„Gefahr und Flammen fügen uns zusammen“ – 150 Jahre Feuerwehrgeschichte in Zeulenroda

Wann? 01.05.2013 09:00 Uhr bis 01.05.2013 16:00 Uhr

Wo? Städtisches Museum , Aumaische Straße 30, 07937 Zeulenroda-Triebes DE
Uwe Neumann von der der Interessengemeinschaft Feuerwehrhistorik Langenwolschendorf erläutert Museumsmitarbeiterin Ramona Rexheuser ein historisches Exponat der Ausstellung.
 
Museumsmitarbeiterin Ramona Rexheuser (r.) und Praktikantin Christiane Sachse an der Karrenspritze der Firma Jos. Beduwe.
 
Das "Sturmfass" auf dem Löschschlitten. (Foto: Städtisches Museum Zeulenroda)
Zeulenroda-Triebes: Städtisches Museum | In seiner aktuellen Sonderausstellung „Gefahr und Flammen fügen uns zusammen“ lässt das Zeulenrodaer Museum nicht nur 150 Jahre städtische Feuerwehrgeschichte Revue passieren, sondern präsentiert auch Exponate, die an die Historie der Brandbekämpfung noch vor der Wehr-Gründung in Zeulenroda erinnern. So haben die Mitglieder der Interessengemeinschaft Feuerwehrhistorik Langenwolschendorf die umfangreiche Schau mit Löschtechnik bereichert, die zum Teil auf das 18. und frühe 19. Jahrhundert zurückgeht. Beispielsweise das „Sturmfass“. So wurden die Löschwasserbehälter genannt, die früher am Brunnen auf dem Markt und an der Kirche standen. Im Falle des Falles mussten diese Sturmfässer per Hand mit Eimern gefüllt und auf radlosen Löschschlitten von Pferden zur Brandstelle gezogen werden. Detailgetreue Nachbauten eines solchen Schlittens und eines Sturmfasses sind in der Ausstellung genauso zu sehen wie eine alte Kübelspritze sowie Helme, Uniformen, Ehrenzeichen und Dokumente aus den privaten Beständen der Langenwolschendorfer Feuerwehrhistoriker.

Herzstück der Ausstellung sind eine umfangreiche Chronik, die von den Kameraden der Zeulenrodaer Feuerwehr extra für das Jubiläum zusammengestellt wurde, und natürlich die zahlreichen authentischen Exponate aus der Zeulenrodaer Feuerwehrgeschichte. Einer der "Hingucker" ist hier sicherlich die Karrenspritze der Firma Jos. Beduwe aus Aachen, die etwa 1890 gebaut wurde.

Wie brennend das Thema interessiert, zeigt, dass allein zur Eröffnung der Sonderausstellung am 7. Februar weit über 100 Schaulustige in das Städtische Museum kamen. Die Besucher waren durchweg angetan von der Präsentation, die an die Entwicklung des Feuerwehrwesens in Zeulenroda bis zur Neuzeit erinnert. Und nicht nur stumme Zeugnisse der Geschichte sind zu sehen – ausstellungsbegleitend laufen über Monitore Filme aus den letzten drei Jahrzehnten Feuerwehrgeschichte. Und auf Wunsch können Interessenten die Historie auch bei einer kompetenten Führung Revue passieren lassen. "Nach vorheriger Anmeldung organisieren wir gern Rundgänge durch die Sonderschau, bei denen die Besucher von Mitgliedern der Feuerwehr Zeulenroda oder der Interessengemeinschaft Feuerwehrhistorik Langenwolschendorf sachkundige Erläuterungen zu den Exponaten und zur Geschichte erhalten", lädt Museumsmitarbeiterin Ramona Rexheuser ein. Wer solch eine Führung wünscht, sollte sich vorher mit dem Museum in Verbindung setzen, das telefonisch unter 036628-64135 zu erreichen ist.

Service: Die Ausstellung „150 Jahre Feuerwehr in Zeulenroda“ ist bis zum 1. Mai 2013 zu sehern. Öffnungszeiten sind dienstags bis freitags 9 bis 16 Uhr, donnerstags 9 bis 18 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen 13 bis 16 Uhr.

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Hier die Pressemitteilung des Museums zur Ausstellung:


Solange der Mensch die Erde bewohnt, braucht und fürchtet er das Feuer. Dem Schadensfeuer Einhalt zu bieten ist auf der ganzen Welt ein soziales Anliegen, mit dem die Feuerwehr betraut ist. Auch den im Jahre 1438 zur Stadt erhobene Marktflecken Zeulenroda suchten immer wieder Großbrände heim. Lebensumstände der Menschen sowie enge Bauweise und Baustil der Häuser begünstigte die Ausbreitung des Feuers.

Der große Brand von 1818, dem der größte Teil der oberen Stadt zum Opfer fiel, brachte viel Not über die Menschen Zeulenrodas. Um Hab und Gut der Bürger zu schützen, musste die Stadt Maßnahmen ergreifen. Erste Aufzeichnungen über die Ausübung des Feuerlöschdienstes in Zeulenroda beginnen bereits im Jahre 1838 mit der Anordnung für Feuerwachen. Hiernach hatte jeder zur Feuerwache bestellte Bürger diese entweder selbst zu verrichten oder sich durch einen bestellten Feuerwächter gegen Entschädigung vertreten zu lassen. Die erste Feuerlöschordnung wurde am 21. Januar 1851 erlassen, Hiernach hatten sich die Mitglieder des Stadtrates nach erfolgtem Feuerruf im Rathaus einzufinden und von dort aus die erforderlichen Anordnungen zu treffen. Die Bürgerfeuerwehr war in eine Löschmannschaft, eine Arbeitskompanie, eine Rettungsschar und eine Wachtschar eingeteilt. Zur Dienstleistung waren alle männlichen Einwohner vom 18. bis zum 60. Lebensjahr verpflichtet. Alarmiert wurde die Feuerwehr durch Glockengeläut und dem Ausrufer. Sämtliche Pferdebesitzer hatten auf schnellstem Wege ihre Gespanne zur Beförderung der damals üblichen Sturmfässer, in denen das erforderliche Wasser aus Teichen und Brunnen herbeigeschafft werden musste, bereitzustellen.

Doch zeigten sich bald die Defizite dieser Bürgerfeuerwehr. Deshalb wurde 1863 die „Turnerfeuerwehr“ als die erste freiwillige Feuerwehr der Stadt Zeulenroda gegründet. Lösch- und Rettungsgeräte wurden durch die Stadt bereitgestellt. 1869 schied die Turnerfeuerwehr aus dem Turnverein aus und blieb als Freiwillige Feuerwehr bestehen und 1872 in ein städtisches Institut umgewandelt. Die Gerätschaft bekam der Turnverein vergütet. Alle männlichen Bürger vom 20. bis zum 50. Lebensjahr wurden zum Feuerwehrdienst verpflichtet. Diese „Landspritze“ wurde im Umkreis von 15 Kilometern eingesetzt. 1881 wurde die Freiwillige Feuerwehr ganz aufgelöst und eine Pflichtfeuerwehr gegründet. Nach Umwandlung in eine Berufsfeuerwehr 1949 kam es aber bereits 1955 zu deren endgültiger Auflösung. Am 9. September 1890 war es aber schon zur erwünschten Neugründung der Freiwilligen Feuerwehr Zeulenroda gekommen. Diese Freiwillige Feuerwehr besteht in ungebrochener Kontinuität bis zum heutigen Tage.

Die ältesten „Gerätehäuser“ der Zeulenrodaer Feuerwehr waren im eigentlichen Sinne gar keine solchen. So wurde die 1729 erworbene Druckspritze im Erdgeschoß der alten Schule im heutigen Schulwinkel untergebracht. Als die Stadt 1850 das ehemalige Krockerhaus (heute Gymnasium) am Dr.-Gebler-Platz erwarb, wurden im Seitengebäude Räume für einige Feuerspritzen geschaffen. Außer in der alten Schule und dem Krockerhaus standen weitere Gerätschaften der Feuerwehr im Stahlschen Haus in der Dr.-Gebler-Straße, im Städtischen Bauhof in der Leitlitzer Straße und im Vorort Märien. Leitern und Reißer wurden im eigens dafür 1711 errichteten „Letterhäusle“ in der Luthergasse aufbewahrt. Das Gebäude wurde 1907 abgerissen. Die „Sturmfässer“ genannten Löschwasserbehälter standen auf dem Markt und an der Kirche. Nach dem Einstellen des kommunalen Braubetriebes diente das freigewordene Städtische Brauhaus am Markt zwischen 1906 und 1934/35 als Spritzen- und Gerätehaus. Doch waren all diese Unterbringungsmöglichkeiten nur Behelfslösungen. Deshalb begann man im Frühjahr 1933 mit dem Bau eines zweckmäßigen Feuerwehrbaus im Meisterweg. Am 22. Oktober wurde es offiziell der Feuerwehr übergeben. Sein heutiges Erscheinungsbild erhielt das Gebäude durch Erweiterungsbauten in den Jahren 1990 und 1996.
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