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Pulverfass im Wald bei Crawinkel endgültig entschärft

Wo: Wald, Crawinkel auf Karte anzeigen
Stefan Schambach und Klaus-Peter Schambach, Förderverein Alte Mühle Crawinkel, brachten sich mit Ideen und der Gestaltung von Informationstafeln am neuen Informationpunktes auf dem ehemaligen MunA-Gelände mit ein.
Stefan Schambach und Klaus-Peter Schambach, Förderverein Alte Mühle Crawinkel, brachten sich mit Ideen und der Gestaltung von Informationstafeln am neuen Informationpunktes auf dem ehemaligen MunA-Gelände mit ein.
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Auch viele Jahrzehnte nach Kriegsende befanden sich im Wald zwischen Crawinkel und Wölfis, im ehemaligen LuftMunA-Gelände, noch Unmengen an Munition im Boden. Die Räumung ist jetzt komplett abgeschlossen. Gebäude und Bunker sind zurückgebaut - bis auf einen. Dieser ist jetzt begehbar. Informationstafeln geben hier Auskunft zum Gebäude, der LuftMunA Crawinkel und der Beräumung des Areals.

1934 beginnt der Bau der reichseigenen Luft-Munitionsanstalt (LuftMunA) im Wald zwischen Crawinkel und Ohrdruf. Sie diente zur Laborierung - Zusammensetzen von Spengkörpern aus Hülle, Sprengstoff und Zünder- sowie zur Lagerung von Bomben, Granaten und Munition.

65 erdüberdeckte Gebäude vom Typ MH 20 – zur Lagerung von 20 Tonnen Munition – wurden in diesem Waldstück errichtet. Dazu kamen weitere Gebäude mit einer Lagerkapazität von 30 beziehungsweise 10 Tonnen Munition - Gesamtlagerkapazität 2300 Tonnen Munition. Weiterhin gehörten dazu unter anderem ein eigenes Straßennetz (30 Kilometer), Verladegleise am Bahnhof Crawinkel sowie ein dichtes Netz an Löschteichen.

1945 im Januar werden große Teile der Munition beräumt für die Aufnahme eines Häftlingslagers, einem Außenkommando von Buchenwald. Die Häftlinge schliefen teilweise neben den Munitionskisten und mussten Gleise verlegen oder arbeiteten im Stollenbau im nahe gelegenen Jonastal. Dort sollte eine gedeckte Führungsstelle errichtet werden, als Teil des geplanten Führerhauptquartieres in Thüringen.

2893 dieser Häftlinge sind im Totenbuch von Ohrdruf bis zum 24. März 1945 registriert, danach gibt es keine Aufzeichnungen mehr.

1945 im Juli übernahm die Rote Armee den Standort und begann 1946 mit den Sprengungen der Munitionshäuser. In den folgenden Jahrzehnten kam es zur Errichtung einer taktischen Treibstoffreserve für die materielle Sicherstellung der Sowjetarmee - insgesamt 380 Tanks mit einem geschätzten Fassungsvermögen von 10 Millionen Liter - erneut ein riesiges Pulverfass.

1992 übernahm die LEG Thüringen nach Abzug der Truppen das Gelände, 1998 begannen Rückbau- und Sanierungsmaßnahmen.

2007 bis 2014 erfolgte durch drei von der EU geförderten Projekte die endgültige Kampfmittelbeseitigung, Altlastsanierung und der Rückbau von Gebäuden, Bunkeranlagen und Montagehallen.

174.776 Stück Munition (überwiegend reichseigen) mit einem Gesamtgewicht von 70,4 Tonnen konnten geborgen werden.

1319 Stück Kampfmittel pro Hektar - es war die am höchsten belastete Fläche in Thüringen, bedingt durch die Nutzung über mehrere Militärepochen.

8 Millionen Euro betrugen die Kosten der Maßnahme.

30. März 2009 gab es ein erstes Treffen der Bürgermeister von Crawinkel (Stefan Schambach) und Wölfis (Thomas Reinhard) gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Dr. Werner Pidde, wie die Idee einen Ort des Erinnerns zu schaffen, umgesetzt werden kann.

14 Meter mal 10,70 Meter Größe beträgt die Grundfläche des Gebäudes MH20, zur Aufnahme von 20 Tonnen Munition. Eins dieser erdüberdeckten Gebäude ist stehengeblieben, allerdings ohne Decke – die wurde kurz nach Kriegsende schon weggesprengt. Jetzt befindet sich hier ein Informationspunkt.

3 Informationstafeln sind angebracht und geben Auskunft über die Geschichte der Luft-MunA und der Entsorgung/Beräumung des Geländes. Zwei davon stiftete der Förderverein Alte Mühle Crawinkel, die dritte Tafel erstellte die LEG. Im Förderverein Alte Mühle arbeitet man momentan noch an zwei weiteren Tafeln: Die Zeit als Häftlingslager sowie die Zeit der sowjetischen Garnision.

Für Interessenten können Führungen mit Klaus-Peter Schambach angeboten werden.
Kontakt: Mühlenverein Crawinkel

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