Kultur
Wie man eine Männer-WG zum Kriseln bringt - am 17. Februar im Schlossgartentheater Arnstadt

Beinahe ein Herz und eine Seele - wenn die Unterschiede nicht wären: Pierre Sanoussi-Bliss (rechts) und Hartmut Schreier
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  • Beinahe ein Herz und eine Seele - wenn die Unterschiede nicht wären: Pierre Sanoussi-Bliss (rechts) und Hartmut Schreier
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Pierre Sanoussi-Bliss kennt man aus dem „Alten“, Hartmut Schreier aus „Soko 5113“. Beide Vollblutschauspieler sind demnächst im Arnstädter Theater in einer Komödie des Show-Express Könnern zu sehen.

„Wo waren Sie gestern zwischen 11 und 12 Uhr?“ – Diese Frage hat Pierre Sanoussi-Bliss in 18 Jahren als Axel Richter, Assistent des Kommissars in der ZDF-Fernsehserie „Der Alte“, oft gestellt. 2014 löste die Produktionsfirma den Vertrag. Seitdem arbeitet der Berliner Schauspieler auch als Autor, Regisseur und spielt wieder Theater. Am 17. Februar gastiert er unter anderem mit Hartmut Schreier im Schlossgartentheater Arnstadt. Sanoussi-Bliss‘ Alibi für den 3. Januar zwischen 11 und 12 Uhr ist übrigens einwandfrei: Mit AA-Redakteurin Jana Scheiding sprach er über deutsche Unterhaltung, Ärgernisse und Harmonie, die aus der Hölle kommt.

Sie haben mal gesagt: Das deutsche Fernsehen sei wie mit Persil gewaschen – reinweiß. Schauen Sie deshalb lieber Netflix?
Eine Gegenfrage: Wann haben Sie zuletzt einen dunkelhäutigen Schauspieler im Fernsehen gesehen? Außer mir gibt es noch mindestens 50 gut ausgebildete schwarze Kollegen in Deutschland, die aber kaum besetzt werden und die daher niemand kennt. Auf Netflix sind die meisten Filme und Serien hervorragend inszeniert und bedienen eine große Bandbreite, während sich die deutsche Unterhaltung in Krimis, Kochsendungen und Talkshows aufteilt. Viel mehr gibt es nicht.

Sie hatten auch ein persönliches unschönes Erlebnis mit einem Sender…
Ja, der Rausschmiss beim „Alten“ war schon heftig. Ich weiß, dass es für Schauspieler keine Rolle auf Lebenszeit gibt, doch die Art und Weise der Produktionsfirma war illoyal und unaufrichtig. Nicht mal am letzten Drehtag ließ sich jemand vom Sender oder der Produktion sehen. In diesem Moment habe ich mich mit 52 Jahren sehr alt gefühlt. Nach dem Rauswurf erhielt ich Post von zwei Kommissaren aus Mordkommissionen. Sie schrieben mir, dass das Durchschnittsalter des deutschen Kriminalkommissars 51 Jahre betrage. Diese Tatsache konnte aber den Verjüngungswahn des Senders nicht bremsen.

Was ärgert Sie noch?
Unpünktlichkeit, Unzuverlässigkeit und die zunehmende Unverbindlichkeit. Nur wenige Menschen wollen sich festlegen. Zum Beispiel hatte ich über Facebook mal eine Lesung meines Kinderbuches angekündigt. 48 Leute sagten zu, ein einziger Mann ist erschienen. Für ihn habe ich mit Hingabe gelesen, obwohl die Veranstalter absagen wollten. Ich finde es nicht in Ordnung, über Zusagen so locker hinwegzugehen.

Also lieber Theater. Hat Regisseur Marten Sand mit seiner Komödie „Ein seltsames Paar“ einen Coup gelandet?
Auf jeden Fall. Mit dem Stück gehen wir jetzt auf Tournee und sind Mitte Februar in Thüringen zu Gast. Mit Hartmut Schreier wollte ich schon lange zusammenarbeiten. Das lief von der ersten Probe an hervorragend.

Worum geht’s in dem Stück?
Felix kommt erstmals zur wöchentlichen Skatrunde bei Oscar zu spät und teilt verzweifelt mit, dass seine Frau sich nach vielen Ehejahren von ihm getrennt habe. Oscar bietet Hilfe an und lässt ihn bei sich einziehen. Felix räumt ständig hinter dem schlampigen Oscar her, dem das ziemlich auf die Nerven geht. Erschwerend kommt hinzu, dass die Freunde ihre in Ost- und Westdeutschland entstandenen Lebenserfahrungen voreinander verteidigen. Es dauert also nicht lange und die harmonische Männer-WG führt in die Beziehungskrise. Die Harmonie liegt übrigens darin, dass Hartmut Schreier und ich uns in dem Stück gegenseitig die Hölle heiß machen – wie in der berühmten Vorlage mit Jack Lemmon und Walter Matthau.

Zur Sache:
Pierre Sanoussi-Bliss, Jahrgang 1962, ist Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor.
Der gebürtige Ostberliner engagiert sich als ehrenamtlicher Botschafter der Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland Nordhausen e.V. in Tambach-Dietharz.
Er lebt mit Till Kaposty-Bliss - Art Director und Herausgeber der Zeitschrift „Das Magazin“ - in Berlin.
2016 schrieb, inszenierte und produzierte er seinen zweiten Kinofilm „Weiber! – Schwestern teilen. Alles.“, der im Dezember 2017 insbesondere in Programmkinos startete und den Kinobetreiber unter info@croco-film.de ordern können.
„Der Nix“ heißt sein erstes Kinderbuch. Es handelt von einer kleinen, schwarzen Kaulquappe, die kein Frosch, sondern lieber Nixe werden will.
Pierre Sanoussi-Bliss ist unter seinem Namen auf Facebook aktiv.
„Ein seltsames Paar“ – die neue Produktion des Show-Express Könnern – ist am 17. Februar, 19.30 Uhr, im Schlossgartentheater Arnstadt zu sehen.

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