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Auf dem Bahnhof verführt

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Ich hatte zum was-weiß-ich-wievielten Male beschlossen, leicht adipösen Ansätzen meiner Figur mit drastischen Maßnahmen zu begegnen. Frei nach dem Motto "Sport und Turnen füll'n Gräber und Urnen" wollte ich dabei um Himmels willen nichts überstürzen. Also erst mal Einführung in den Gerätepark des Fitnessstudios und dann ... ausruhen. Gut, dachte ich. Bevor du mit der Plackerei beginnst, stattest du noch einmal dem Restaurant "Zum goldenen Bogen" einen Besuch ab. Gesagt, getan. Ich genehmigte mir also eine Portion, redete mir ein, dass es ja insofern gesund sei, dass Hähnchen draufliegt und ließ mich auf einer Bank mitten in der Fressmeile des Erfurter Bahnhofs nieder. Es gibt kaum schöneres als genüsslich kauen und Leute gucken. Manche eilten vom oder zum Bahnsteig, andere schlenderten durch die Halle, wieder andere unterhielten sich, warteten oder besahen sich die Auslagen. Und fast jeder - sagen wir mal, drei Viertel meiner "Opfer" - hielt eine Tüte mit irgendetwas zu Futtern in der Hand. Dabei wirkten die Träger der mehr oder weniger prall gefüllten Behältnisse alles andere als hungrig. Sie kauften einfach, weil es da war. Essen ist also nicht nur ein Stück Kultur, sondern - zumindest auf dem Bahnhof - die blanke Verführung. Im Geiste schüttelte ich den Kopf und dachte: Es ist natürlich auch eine Frage des Willens, an den duftenden, lockenden Fressalien vorbeizugehen - und nahm mir noch eine Pizzabrezel mit.

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