Die Roller aus Thüringen

Hans-Jürgen Rumler auf seinem Burgman AN 650.
 
Hans-Jürgen Rumler
 
Hans-Jürgen Rumler auf seinem Burgman AN 650.
Gemütliche Ausfahrten vom Grünen Herzen Deutschlands in die ganze Republik / Interview mit dem Adminstrator der Gruppe, Hans-Jürgen Rumler

Von Gerhard R. Zeuner

Sie nennen sich „Die Roller aus Deutschlands grünem Herz“ und sind eine Truppe von Frauen und Männern mittleren Alters aus Thüringen, die mit ihren zugegeben etwas exotischen Gefährten alle ein gemeinsames Hobby haben: Das Fahren von Großrollern. Wobei die Betonung auf „groß“ liegt! Der Allgemeine Anzeiger sprach mit dem Administrator der Truppe, Hans-Jürgen Rumler aus Langenwolschendorf bei Zeulenroda, über das seltene Hobby und seine Rollergruppe.

Wieviele Leute gehören zu der Gruppe?

Wir sind knapp zwei Dutzend Rollerfahrer, die gemeinsam in größeren Gruppen – das können dann schon mal zehn bis 15 Frauen und Männer sein – oder etwas kleiner mit zwei, drei Gleichgesinnten schnell mal kleine lockere Runden von 200 Kilometern durch unser schönes Thüringer Land rollert.

Was ist eigentlich ein „Großroller“?

Ja, da muss man wissen, dass Roller nicht gleich Roller sind. Wir alle kennen sie, die 50-ccm-Kleinstmaschinen, die mit maximal 45 Stundenkilometern schon mal den Stadtverkehr blockieren können. Nein, Großroller fangen bei 125 Kubikzentimeter Hubraum an. Nach oben ist bis jetzt so bei etwa 800 Kubikzentimeter Schluss. Dabei bringen es die Maschinen unterschiedlichster Hersteller locker mal auf 160 Kilometer pro Stunde.

Und so rasen Ihre Rollerfahrer durch die Gegend?

Natürlich nicht! Nicht rasen, sondern gemütlich die Landschaft erfahren und erleben, ist unser Anliegen. Beim gemütlichen cruisen durch unsere schöne Heimat kann man nämlich auch einmal den Blick auf Sehenswürdigkeiten und Höhepunkte richten. Damit sind wir uns sicher eins mit den Motorradfahrern, die eine Chopper ihr Eigen nennen können.

Was unterscheidet Sie dann von den Bikern?

Die Groß-Rollerfahrer haben für mich einen großen Vorteil: Die meisten Roller haben unter der Sitzbank einen Stauraum, der nicht nur zwei Sturzhelme aufnehmen kann. Da macht das Einkaufen im Supermarkt auch richtig Spaß. Man kann hier oder da schon mal die verdutzen Augen der Autofahrer erkennen und sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen, wenn man den Inhalt einer Einkaufsklappkiste verstaut! Kleinere Fächer im Lenkerbereich lassen auch diverse Kleinigkeiten wie Handschuhe, Schal oder Sonnenbrille sicher unterbringen. Der Tank befindet sich in der Regel unter der Verkleidung. Somit ist ein Durchsteigen beim “Aufsitzen” keine Problem. Eine sehr gut verkleidete Frontpartie bringt dann schließlich noch einen hervorragenden Wetterschutz mit sich. Gepaart mit einem Automatikgetriebe, manche Fabrikate haben dazu noch eine zusätzliche manuelle Schaltmöglichkeit, machen unsere Roller zu genialen Fahrzeugen im Stadverkehr. Stauraum, Wetterschutz, keine Parkplatzproblem und im Zeitalter der immer steigernden Benzinpreise sind die Roller eine echte Alternative!

Welchen Roller fahren Sie eigentlich?

Ich fahre heute einen Burgman AN 650 von Suzuki, liebevoll der „blaue Dicke“ genannt. Der AN 650 wiegt 277 Kilogramm, hat einen Stauraum von 56b Litern und ein zulässiges Gesamtgewicht von 455 Kilo. Der Motor ist 638 Kubikzentimeter groß und bringt eine Nennleistung von 56 PS. Damit erreiche ich bis zu 160 Kilometern pro Stunde, wenn ich will.

Wie sind Sie zum Rollerfahren gekommen?

Für mich kam nie etwas anderes in Frage, als einen großen Roller zu fahren. Die Vorteile sind für mich einfach zu überzeugend. Als Jugendlicher habe ich die ganze Simson-Flotte gesteuert, Motorrad jedoch bin ich nie gefahren. Dann war leider mit dem motorisierten Zweirad erst mal für längere Zeit Schluss. Erst vor vier Jahren hat mich das Fieber wieder gepackt. Jetzt gab es ja auch ganz andere Möglichkeiten. Erste Probefahrten und die neuen Eindrücke – ja, da war’s passiert!

Und dann haben Sie die Rollergruppe gegründet?

Gemeinsam mit drei, vier anderen Rollerfahrern begann ich Ende 2008, in Thüringen Gleichgesinnte zu finden. Und das war erstaunlicherweise gar nicht so einfach, denn Rollerfahren ist in unserem Freistaat wenig verbreitet. Da sah es in anderen Bundesländern schon anders aus. Thüringen war auch im Hinblick auf einen Rollerclub bis dahin ein weißer Fleck auf der Landkarte. Natürlich wurden Kontakte aufgebaut, wurde zu anderen Rollertreffen gefahren. Und so machte man sich bekannt und das Interesse stieg seitens der befreundeten Rollerfahrer aus ganz Deutschland, auch unsere schöne zentral gelegene Landschaft zu erkunden.

Seit wann gibt es nun die Thüringer Rollerfreunde?

„Die Roller aus dem grünen Herzen Deutschlands - Thüringen” gibt es jetzt genau drei Jahre. Unsere Mitglieder kommen aus dem gesamten Freistaat – von Eisenach über Erfurt, Jena, Altenburg bis hin Zeulenroda im Osten.

Was machen die Roller, außer durch Thüringen zu cruisen?

Wir sind mit Rollerfreunden aus der ganzen Bundesrepublik in Kontakt. So folgen wir Einladungen nach Dresden oder Berlin, sind in Hamburg herzlich willkommen und können auch die Gastfreundschaft im Allgäu bei Ausfahrten in die Alpen genießen. Ja, auch Rollerfreunde aus Spanien und den Niederlanden sind dabei. Der Terminkalender könnte gerne mehr freie Möglichkeiten bieten! Umgedreht gehts natürlich auch. So laden “Die Roller” zum bereits 4. Thüringen-August-Event ein. Ein sozusagen Kennenlernstammtisch für alle Interessierte, die gern einmal den Thüringer Wald mit all seinen Sehenswürdigkeiten kennen lernen wollen.

Wann und wo genau findet das Event statt?

Am 24. und 25. August in Gräfenroda. Dort wird diesmal zu zwei sehenswerten Touren gestartet. Am Abend ist dann in der Bikerherberge Stimmung vorprogrammiert. Bislang gibt es dafür 44 Anmeldungen.

Wie kann man mit den Thüringer Rollern Kontakt aufnehmen?

Wir treffen uns an jedem dritten Freitag im Monat zum Roller-Stammtisch in Stadtroda, ab 18 Uhr im Café Tachov. Dazu sind interessierte Rollerfreunde herzlich eingeladen. „Die Roller aus dem grünen Herzen Deutschlands – Thüringen” sind auch unter www.dieroller.de zu erreichen.

Vielen Dank für das Gespräch! Wie sagt man bei den Rollern? Hals- und Beinbruch?

Nein, wir wünschen uns lieber „un- und umfallfreie Fahrt!“

Na denn, allzeit un- und umfallfreie Fahrt!
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