Ringen, 2. Bundesliga: Punkteteilung im Thüringenderby

Vladimir Codreanu (rot) schultert den 14-jährigen Joel Wrensch nach nur 21 Sekunden.
 
Trotz aller Mühe gelang Sebastian Wendel (l.) gegen den fast 18 Kilo schwereren Jenaer Toni Bernhardt kein Punktgewinn.
 
Merlin Sewina (rot) packt den Jenaer Nachwuchsringer Tommas Leon Witte nach 111 Sekunden auf die Schultern.
Eine Woche nach dem Remis im Vogtlandderby Greiz gegen Pausa/Plauen (18:18) endete auch das Thüringenderby der 2. Ringer-Bundesliga unentschieden: Am letzten Kampftag der Saison 2013 trennten sich der RSV Rotation Greiz und der KSC Motor Jena 17:17. Damit beenden die Greizer eine der erfolgreichsten Saisons ihrer Vereinsgeschichte ungeschlagen als Tabellenführer der Nordstaffel, während die Jenaer die Punkteteilung in Greiz wie einen Sieg feierten: Durch das Unentschieden konnten die Saalestädter die Rote Laterne am Tabellenende noch an die WKG Leipzig/Taucha, die in Pausa 21:13 verlor, abgeben und so einen versöhnlichen Saisonabschluss feiern.

In der Greizer Jahnturnhalle sahen die zahlreichen Ringerfans je fünf Siege sowohl für die Gastgeber als auch die Gäste. Für den RSV konnten Vladimir Codreanu, Merlin Sewina, Mateusz Bierzanowski, Adam Sobieraj und Patryk Dublinowski die Matte als Sieger verlassen, während für Jena Mario Koch, Karel Hanak, Thomas Leffler, Karsten Meinhardt und Toni Bernhardt siegten.

Bewegte Bilder vom Kampf RSV Greiz vs. KSC Jena gibt's am Montag, 16. Dezember, ab 19 Uhr beim MDR im "Thüringen Journal".

Hier der Kampfbericht von Erhard Schmelzer:

Die 21. Bundesligasaison der Greizer Ringer ist Geschichte. Zum dritten Mal nach 1994 und 1995 konnte in diesem Jahr der RSV Rotation Greiz den Staffelsieg in der 2. Bundesliga erkämpfen. Beim letzten Saisonkampf in der heimischen Jahnturnhalle stand das Thüringenderby gegen den KSC Motor Jena auf den Programm. Die Siegchancen schienen ungleich verteilt. Hier der ungeschlagene Tabellenführer und Gastgeber, da der in der Rückrunde noch sieglose Jenaer Verein. Doch Derbys haben nun einmal ihre eigenen Gesetze, wie die durch den Ausfall von fünf Stammkräften geschwächten Rotationsringer wieder einmal erfahren mussten. In sechs der zehn Kämpfe gab es Resultate, die so nicht unbedingt zu erwarten waren.

Vladimir Codreanu (55 kg/greco) wurde seiner Favoritenstellung gegen den erst 14-jährigen Joel Wrensch wie erwartet gerecht. Der Sohn von Johannes Wrensch, der zu den RSV-Helden gehörte, die 2001 das Halbfinale der deutschen Mannschaftsmeisterschaft erreichten, hat im letzten Jahr zwar eine starke Entwicklung genommen, war aber gegen den acht Jahre älteren Moldawier ohne Chance. Bereits nach 10 Sekunden war die erste Wertung des Abends da und nach 21 Sekunden der erste Schultersieg eingefahren. (Zwischenstand 4:0).

Fast 18 Kilogramm Gewichtsunterschied musste Sebastian Wendel (120 kg/Freistil) im Kampf gegen seinen Trainingspartner Toni Bernhardt egalisieren. Der Ex-Sömmerdaer wurde vom Bundestrainer auserkoren, die Nummer 1 Deutschlands, den Luckenwalder Nick Matuchin auf die Olympiaqualifikation vorzubereiten, die Gäste rechneten mit einem technischen Überlegenheitssieg. Sie hatten die Rechnung aber ohne den Greizer gemacht, der taktisch clever und tapfer kämpfte. Zur Halbzeit stand es 0:3. Als nach dem 0:6 (nach einer umstrittenen Zweierwertung) der DM-Dritte drei Punkte sicher hatte, wagte der Greizer einen nicht ganz aussichtlosen Beinangriff, wurde aber zum 0:8 gekontert. (4:3)

Zwei Nachwuchsringer der Jenaer Sportschule trafen in der 60 kg-Klasse aufeinander. Merlin Sewina (Freistil), der DM-Zweite der Jugend von 2012, setzte seine ganze Erfahrung ein und schulterte seinen jüngeren Konkurrenten Tommas Witte nach zwei Achselwürfen bereits nach 1:51 Minuten. (8:3)

Zwei Freistiler standen sich im Kampf von Artem Grinko (96 kg/greco) gegen Karsten Meinhardt gegenüber. Der Greizer stand vor der Aufgabe, fast 13 kg Gewicht und ein halbes Jahrzehnt Kampferfahrung zu kompensieren. Er ließ sich in die Defensive drängen, gab allein am Boden fünf Punkte ab. Zur Halbzeit stand es 0:6, der Jenaer Trainer Mario Koch erwartete 4 Punkte. Den Greizer Trainern Tino Hempel und Swen Lieberamm gelang aber das Kunststück, ihren Mann hervorragend einzustellen. Die zweite Runde stand unter gänzlich anderen Vorzeichen. Der Neuzugang aus Berlin griff jetzt an, konnte allerdings gegen den konditionell abbauenden Jenaer leider auch am Boden keinen Punkt erzielen. (8:6)

Als im fünften Kampf Mateusz Bierzanowski (66 kg/greco) und der Tscheche Jakub Korista aufeinander trafen, hatten erstmals beide Ringer die gleichen Chancen auf den Sieg. Beide kämpften verbissen auf Augenhöhe um den Sieg, der Jenaer lag zur Pause 1:0 vorn. Doch dann drehte der Greizer den Kampf mit einer Aktion am Mattenrand, die der nicht ganz überzeugende Kampfrichter Dirk Steinle aus Nordrhein-Westfalen mit einer „Drei“ bewertete. Mit 4:1 brachte der Greizer den Sieg nach Hause. (10:7)

Die Greizer Fans freuten sich auf Patryk Dublinowski (84 kg/Freistil), der von Trainingslager der polnischen Nationalmannschaft aus Zakopane angereist war. Doch der Kampf wurde leider eine Enttäuschung, was aber an Gagik Egiasarov lag, der in Jena einen herzerfrischenden Kampf lieferte, dann aber entkräftet 5:12 unterlag. Diesmal verzichtete der Jenaer auf jede Angriffsaktivität, suchte sein Heil ausschließlich in der Flucht. Der Greizer, dem das Höhentraining wohl etwas an Schnelligkeit gekostet hatte, kam aber nach 4:46 Minuten, diesmal ohne technische Finessen, zum 11:0 Vorsprung.

Der Vergleich Radoslaw Kisiel (66 kg/Freistil) gegen Mario Koch war bis zum Schluss völlig offen. Freistilringen auf hohem Niveau. Nach 2:0 Führung des Greizers stand es bis 47 Sekunden vor Schluss 2:2. Dann gelang dem deutschen Vizemeister durch einen Beinangriff eine „Drei“. Der Greizer verkürzte auf 4:5, wollte den Kampf noch eine andere Wendung geben, wurde aber in letzter Sekunde gekontert: 4:7. (15:9)

Wieder ungleich verteilte Chancen im 84 kg-Limit, als Konstantin Sommer im ungewohnten griechisch-römischen Stil auf den normal fast 90 kg wiegenden Thomas Leffler traf. Der unter semiprofessionellen Bedingungen trainierende Polizist aus Jena, dreimal Medaillengewinner im Nachwuchsbereich in dieser Stilart, konnte im Bodenkampf seine Stärken ausspielen und siegte schon in der ersten Minute mit 12:0. (15:13)

Toni Stade (74 kg/greco) hatte in Jena 4:0 gewonnen. Im Duell des deutschen gegen den tschechischen Vizemeister hatte diesmal der Jenaer Karel Hanak die Nase vorn. Nach kampfstarker, aber offener erster Runde gab der Greizer vier Punkte im Standkampf ab und kam auf die Verliererstraße. Ein 0:8 war hier nicht eingeplant. (15:16)

Mit dem erwarteten elften Greizer Sieg im zwölften Saisonkampf wurde es dann doch nichts. Adam Sobieraj (74 kg/Freistil), der auf den Sportpolizisten Rüdiger Kabus traf, hatte in seinen acht Kämpfen zuvor bei 27:0 Zählern nur zwei Punkte abgeben müssen. Kämpfte Egiasarov schon passiv, so setzte Kabus der Defensive die Krone auf. Der als Konterringer bekannte Greizer hatte damit mehr Probleme als gedacht, führte aber nach 3:30 Minuten 3:0. Dann die Wende als Kabus auf 4:1 verkürzte und so einen Punkt aus das Gästekonto brachte. Doch der Pole schlug zurück, hatte 90 Sekunden vor Schluss die zum Mannschaftssieg nötigen 5 Punkte Vorsprung beim 6:1 wieder herausgearbeitet. Aber 15 Sekunden vor dem Ende hieß es 6:2 und die schon geschlagenen Jenaer bejubelten ihren ersten Punktgewinn in der Rückrunde, der ihnen ermöglichte, die WKG Leipzig/Taucha noch auf den letzten Platz zu verweisen.

Die Greizer Ringer haben eine phantastische Saison gerungen und ihrem treuen Publikum viele freudige Stunden bereitet. Während der gesamten Saison ohne Niederlage zu bleiben, das war ihnen vorher noch nie gelungen. Am Ende standen, obwohl kämpferisch wieder alles gegeben wurde, zwei Unentschieden in den Derbys zu Buche, die keinen Schatten auf die diesjährige Superleistung werfen, höchstens daran erinnern, dass Erfolge schnell schwinden können und täglich neu erarbeitet werden müssen.

Stimmen zum Kampf:
Tino Hempel RSV-Trainer: „Wir blieben in der ganzen Saison ohne Niederlage, die Verletzungsmisere hat uns dann noch zwei Unentschieden eingebracht. Unser Dank gebührt den vielen Unterstützern, Sponsoren, Helfern, Zuschauern, die uns unseren Sport ermöglichen. Natürlich hätten wir heute zum Abschluss gern gewonnen.“
Matthias Wächter, mehr als ein Jahrzehnt als Aktiver bei den Thüringenderbys dabei, heute Vorstandsmitglied in Jena: „Die Ausfälle in Greiz waren uns bekannt, wir hofften gegen den Favoriten auf eine Überraschung, die uns dann auch gelang. Das war wieder einmal Werbung für unseren Sport. Die Staffel ist sehr ausgeglichen, wenn der Letzte beim Ersten zum Remis kommt. Greiz sollte in dieser Liga bleiben.“
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