Was tun, wenn die Angst uns übermannt? Zwei Referentinnen aus Saalfeld wissen Rat

Elisabeth Dotter (rechts) und Kristin Haustein referieren im Februar über die Angst.
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  • Elisabeth Dotter (rechts) und Kristin Haustein referieren im Februar über die Angst.
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Ohne Angst - oder Achtsamkeit - können wir nicht angemessen reagieren. Sind wir zu ängstlich, stehen wir uns selbst im Weg. Psychologin Elisabeth Dotter weiß, wie man mit Ängsten umgehen kann.

"Wenn Angst größer ist als Liebe und Zugehörigkeit und damit alle Verbindungen beendet, dann ist das eine Gefahr für die Gemeinschaft." - So umschreibt Elisabeth Dotter eine ihrer Lebensphilosophien. Jeder kennt die Angst vor Versagen, Verantwortung, Verlust, vor Entscheidungen, Schmerz, Krankheit und Tod. Was also tun gegen die Beklemmungen, die im Lauf des Lebens recht vielgestaltig daherkommen? Antworten fand AA-Redakteurin Jana Scheiding bei der Psychologin und Familientherapeutin aus Saalfeld.

Wann ist Angst ein guter, wann ein schlechter Ratgeber?
Ein guter Ratgeber eigentlich nie. Natürlich müssen wir achtsam sein, sonst würden wir nicht überleben. Doch wenn wir vor Angst erstarren, stehen wir uns selbst im Weg.

Sind Sie frei von Ängsten?
Nein, im Gegenteil. Mich begleitet die Angst auch in verschiedenen Lebenssituationen. Jedoch habe ich gelernt, dass die Überwindung viele Kräfte freisetzt und mir neue Möglichkeiten eröffnet. Als ich beispielsweise mit 20 Jahren meiner Mutter von meinem Plan, nach Indien zu reisen erzählte, beschwor sie mich, davon abzulassen, weil diese Reise viel zu gefährlich sei. Ich tat es trotzdem und bin froh darüber, denn in Indien entstand mein Weg zur Therapeutin.

Was sind unsere Urängste?
Die sind sehr vielfältig. Wir haben Angst, jemanden oder etwas zu verlieren, vor Kontrollverlust, vor Krankheiten oder davor, Fehler zu begehen zum Beispiel.

Sie haben die Angst vor Anderssein vergessen...
Ja, die ist leider allgegenwärtig. Anderssein kann den Ausschluss aus einer Gemeinschaft bedeuten, im schlimmsten Fall aus der Familie. Dabei ist das Grundbedürfnis verletzt, in einer Gemeinschaft so angenommen zu werden, wie man ist. Beide Seiten haben Angst: Der Andersartige vor dem Ausschluss, die Gemeinschaft vor der Gefährdung ihrer Traditionen. Dabei sind es oft die Querdenker, die die Weiterentwicklung fördern.

Ist Angst nicht ein Schutzmechanismus, der uns eingepflanzt ist?
Ein Mechanismus, ja. Entscheidend ist der Umgang damit, wir können ihn durchaus beeinflussen. So ist es möglich, Angst als Gefühl wahrzunehmen, zu spüren. Ähnlich einem Kind, das auf sich aufmerksam macht, indem es etwas tut, was die Eltern nicht wünschen. Es beruhigt sich durch Annahme und Zuwendung. Dadurch ist Verhaltensänderung leichter zu bewirken, als wenn ich mit Ärger, Ignoranz oder Ablehnung reagiere. Genauso verhält es sich mit der Angst. Sie braucht Wahrnehmung, will gefühlt werden und Zuwendung bekommen.

Spielen sich Ängste ausschließlich im Kopf ab?
Nein, sie spielen sich zusammenhängend auf körperlicher und geistiger Ebene ab. So können sich Atemfrequenz und Herzschlag erhöhen, Angstschweiß tritt auf die Stirn. Viele Angst auslösende Reize sind im Unterbewusstsein verankert, sie werden oft erst nach der Reaktion des Körpers als Gedanken bewusst. Es reichen also bloße Gedanken an Erlebtes und Bilder, um körperliche Reaktionen auszulösen.

Haben Sie ein Rezept gegen die Angst?
Für mich sind Achtsamkeit und Vertrauen die Schlüssel dafür. Achtsamkeit bedeutet für mich, geistesgegenwärtig zu sein und entsprechend handeln zu können. Angst kann ich fühlen, ohne ängstlich zu sein. Dieser wesentliche Unterschied trifft ebenso auf Ärger oder Wut zu. Geistesgegenwart kann ich im Alltag üben, indem ich auf meinen Atem achte. Ihn fühle, ohne an etwas Anderes zu denken. Dadurch bin ich weniger gedankenverloren und kann den Augenblick bewusst wahrnehmen. Körper, Geist und Atem sind im Einklang. Daraus entstehen Freude und Selbstvertrauen.

Am 24. Februar referieren Sie mit einer Fachkollegin zum Thema Angst. Mit welchem Ziel?
Wir wollen Menschen Unterstützung geben, mit Ängsten umzugehen. Uns ist es wichtig, Wege aufzuzeigen, in der Angst neue Perspektiven einzunehmen, ein stabiles Fundament oder die eigene Insel zu finden. Bei allem wollen wir etwas Psychohygiene betreiben - uns reicht es nicht, wenn wir uns nur körperlich reinigen. Auch der Geist sollte ab und an ausgemistet und durchgelüftet werden. So wollen wir Menschen motivieren, ihr Potenzial voll auszuschöpfen.

Zur Sache:
Nurija Elisabeth Dotter ist Rehabilitations-Psychologin (B.Sc FH) und Familientherapeutin.
Gemeinsam mit Sozialpädagogin Kristin Haustein referiert sie am 24. Februar, 18.30 Uhr, im Seminarraum der Apotheke von Hirschhausen, Obere Straße 1A, Saalfeld, zum Thema Angst.
www.spektrumherz.de

Autor:

Jana Scheiding aus Arnstadt

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