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Wie mein Beifahrer mich in Angst und Schrecken versetzte

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Heute Abend bin ich zu einer kleinen Frauentagsrunde eingeladen und dachte mir, dass eine Flasche Sekt als Mitbringsel bestimmt gut ankommen würde. Ich besorgte also gestern Abend einen trockenen Rosé und wollte ihn heute den Tag über im Büro deponieren. Als ich heute Mittag zum ersten Termin aufbrach und schon auf halber Strecke war, fiel es mir siedend heiß ein: da lag doch auf der Rückbank noch der Sekt. Wenn der durch die Schüttelei nun hochging... Argwöhnisch schaute ich nach hinten. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich einen flotten Reifen gefahren, doch in Anbetracht meines spritzigen Begleiters legte sich meine Stirn sogleich in Sorgenfalten und ich drosselte das Tempo. Ein Lkw hinter mir hupte mich an, weil ich plötzlich ohne erkennbaren Grund langsamer geworden war. Ich rief meine Freundin an - um mir versichern zu lassen, dass eine Sektflasche im Auto niemals nicht explodieren würde. Doch sie sagte. "Mir ist mal eine hochgegangen, als ich über Kopfsteinpflaster fuhr..." Gott sei Dank fuhr ich auf der Autobahn. Die Fahrt in Ilmenau hingegen beunruhigte mich erneut. Sonst fege ich über die gelbe Ampel - auch mal über Lachsrot - und rege mich über diejenigen auf, die nicht aus dem Knick kommen. Heute fuhr ich wie auf Eiern, gerade so, als befände ich mich mit Sommerrreifen auf einer vereisten Straße. Als Ilmenau erledigt war, musste die Flasche noch mit nach Stadtilm. Auf dem Weg dorthin hielt ich es nicht mehr aus. Das Horrorszenario einer explodierenden Flasche Sekt vor Augen, deren Scherben mich treffen würden... Ich fuhr an den Straßenrand und verbannte die Flasche in den Kofferraum. Dort zwängte ich sie in eine Decke und legte noch die Tellermine vom Rodeln drauf. Weiter ging es nach Stadtilm. Der Parkplatz an meinem Zielort hatte eine Bordsteinkante ... - und Kopfsteinpflaster! Oh Gott... dachte ich und sah mich in Gedanken schon den Kofferraum entkleben. Dann ging die Fahrt zurück nach Arnstadt. Zum ersten Mal wurde mir bewusst, wie schlecht unsere Straßen eigentlich beschaffen sind. Vom Ilmkreis Center Richtung Innenstadt - Loch an Loch. Mein Puls raste. Dann eine jähe Bremsung an der Ampel, weil mein Vordermann sich im letzten Moment entschloss, die Signalanlage nicht bei Gelb zu überfahren.
Nun liegt der Sekt im Auto und darf sich beruhigen. Ich weiß allerdings nicht, ob er mir heute Abend, wenn ich sein Gefängnis öffne, doch noch um die Ohren fliegt.

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