Anzeige

Nicht ohne meine Kamera! Für die Erfurter Hobbyfotografin Heidrun Bergmann sind Fotos wichtige Zeitzeugen

Wo: ..., Arnstadt auf Karte anzeigen
Oben ohne: Blick durch den inzwischen dachlosen Turm der Gruft in einen nachbearbeiteten dramatischen ­Himmel.
Oben ohne: Blick durch den inzwischen dachlosen Turm der Gruft in einen nachbearbeiteten dramatischen ­Himmel. (Foto: Heidrun Bergmann)
Anzeige

Ein Leben ohne Kamera kann sich Heidrun Bergmann nicht mehr vorstellen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem die Erfurterin nicht unterwegs ist oder mit den Ergebnissen ihrer Streifzüge Menschen erfreut, zum Beispiel auf sozialen Netzwerken wie facebook.

Gern fotografiert hat sie schon als Jugendliche, doch dann legte sie eine lange Pause ein. Vor etwa zwölf Jahren stellte der Fortschritt in der Fotografie auch für Heidrun Bergmann seine Weichen. „Meine Familie schenkte mir eine Digitalkamera, die ich einige Zeit misstrauisch beäugte. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es ein Leben ohne Entwickler und Negative geben kann“, erinnert sich die Pharmazie-Ingenieurin und lacht. „Eines Tages probierte ich dann doch einige Einstellungen aus und staunte, was mit Digitaltechnik möglich ist.“
Mehr als tausend Fotos später kennt sich die Frau, deren Arbeitsalltag Pillen und Salben dominieren, mit Beleuchtung, Belichtung und Nachbearbeitung der Bilder aus und ist in mehreren Fotogruppen aktiv.

Für ein gutes Foto muss man die Perspektive wechseln

„Ich bin am liebsten in der Natur unterwegs“, verrät die sympathische Erfurterin und sie weiß: Für ein gutes Foto muss man sich auch mal in die Waagerechte begeben. Deshalb ist sie meist in „Räuberzivil“ unterwegs. Jeans, kompaktes Schuhwerk und einfacher Pullover erweisen sich auch in alten Fabriken und Schlossanlagen als vorteilhaft, in denen Bergmann gelegentlich fotografieren darf. „Ich liebe diese verlassenen Plätze, die alten Gemäuer und Burgen, die zwar verfallen sind, aber noch immer die Kraft und Stärke vergangener Zeiten ausstrahlen.“

Heute, an einem warmen Frühsommertag, steht ihr der Sinn nach Natur und morbider Architektur. Beides verbindet die Alteburg in Arnstadt nahezu vorbildlich: Sattes Grün, gelb-violette Blütenmeere, azurblauer Himmel mit beinahe geometrisch angeordneten Wolken – für ihre Erkundungstour wird die passionierte Hobbyfotografin mit strahlendem Wetter beschenkt. Fehlt nur noch die Architektur. „Ich hatte mir schon lange vorgenommen, die Winckler‘sche Familiengruft aufsuchen und dort zu fotografieren. Aber niemand konnte mir bisher beschreiben, wo genau sich diese Gruft befindet“, bedauert sie.
Die Gruft zu finden ist tatsächlich schwierig, andererseits ist das auch gut so. Schlimm genug, dass Vandalen und Brandstifter das klassizistische Grabmal gefunden haben. Zwar gibt es in Arnstadt Menschen, die sich für den Erhalt des Bauwerkes engagieren, doch dessen Wiederaufbau würde Hunderttausende Euro kosten. Deshalb wird es wohl so bleiben, wie es ist.

Geheimnisvolle Gruft auf halber Bergeshöhe

1869 gab es in Arnstadt Anhänger der von Bebel und Liebknecht geführten Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschlands. Unter ihnen der Kaufmann und Fabrikant Alexander Winckler, dessen Namen eine Straße in Arnstadt noch heute trägt. Die mit Zustimmung der Partei gegründete Kammmachergenossenschaft wurde von Winckler finanziell unterstützt. Ihm und seiner Familie zu Ehren errichtete man 1915 die Familiengruft auf halber Bergeshöhe der Alteburg.

Heidrun Bergmann hat Respekt vor dieser ehrwürdigen Geschichte. Niemals würde sie etwas tun, was dem Bauwerk schadet, nur um ein gutes Foto zu bekommen. Doch sehen will sie die Gruft unbedingt. Und zwar jetzt.

Die Alteburg eignet sich nicht nur zum – sogar barrierefreien – Wandern, sie ist auch für ein Abenteuer gut. Mit gewichtiger Kameratasche geht es irgendwann vom Hauptweg ab durch Gestrüpp und Unterholz, bis der Weg plötzlich endet. Es bleibt nichts, als zur Weggabelung zurückzukehren. Doch auch der zweite Pfad erweist sich als Irrtum. Die Sonne nähert sich derweil ihrem Zenit – eine denkbar schlechte Tageszeit zum Fotografieren bricht an.

Heidrun Bergmann ist überwältigt

„Vor über hundert Jahren konnte man die Gruft vermutlich von oben erkennen, heute ist alles zugewachsen“, mutmaßt Bergmann und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Doch aufgeben kommt nicht infrage. Es gibt noch einen dritten Weg, der so breit ist, dass er vermutlich nicht im Buschwerk endet. Volltreffer! Nach mehreren hundert Metern lugt ein Steinfundament zwischen den Bäumen hindurch. Das Grabmal liegt im satten Grün unter blauem Himmel. Heidrun Bergmann ist sichtbar überwältigt und muss einen Moment innehalten, bevor sie sich mit ihrer Kamera bewaffnet und auf Motivsuche geht.

Wenn das Bauwerk eines Tages vielleicht verschwunden sein wird – Fotos sind wichtige Zeitzeugen, die Erinnerungen an die Geschichte wachhalten. Einige der Bilder, die an diesem Tag entstanden sind, haben wir abgedruckt.

Heidrun Bergmann ist auf facebook aktiv, zum Beispiel in den Gruppen „Arnstadt Bilder früher, heute und überall“, Faszination Rost" oder der inter­nationalen Gruppe „Puertas Ventanas y Rejas – Türen, Fenster, Zäune“.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige