Ringen, 2. Bundesliga: Punkteteilung im Vogtlandderby

Polnisches Spitzenduell in der 66-Kilo-Freistil-Klasse: Der für Greiz ringende Radoslaw Kisiel (rot) punktet sich gegen Robert Rogalewicz zum 5:1-Punktsieg, was 2:1-Mannschaftspunkte für die Gastgeber einbringt.
 
Adam Sobieraj legt sich den Pausaer Martin Waldeck zurecht und siegt mit Technischer Überlegenheit.
 
Toni Stade macht mit Felix Wolf kein großes Federlesen und gewinnt nach nicht einmal zwei Minuten kurzrundig.
Auch im vorletzten Kampf der Saison 2013 bleibt der RSV Rotation Greiz in der 2. Ringer-Bundesliga Nord ungeschlagen. Allerdings mussten die Greizer in der heimischen Jahnturnhalle gegen die WKG Pausa/Plauen den ersten Punktverlust hinnehmen - das Vogtlandderby am 7. Dezember endete nach einem hochdramatischen Kampftag 18:18 unentschieden. Damit gelang den Pausaern beim Klassenprimus eine Teilrevanche für die schmerzliche 10:22-Heimniederlage in der Hinrunde.

Sowohl die Gastgeber als auch die Gäste gewannen vor fast 400 begeisterten Zuschauern jeweils fünf Kämpfe. Für Greiz blieben Vladimir Codreanu, Radoslaw Kisiel, Toni Stade, Adam Sobieraj und Patryk Dublinowski erfolgreich, auf Pausaer Seite verließen Cedric Riedel, Werner Schellenberg, Maximilian Schwabe, Bastian Kurz und Georgi Sredkov die Matte als Sieger.

Besonders dramatisch: Vor den letzten beiden Kämpfen des Abends lagen die Greizer mit acht Mannschaftspunkten im Rückstand. Doch sowohl Tony Stade als auch Adam Sobieraj konnten die abschließenden Begegnungen kurzrundig gewinnen und somit je vier Punkte für den RSV beisteuern - zum letztendlich leistungsgerechten Remis.

Hier der Kampfbericht von Erhard Schmelzer:

Derbys haben ihre eigenen Gesetze. Wer das für eine nichtssagende abgedroschene Phrase hielt, wurde am Sonnabend in der Greizer Jahnturnhalle beim Vergleich zwischen dem RSV Rotation Greiz und der WKG Pausa/Plauen eines Besseren belehrt. Nach zehn dramatischen Kämpfen, von denen sieben vor Ablauf der normalen Kampfzeit endeten, trennten sich die beiden Kontrahenten aus dem Vogtland leistungsgerecht 18:18 unentschieden. Die Entscheidung war hauchdünn, in mehreren Kämpfen hätte ein einziger vergebener Punkt das Ergebnis verändern können. Durch die zahlreichen Gästefans, die ihre Mannschaft frenetisch anfeuerten, kam echte Derbystimmung in der wieder restlos gefüllten Jahnturnhalle auf.

Die Greizer, die bisher alle Ausfälle kompensieren konnten, waren in dieser Saison von Sieg zu Sieg geeilt und hatten eines ihrer besten Wettkampfjahre gerungen. Nun beim vorletzten Kampf mussten gleich fünf Aktivposten (Bast, Tewes, Linke, Redmann und Eisenstein) ersetzt werden, die alle der griechisch-römischen Fraktion angehörten. Diese Ausfälle hinterließen Lücken, die nicht ohne weiteres zu schließen waren. Somit mussten Ersatzleute aus dem freien Stil ran. Es ist zwar im Prinzip möglich, auch in der anderen Stilart Erfolge zu erkämpfen, aber wenn man auf Gegner trifft, die zur deutschen Spitzenklasse gehören und man dazu noch eine Gewichtsklasse höher kämpfen muss, kann eine schnelle Niederlage die Quittung sein. Selbst die Greizer Ringer-Ikone Victor Peikov musste vor fast zwei Jahrzehnten diese Erfahrung einmal machen.

RSV-Trainer Tino Hempel wollte Vladimir Codreanu Freistil ringen lasen, so dass Ron Watzek (55 kg/greco) zu seinem Debüt in der Bundesliga kam. Er machte als Freistiler seine Sache nicht schlecht, traf aber auf Cedric Riedel, den deutschen Meister der B-Jugend von 2012. Gewichtsmäßig im Nachteil, lag der Greizer zur Pause 0:4 zurück, musste dann aber nach einer Verwarnung im Bodenkampf eine Minute vor Schluss die Punkte zur technischen Niederlage abgeben. (Zwischenstand 0:4)

Sebastian Wendel (120 kg/Freistil) musste sich wie im Vorkampf mit dem bulgarischen Vizemeister Georgi Sredkov auseinandersetzen. Er wollte diesmal ein knapperes Ergebnis erzielen und es sah lange aus, als ob er damit Erfolg haben könnte. Kurz vor der Pause verteidigte er sich 0:3 in Rückstand liegend mehrmals gut, konnte aber den wichtigen eigenen Zähler nicht erringen. In der fünften Minute gab er nach einer 30 Sekunden-Strafe den vierten Punkt ab. 28 Sekunden vor Schluss wurde er aber vom Bulgaren zum 0:5 von der Matte gedrängt und gab so doch noch 3 Zähler ab, was unter den gegnerischen Fans Jubelstürme auslöste. (0:7)

Vladimir Codreanu (60 kg/Freistil) begann, wohl auch dem Mannschaftsstand geschuldet, etwas nervös. Immer wieder erwischte der polnische Jugendmeister Adam Slowinski seinen linken Unterschenkel und führte bald 3:0. Zur Pause lag der Greizer durch zwei Konter 4:3 vorn. Doch dann hatte der Gästeringer wieder den linken Fuß des Greizers erwischt, aber diesmal übernahm der Moldawier die Aktion und legte seinen Kontrahenten auf die Schultern. (4:7)

Ganz schwer wurde es für Artem Grinko (96 kg/greco), der nicht einmal das volle Gewicht für die 84 kg-Klasse bringt und auf den deutschen Vizemeister von 2012 Bastian Kurz traf. Der Mann aus Frankfurt/Oder erwischte den Greizer Neuzugang gleich zu Beginn an der Hüfte und holte eine Fünfer-Wertung. Die Gästefans waren aus dem Häuschen, als Kurz den Greizer im Bodenkampf in nur 36 Sekunden zum 11:0 auspunktete, denn die WKG führte nun 4:11.

Die Greizer hofften nun auf Mateusz Bierzanowski (66 kg/greco), der sich mit dem Plauener Werner Schellenberg auseinandersetzen musste. Der Plauener wurde vom ausgezeichnet leitenden stellvertretenden DRB-Schiedsrichterreferenten Utz Aißlinger verwarnt, kam aber nach einem Armdrehschwung zur 2:0 Führung. Der Greizer kämpfte verzweifelt, haderte auch mit einer Entscheidung, als dem Plauener ein eigener Griffversuch zugestanden wurde, konnte aber auch im Bodenkampf keinen Zähler erreichen. Wann lag Greiz in der Jahnturnhalle zur Pause 4:13 zurück?

Patryck Dublinowski (84 kg/Freistil) startete gegen Stefan Bonev, immerhin Dritter der diesjährigen bulgarischen Meisterschaft, die Aufholjagd. Bonev suchte sein Heil in der Flucht. Aißlinger geizte, als Fachmann wohl wissend, dass der Greizer sich durchsetzen würde, mit Verwarnungen, so dass es zur Pause nur 4:0 stand. Während Bonev schon erschöpft wirkte, suchte der coole Greizer noch Blickkontakt mit seiner aus Polen angereisten Freundin. Dann ging alles sehr schnell, in nur 98 Sekunden holte der Greizer 7 Punkte und gewann überzeugend 11:0. (8:13)

Radoslaw Kisiel (66 kg/Freistil) und Robert Rogalewicz kommen aus dem gleichen Verein in Poznan, schenkten sich aber nichts. Wieder ein entscheidender Kampf. Der Greizer, der gegen seinen unter Profibedingungen trainierenden Gegner wieder großartige Verteidigungsaktionen demonstrierte, lag zur Pause 3:0 vorn, gab aber danach einen Zähler ab. Da nutze dann die letzte Konteraktion nichts, die das 5:1 einbrachte, der Kampf ging mit 2:1 in die Wertung ein. (10:14)

Als dritter Greizer musste Konstantin Sommer (84 kg/greco) in den sauren Apfel beißen, im Sinne der Mannschaftsräson in der anderen Stilart zu kämpfen. Trotz vorbildlicher kämpferischer Leistung war gegen den zur erweiterten deutschen Auswahl zählenden Syrauer Maximilian Schwabe, der in zwei Minuten 12 Punkte sammelte, kein Kraut gewachsen. (10:18)

Die WKG hatte nun das Remis sicher, die Greizer mussten dafür zweimal jeweils 4 Punkte holen.

Der deutsche Vizemeister Toni Stade (74 kg/greco) dominierte fast zwei Minuten gegen Felix Wolf, aber erst als dieser zu Boden musste, fielen Punkte. Und es ging alles ganz schnell, zweimal in Sekundenabstand flog der Frankfurter im hohen Bogen durch die Luft; Stade holte zwei umjubelte Fünfer-Wertungen. (14:18)

Eigentlich war jetzt schon alles entschieden. Adam Sobieraj (74 kg/Freistil) trat wie immer unaufgeregt an, Martin Waldeck war völlig chancenlos. Der brauchte einige Zeit, bis er feststellte, dass er immer, wenn er zum Bein des Greizers griff, sofort zwei Zähler abgab. Aber auch Passivität half ihm nicht weiter. Nach 4:30 Minuten siegte der Greizer mit 11:0 und rettete das zwischenzeitlich schon in weite Ferne gerückte Remis. Die Gästefans feierten ihren Teilerfolg in Greiz wie einen Sieg, aber auch die Greizer Anhänger hatten einen großartigen Abend verlebt.

Stimmen zum Kampf:
Tino Hempel, Trainer RSV: „Unter diesen Rahmenbedingungen, bei unseren Ausfällen, können wir mit dem Ergebnis zufrieden sein. Alle haben ihr Bestes gegeben. Leider haben wir nun einen Punkt abgegeben, ungeschlagen sind wir aber noch immer.“
Denny Schulz, der mit Trainer Silvio Hofmann, die Gäste betreute: „Nach dem Wiegen war klar, dass es ein sehr enges Ergebnis geben würde. Das war heute Dramatik pur, ein Fest für die Zuschauer beider Seiten. So muss Ringkampf sein.“
Kari Utz Aißlinger: „Tolle Kämpfe und großartige Stimmung!“
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