Tschernobyl 1986 – Kinder in Not e.V. zeigt Ausstellung im Zeulenrodaer Rathaus

Wann? 20.05.2016 09:00 Uhr

Wo? Rathaus Zeulenroda, Markt 1, 07937 Zeulenroda-Triebes DE
Barbara Ostermann am Beginn der Katastrophe.
 
Herbert Karsten berichtet von seinen Erlebnissen im Tschernobylgebiet.
Zeulenroda-Triebes: Rathaus Zeulenroda |

Noch heute muss in Bayern und im Vogtland jedes dritte Wildschwein, das geschossen wurde, wegen zu hoher Strahlenbelastung entsorgt werden. Als Folge der Tschernobyl-Katastrophe 1986. Am meisten leiden jedoch die Menschen im Umfeld des Reaktorstandortes an den Nachwirkungen des Supergaus vor 30 Jahren. Besonders betroffen sind die Kinder. Ihnen hilft der Verein "Tschernobyl 1986- Kinder in Not e.V.“ durch Ferienaufenthalte in Thüringen. Ein Partner des Vereins ist seit Jahren die Stadt Zeulenroda-Triebes. Als Dank für die Unterstützung hat der ehrenamtliche Erfurter Verein im Zeulenrodaer Rathaus eine Ausstellung eröffnet – auf den Tag genau 30 Jahre nach der Reaktorkatastrophe.

"Die Stadt unterstützt uns seit 17 Jahren", sagte Vereinsvorsitzende Petra Stoll zur Ausstellungseröffnung. In Zeiten nachlassender Spendenfreudigkeit sei der Erfurter Verein froh, solch zuverlässige Partner zu haben. Für die Kinder seien die Aufenthalte im Schullandheim Wellsdorf mit den Ausflügen ins Zeulenrodaer Tiergehege oder dem Baden im "Waikiki" unvergessliche Erlebnisse und wahre Höhepunkte. "In der Ukraine gibt es keine Spaßbäder", weiß Petra Stoll. Die dreiwöchigen Aufenthalte würden das System der Mädchen und Jungen stärken und ihren Gesundheitszustand stabilisieren. Seit Juli 2000 verlebten 228 von der Tschernobyl-Katastrophe betroffene Kinder mit unbeschwerten Ferienwochen in Wellsdorf. "Die Kinder reisen von hier immer voller Hoffnung und Freude zurück in ihre Heimat", berichtet Barbara Ostermann vom Verein „Tschernobyl 1986 – Kinder in Not e.V.“. Um so trauriger ist sie, dass in diesem Jahr kein Aufenthalt organisiert werden konnte. Grund Genug für den Zeulenroda-Triebeser Bürgermeister Dieter Weinlich, an die Spendenbereitschaft der Bürger zu appelieren: "Ich habe öfters die Tschernobyl-Kinder in Wellsdorf besucht und kann nur zur weiteren Unterstützung des Erfurter Vereins aufrufen, damit wieder Kinder aus der Ukraine und Weißrussland zu uns kommen können!"

Das Kernkraftwerk Tschernobyl war am 26. April 1986 explodiert. Dabei wurden riesige Mengen radioaktiven Materials freigesetzt. Die Strahlung war etwa 400 mal so hoch wie die der Hiroshima-Bombe und verteilte sich zuerst über Weißrussland und dann über weite Teile Europas. Im Umkreis von 30 Kilometern wurden alle Menschen evakuiert. Der Zeulenrodaer Herbert Karsten war 1993 mit einem Hilfstransport am Ort des Geschehens und berichtete zur Ausstellungseröffnung von seinen Eindrücken. "Es war gespenstisch", erinnert sich Karsten, " wir fuhren zum Beispiel an einem Rummel mit einem Riesenrad vorbei und man sah, das alles fluchtartig verlassen wurde." Der Rummel mit dem Riesenrad steht sogar heute noch so wie vor 30 Jahren. Denn es gibt immer noch eine Todeszone im Umfeld des Reaktors. Wieviel Menschen durch die Tschernobyl-Katastrophe und deren Folgen starben, darüber gehen die Angaben weit auseinander und reichen bis zu 100.000 Opfern. In der Ukraine und in Weißrußland sind zehntausende Menschen an Schilddrüsenkrebs erkrankt. Außerdem traten bei über 80.000 Kindern in der Tschernobylregion genetische Schäden auf.

Der Verein „Tschernobyl 1986 – Kinder in Not e.V.“ weist in seiner Ausstellung im Zeulenrodaer Rathaus auf die Gefahren der Atomenergie und die auch heute noch bestehenden Auswirkungen auf das Leben der Menschen in Weißrussland hin. Zugleich wird ein Querschnitt der Vereinsarbeit präsentiert und neben zahlreichen Dokumenten und Fotografien sind auch Exponate und Zeichnungen der Ferienkinder zu sehen.

"Für Schulklassen und Gruppen ermöglichen wir gegebenenfalls Führungen durch die Ausstellung", bieten Vereinsvorsitzende Petra Stoll und Vorstandsmitglied Barbara Ostermann an. Interessenten können sich mit ihnen unter der Telefonnummer 03620871700 oder per E-Mail unter b.g.ostermann@gmail.com in Verbindung setzen.

Die Ausstellung wird im Rathaus Zeulenroda-Triebes bis zum 20. Mai gezeigt und ist zu den Öffnungszeiten dienstags 9 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr, donnerstags 9 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr sowie freitags 9 bis 12 Uhr zu sehen.
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