalerweise tastet der Greizer seine Gegner erst mal eine Minute ab um deren Verhalten zu studieren. Diesmal waren beide Kämpfer von der ersten Sekunde konzentriert bis in die Fingerspitzen. Der Greizer ging mit Beinangriff 2:0 in Führung. Doch der in Lübtheen aufgewachsene und im Vogtland heimisch gewordene Evergreen machte es seinem nicht mal halb so alten Gegner nicht leicht. Dieser konnte aber einen Angriff kontern und mit 4:0 in die Pause gehen. Welchen Respekt er immer noch vor dem fünffachen deutschen Meister und zweimaligen Europameister hatte, erkannte man daran, wie er bei gefassten Bein sich mit dem Hinausdrängen aus der Matte begnügte (Wertung:1) anstelle beim Versuch eine höhere Wertung zu erzielen, einen Konter zu riskieren. Der Altmeister gab sich nicht mit dem 0:5 geschlagen und versuchte kurz vor Ultimo wenigstens noch einen Mannschaftspunkt zu erkämpfen. Aber auch diesen Angriff konnte der Greizer kontern. (14:7)

Die Greizer Kampfmaschine Radoslaw Kisiel (66 kg/Freistil) verlangte Heiko Holzapfel von der ersten Sekunde an alles ab. Er spielte sein ganzes technischer Repertoire aus und siegte gegen den früheren zweimaligen deutschen Jugendmeister durch Stand- und Bodengriffe bereits nach 4:06 Minuten mit 11:0. (18:7)

Mit Marian Mihalik hatte Tom Linke (84 kg/greco) einen starken Widersacher. Der Greizer kämpfte gut. Doch da keine Punkte fielen, nutzte der gut und unauffällig leitende Kampfrichter Jörg Fleiter aus Gütersloh die leichten optischen Vorteile des mehrmaligen slowakischen Meisters, um den Greizer zweimal zu Boden zu schicken. Der Slowake kam so zu 6 Punkten. Trotz großen Kampfgeistes gelang Linke der Ehrenpunkt nicht mehr. (18:10).

Da Toni Stade (74 kg/greco) im Vorkampf Filip Dubsky bezwungen hatte, stellten die Gäste diesmal mit Daniel Schlemmer den Bronzemedaillengewinner der Junioren auf. Der erreichte die Halbzeit aber nicht. Mit der zweiten Verwarnung zu Boden geschickt, wurde er von Toni Stade zu Beginn der dritten Minute geschultert. Der Kölner, der in Frankfurt/Oder trainiert, konnte es nicht fassen. Aber selbst Andy Schubert, der Markneukirchener Betreuer, der Kari und Gegner gern kritisiert und dabei oftmals kurz vor der roten Zone steht, unterstützte ihn nicht. (22:10)

Der Sieg war sicher, die Fans skandierten: „Hier regiert der RSV!“, als Adam Sobieraj (74 kg/Freistil) die Matte betrat. Sein Landsmann Lukasz Gorczynski, im Frühjahr von Pausa abgeworben, hatte es wirklich nicht leicht. Mit dem ersten Angriff ging der Greizer Verteidigungskünstler in Führung. Dann aber die Sensation, der Greizer wird am Bein gefasst rausgeschoben. Erster Verlustpunkt in dieser Saison – 4:1. Das kann der Greizer nicht auf sich sitzen lassen, fünf Sekunden später steht es 6:1, kurz darauf 8:1. Nach der Pause erwischt der Gästeringer noch mal das Bein. 50 Sekunden wehrt sich der Greizer mit traumhafter Sicherheit, dann muss er doch noch von der Matte: 8:2. Am Ende geht alles sehr schnell. 14:2 in 5:41 Minuten.

Greiz hat mit 26:10 den höchsten Saisonsieg eingefahren und 5 Runden vor Schluss 7 Punkte Vorsprung auf „Verfolger“ Lübtheen. Wetter, die gegen den Staffelsieg von Greiz setzen, werden verzweifelt gesucht. Der nächste Kampf ist bereits am Freitag um 20:30 Uhr in Leipzig.

Stimmen zum Kampf:
Tino Hempel, Trainer RSV: „Ich glaube, wir konnten die Zuschauer begeistern. Wie Vladimir Codreanu sich durchgebissen hat, war vorbildlich. Aber auch Sebastian Wendel hat sich stark gekämpft. Unsere Stärke ist die Ausgeglichenheit in der Mannschaft.“
Jens Berndt, Ringerchef in Markneukirchen: „So ein Ergebnis haben wir befürchtet. Wir hätten Andre Backhaus aufrücken lassen können. Wir wollten aber mit Justin Müller und Franz Süß zwei Jungs aus dem Nachwuchs bringen. Von Letzterem hatten wir allerdings mehr erwartet.“
Sören Ullrich, Aue, sächsischer Jugendreferent, der die Siegerehrung der Jugendmannschaft vornahm: „In der engen Halle ist eine einmalige Stimmung.“
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