Kultur
Reisen inspiriert: Der Thüringer Autor Christoph Wiegand schweift gern in die Ferne

Christoph Wiegand setzt seinen Songkok auf.
6Bilder
  • Christoph Wiegand setzt seinen Songkok auf.
  • Foto: Jana Scheiding
  • hochgeladen von Jana Scheiding

Wenn jemand eine Reise macht, dann kann er was erzählen, heißt es. Christoph Wiegand, Autor aus Griesheim bei Arnstadt, tut genau das. Seine Reisen verarbeitet er zu Abenteuern für Kinder. Und dank des Schülers Maurice kann man die Bücher sogar hören. 

Christoph ­Wiegand liebt belgische Schokolade und zelebriert sie geradezu. „Sie schmeckt köstlich, außerdem ist die belgische Kronprinzessin Elisabeth meine prominenteste Leserin“, erklärt der Thüringer ­Autor aus dem Ilm-Kreis und fügt ­lächelnd hinzu. „Ich schenkte ihr zum Geburtstag mein neuestes Buch und erhielt sehr freundliche Dankesworte.“

Die Idee zum neuen Buch und Hörbuch „Der Fluch des Feuertempels“ entstand in der Fremde. Der junge Mann nimmt seine Leser mit ins Jahr 1908, als Indonesien unter Kolonialherrschaft steht und Niederländisch-Indien heißt. Bereist hat er den mit 17 000 Inseln heute größten Inselstaat der Welt 2016. „Es ist ein Land der Gegensätze. Es gibt Puppenspieler, Tempel, Linksverkehr, einen Sultan und Schuluniformen. Am stärksten beeindruckt hat mich die Tempelanlage von Prambanan. Gleichermaßen war ich vom Reichtum und der modernen Schönheit des Landes angetan.“

 Der 35-Jährige hat durchaus Vergleichsmöglichkeiten. Er bereiste die halbe Welt und wo es ihm gefiel, wohnte er auf Zeit. Mit Englisch, Spanisch und Portugiesisch – drei Sprachen, die er fließend spricht – könne man fast überall auf der Welt leben, weiß Wiegand. Er trinkt den letzten Schluck Schokolade und ist für seinen Auftritt gerüstet. Gleich hat er es mit einem halben Hundert Siebtklässlern zu tun, für die er in der Regelschule in Neuhaus am Rennweg eine Lesung gibt. Dort trifft er Maurice, die Stimme seines Hörbuches, der einige Passagen lesen wird.

Wo liegt eigentlich Indonesien?

In der Schulaula setzt Christoph Wiegand seinen Songkok auf – eine Kopfbedeckung, die Männer auf der indonesischen Hauptinsel Java tragen. Buch und Hörbuch legt er vor sich auf den Tisch. Bevor er und Maurice lesen, gibt es ein Warm-up. „Wo liegt eigentlich Indonesien?“, will der Autor wissen. Ein paar Mädchen kichern, verstummen aber schnell unter dem strengen Blick einer Lehrerin. „Asien...“ kommt es schließlich zaghaft aus der ersten Reihe. Ein guter Anfang. Und als Christoph Wiegand vom Orang-Utan, dem Waldmenschen aus seinem Buch erzählt, sind die Zuhörer bei ihm. „Ich verbrachte einige Tage in der Hauptstadt ­Jakarta. Mit 30 Millionen Einwohnern zählt sie zu den größten Städten der Welt“, erzählt Christoph Wiegand zwischen den Kapiteln. Im Buch heißt die Stadt noch Batavia. Erst 1949 wurde sie im Zuge der Unabhängigkeit umbenannt. Die indonesische Bahn sei nie unpünktlich, bemerkt der Autor mit einem kleinen Seitenhieb auf die Deutsche Bahn. „Ganz egal, ob man fünfzehn Minuten oder zehn Stunden mit ihr gefahren ist.“

„Haben die eigentlich Technik?“, fragt ein Schüler, der einem Land, in dem Männer Batikröcke tragen, nicht viel Fortschritt zutraut. Doch Christoph Wiegand erlebte den islamischen Staat mit der Sechs-Stunden-Zeitverschiebung als modern und weltoffen. Dann ist Maurice an der Reihe und man spürt, dass er schnell durch sein will. Kaum kann der Kopf das Gehörte zu Bildern verarbeiten und es ist nur schwer möglich, die Geschichte zu erfassen.Christoph Wiegand toleriert das, denn er weiß, dass sein Sprecher wandlungsfähig ist. „Wenn sich die Türen des Tonstudios hinter Maurice schließen, ist er ein anderer Mensch. Am Mikrofon läuft er zu Hochform auf.“


Zur Sache: 

• Christoph Wiegand, Jahrgang 1983, ist in Griesheim (Ilm-Kreis) zu Hause.
• Er arbeitet als Autor mit eigenem Verlag und gibt Sprachkurse an ­Bildungs-
einrichtungen. Unter anderem lebte er in Peru, Chile und Indien. Seine Eindrücke verarbeitet er in Kinderbüchern.„Der Fluch des Feuertempels“ erschien als Buch und Hörbuch. Wiegand erzählt die Geschichte des zehnjährigen Moritz – Pfarrerssohn aus Südthüringen – der 1908 mit seiner Familie nach ­Ostindien (heute Indonesien) aufbricht und dort Abenteuer erlebt.
• Das Hörbuch wird von Maurice Becker gesprochen. Der Schüler einer siebten Klasse lebt in Neuhaus am Rennweg. Christoph Wiegand entdeckte ihn während eines Lesewettbewerbs.
www.misti-verlag.de

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen