Einer muss es ja machen

Ich möchte, dass sich die Leute im Ort wohlfühlen“, ist das Credo von Ortsbürgermeisterin Christel von der Gönne. Zu ihren Lieblingsplätzen im Ort zählt der große Spielplatz.
  • Ich möchte, dass sich die Leute im Ort wohlfühlen“, ist das Credo von Ortsbürgermeisterin Christel von der Gönne. Zu ihren Lieblingsplätzen im Ort zählt der große Spielplatz.
  • hochgeladen von Simone Schulter

In den Dörfern prägen oft Einzelne das Geschehen. Sie gehen ­voran, um die  
Gemeinschaft in eine bestimmte Richtung zu lenken und engagieren sich ehrenamtlich. In der Serie „Mein Dorf. Mein Leben“ stellt der Allgemeine
Anzeiger solche ­Menschen vor – heute Ortsbürgermeisterin ­Christel von der Gönne in Kösnitz.

Eine Frau mit dem Herzen am rechten Fleck: Das ist Christel von der Gönne. Ein offenes Wesen scheint ihr in die Wiege gelegt. Die stand vor 60 Jahren in Kösnitz – im einzigen Gasthaus im Ort. Noch heute ist sie hier zu Hause, hat mittlerweile drei Kinder groß gezogen und nebenher die elterliche Gaststätte weitergeführt. Man kann sich gut vorstellen, wie der eine oder andere Gast am Tresen bei einen Glas Bier der resoluten Wirtin sein Herz ausschüttet. Und sicher weiß sie guten Rat zu geben.

Christel von der Gönne steht schließlich mit beiden Beinen im Leben. So manche Schwierigkeiten hatte sie in den letzten Jahren zu bewältigen, privat wie beruflich. Doch während ringsum schon viele Wirtsleute ihre Türen für immer geschlossen haben, lässt sie sich nicht unterkriegen. Kein Wunder, dass die Kösnitzer mehr von ihrer Wirtin wollen als einen Platz für den Stammtisch und am Sonntag hausgemachte Klöße.

Seit 2005 ist von der Gönne Ortsbürgermeisterin von Kösnitz, den 107-Seelen-Dorf, das zur Gemeinde Saaleplatte gehört. „Meine Vorgängerin hatte einen Pflegefall in der Familie, musste in Schichten arbeiten. Da bin ich eingesprungen“, blickt sie zurück. Einer müsse es ja schließlich machen. Doch eine Bedingung hatte sie: „Ich wollte, dass die anderen mich unterstützen.“ Auch wenn sich nicht jeder im Ort einbringt, auf einen kleinen Trupp freiwilliger Helfer kann sich die Bürgermeisterin immer verlassen.

Mit schnellen Schritten eilt sie durchs Dorf. Ein Hundehaufen wird kurzerhand weggekickt. Mit dem Herrchen müsse sie wohl bald mal ein ernstes Wort reden, kommentiert sie den Vorfall. Für die ältere Frau am Fenster hat sie einen netten Gruß auf den Lippen. Ihr Ziel ist der Spielplatz. Hier haben die kleinen Kösnitzer viel Platz zum Toben. Ein Klettergerüst gibt es, eine Schaukel und ein kleines Karussell ebenso. „Auch die Grundschüler aus Stiebritz kommen gern hierher“, weiß sie zu berichten.

Sie ist stolz auf ihr Heimatdorf. Viel konnte in den letzten Jahren erreicht werden. Das Kriegerdenkmal bekam einen neuen goldenen Schriftzug. Für die Feuerwehr wurde ein Sanitärtrakt gebaut. Ein Dorfmuseum ist im Entstehen. Der Feldweg nach Stobra soll noch im November ausgebaut werden.
Noch in Angriff zu nehmen ist die Sanierung des Kirchendaches. Hierfür sparen die Bürger schon fleißig. Viele Einwohner haben Stifterbriefe gekauft, um das Vorhaben finanzieren zu können. Beim Einwerben der Spenden half der Bürgermeisterin vor allem Kirchenälteste Friedel Koch.

Vor drei Jahren wurde Christel von der Gönne mit 96,6 Prozent der abgegebenen Stimmen gewählt. Eine große Zustimmung. Motiviert die zum Weitermachen? „Das müssen die Leute entscheiden“, lässt sie die Zukunft offen. Sollte sie aber noch einmal antreten, werden Ratsuchende weiter auf feste Bürozeiten verzichten müssen. „Die Leute wissen, wo ich zu finden bin.“ Dass Wichtiges in ihrem Gasthaus beredet wird, sieht Christel von der Gönne nicht als Nachteil. Hier laufe vieles zusammen. Schnell könne sie Kontakte vermitteln. Und im gemeinsamen Gespräch ist das eine oder andere Problem schnell gelöst.

Autor:

Simone Schulter aus Weimar

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