Erinnerungen geweckt an den Bombenangriff auf Mohlsdorf.

Heimatforscher Gerd Richter bei seinem Vortag.
 
Aufmerksamkeit verlangte der interessante Vortrag von den Schülern.
Mohlsdorf - Grundschule
Zum Gedenken und zur mahnenden Erinnerung an den Bombenangriff vor 70 Jahren auf Mohlsdorf, am 6. Februar 1945, der gegen 11.30 Uhr begann, hatte Gerd Richter vom Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf den Schülern der 4. Klasse während einem Vortag die verheerenden Ereignisse der Bombenabwürfe durch die Luftflotte der Alliierten noch einmal nahe gebracht. Schulleitung und Klassenlehrerin Bärbel Michalak nutzten hierzu eine Unterrichtsstunde im Fach Heimat- und Sachkunde, zu der auch Ortsteilbürgermeister Michael Täubert (CDU) und die interessierten Erzieher Annett Pfort, Tina Penzold und Monka Gessner teil nahmen.
Die Allieierten starteten im Februar 1945 eine Großoffensive von England aus, daran waren an jenem Dienstag des Jahres 2100 Flugzeuge, davon 1300 Bomber der 8. Us Army beteiligt. Die Flugzeuge starteten gegen 9 Uhr von der englischen Küst, flogen über Holland über die Norddeutsche Tiefebene zu ihren Zielen, um Raffineriebetriebe zur Treibstoffherstellung und Verkehrswege in Deutschland zu zerstören. Ein schlechte Wetterlage verhinderte aber die Trefferlage der Bomber, die Luftflotte wurde aufgeteilt und griff Gelegenheitsziele an. So könnte mit hoher Wahrscheinlichkeit, von vielen Zeitzeugen berichtet, eine Verwechslung der fast auf gleicher Höhe liegenden Kirchen von Pohlitz und Herrmannsgrün (heute Mohlsdorf) der Grund gewesen sein, dass aus rund 8000 Meter Höhe 220 Bomben mit einem Gewicht von 250 Kilogramm ihr anvisiertes Ziel verfehlten. Zum Glück für Greiz und Mohlsdorf konnten die Bombenabwürfe mit ihren Auswirkungen von den Flugzeugen wegen dem dichten Nebel nicht beobachtet werden. Es gab aber in Mohlsdorf Schäden an 5 Häusern, so wurden die Häuser der Familien Pöhler und Neudeck am Haardtberg, der Familie Klein in der heutigen Straße der Einheit, die Neue Mohlsdorfer Schule mit Turnhalle zerstört. Bei dem Angriff kamen 13 Personen, 7 Frauen und 6 Männer, davon eine Umsiedlerin und zwei Arbeiter der Deutschen Eisenwerke ums Leben. Gerd Richter hatte hiezu eine Niederschrift der öffentlichen Beratung des Bürgermeisters vom 29. März 1945 zur Hand, wo den Opfern mit einer Schweigeminute gedacht wurde. Erinnerungen an den Tag der Bomben zitierte Gerd Richter von den Zeitzeugen Friedrich Knorr, Hubert Risch, Waltraud Friederike Rauh, Ursel Franz,Gerhard Gündel und Ruth Heinze. So berichten die Zeitzeugen von einem abgestellten Lazarettzug auf dem Mohlsdorfer Bahnhof, der kurzerhand geteilt wurde, nach Greiz fuhr und im Hainberg- und Schlossbergtunnel sicheren Schutz vor der Bombardierung fand. Die meisten Bomben fielen in die umliegenden Waldgebiete, wo heute noch beim genauen hinschauen bewachsene Bombentrichter zu sehen sind. Selbst Gerd Richter kann sich an drei Bombentrichter am Aubach am letzten Ende des Mühlberges erinnern. Diese füllten sich in kürzester Zeit mit Grundwasser, Leben zog dort schnell ein und von Menschen entsorgte Goldfische fanden damals ein neues Zuhause. Man nannte diese Trichter im Volksmund die Goldfischteiche. Handwerker hatten im Ort alle Hände voll zu tun, die geborstenen Scheiben durch den entstandenen Luftdruck bei der Detonation der Bommben zu ersetzen. Wegen fehlenden Glas, wurde vorrübergehend große Teile der Fenster mit Pappe abgedichtet und das bei winterlicher Kälte. Einige Bombensplitter zeigte Gerd Richter, die erst jüngst bei Bauarbeiten in drei und vier Metern Tiefe auf der Ernst Thälmann Straßen gefunden wurden und erinnerte dabei an die jüngsten Bombenfunde im Jahr 2008, die beim Bau der Mohlsdorfer Kläranlage entdeckt wurden. Von den rund 146 Sprengbomben die im Raum Mohlsdorf abgeworfen wurden, ist nicht auszuschließen, dass es noch tickende Zeitbomben in Mohlsdorf und Umgebung gibt. Fiel eine Bombe auf weichen Talgrund, wie in den Auwiesen, fehlte der erforderlich Widerstand um den Zünder auszulösen, erklärte auf Nachfrage der Schüler der Referent.
Mit viel Interesse verfolgten die Mädchen und Jungen den interessant gestalteten Vortag, zudem die Schüler im Anschluss viele Fragen stellten. Besonderen Dank sprach Michael Täubert dem Ortschronisten für seinen Vortrag aus. Er fügte an, das war für Mohlsdorf eine schlimme Zeit, die sich in Zukunft nie wiederholen möge.Bei der anschließenden Gesprächsrunde bei Schulleiterin Bärbel Michalak kam es noch zu einzelnen Details der Bombardierung zu weiteren Gesprächsstoff.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige