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Thüringer Gesetz zum Schutz der Bevölkerung vor Tiergefahren-Listenhunde

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Sehr geehrte Redaktion,

Im Rahmen der jetzt aktuellen Berichterstattung in den Medien sowie durch Information und persönliche Konsultation verschiedener Abgeordneter zur Novellierung des Gesetzes zum Schutz der Bevölkerung vor Tiergefahren begrüßen wir natürlich jede sachliche positive Veränderungen zum bestehenden Gesetz.
Als Interessengemeinschaft der berufenen Sachverständigen haben wir natürlich ein begründetes Interesse daran im Rahmen der Novellierungsverfahren noch stärker mit eingebunden zu werden. Denn Anfang 2000 mit der Novellierung 2003 der – Gefahrenhundeverordnungen - wurde durch Aktionismus und doch auch Lernresistenz einiger politischen „Würdenträger“, Sachverständige zwar sporadisch befragt, deren Meinung und Erfahrungen aber nicht/oder nur geringfügig in den Gesetze und/oder Verordnungen berücksichtigt.
Denn wir, als "Sachkundigen Personen" mit den praktischen, fachlichen, langjährigen Erfahrungen in unserer „Vorort- Arbeit“ haben wir doch einen wesentlichen Anteil daran, dass das Gesetz und die zu dessen Umsetzung erlassenen Verordnungen mit „Leben erfüllt werden. Wir können aber für die aktuelle Zeit aktuell durchaus auf einige positive Beispiele konstruktiver Zusammenarbeit von Sachverständigen mit den Ordnungsbehörden bzw. Kommunal und Landespolitikern (hier möchte ich einmal „die Linke“ besonders positiv erwähnen - auch wenn ich eine andere politische Gesamteinstellung habe) und den verantwortlichen Thür. Landesverwaltungsamt sowie dem Innenministerium zur Thematik nennen, auch wenn dies sicher in manchen Bereichen noch durchaus ausbaufähig ist.

Aber positiv ist anzumerken, dass schon im Vorfeld der Gesetzesnovellierung einige fortschrittliche Städte und Kommunen in Thüringen praktiziert haben und die aufgeführten „Listenhunde“ nicht nur durch eine Sachkundeprüfung der Halter sondern durch einen Wesenstest durchgeführt werden konnte.
Im Ergebnis wurden dann entsprechende Maßnahmen angeordnet und/oder auch erlassen. Hilfreich ist dabei die Kennzeichnungs- und Registrierpflicht (Kontrolle der Transponder) und Versicherungspflicht für alle Hunde.
Trotzdem wird insbesondere durch kommunal-rechtlich verankerte Eigenständigkeit in der Hundesteuererhebung damit verbunden und für die „Listenhunde“ eine oft unreale Erhöhung der Hundesteuer zu verlangen.
Im Übrigen wurden und konnten durchaus auch bisher schon andere Rassehunde und/oder Mischlinge die nicht in der „Rasseliste“ aufgeführt sind –je nach dem Ergebnis eines Wesenstests als „gefährlich“ eingestuft werden.
Wohlwissend das eine Beissattacke eines der „Listenhunde“ bezugnehmend auf dessen genetische Dispositionen (Beißkraft, Beißverhalten u.a) in der Folge (Verletzungsintensität) anders ausgehen würde, z.B. nur als Vergleich mit einem „Dackel“.
Deshalb auch nachfolgend eine Einschätzung der Rassezugehörigkeit und daraus resultierende „Gefährlichkeitseinstufung“.
Diese wird durch eigene Evaluierungen u. Erfahrungen der berufenen sachkundigen Personen Thüringens in Anlehnung an die Veröffentlichungen von anerkannten Ethologen und Fachtierärzte für Verhaltenskunde (z.B. Dr. Dorit Feddersen-Petersen Kiel; Dr. Heike Maisch-Erfurt; Prof. Dr. Irene Stur-Wien u.v.a.) gestützt.
Verhaltensbiologisch ist die "gefährliche Rasse" eigentlich nicht zu benennen, es ist naturwissenschaftlich so unsinnig wie unbewiesen, einer Hunderasse a priori, also ohne Berücksichtigung der Prüfung jedes eines Einzelfalles einer Beißattacke, eine gesteigerte "Gefährlichkeit" zuzuschreiben. Rassenkataloge, die "Hunde mit gesteigerter Gefährlichkeit" auflisten, sind irreführend, weil der Objektivität entbehrend, sie fördern darüber hinaus einen Hundemissbrauch, indem sie bestimmte Rassen für eine bestimmte Klientel erst attraktiv machen. Rasseaufzählungen erschweren die Hundehaltung zudem ungemein, da Nachbarschaftsverleumdungen die Gerichte und Behörden ganz unnötig beschäftigen und schließlich, gesteigert von Beschimpfungen von Passanten, den betreffenden Hundehaltern psychisch derart zusetzen, dass diese ihre Hunde ins Tierheim abgeben - einem für die meisten Tierheime zunehmenden wie zunehmend schweren oder unlösbaren Problem. Die betreffenden Hundeindividuen nehmen Schaden (es gibt Tiere die 5-7-mal ihren Halter wechseln oder von vornherein nicht vermittelbar sind), werden jetzt mit großer Wahrscheinlichkeit zu Problemhunden, die schwer einschätzbar und gefährlich reagieren.
Es gibt keine "gefährlichen Hunderassen", es gibt aber „gefährliche Hundeindividuen“. Der Begriff "gefährlicher Hund" ist unabhängig von der Rassezugehörigkeit zu benennen. Aktuellen Statistiken auch in Thüringen sowie vergleichende Untersuchungen unter definierten Umweltbedingungen wie zum Entstehen sozialer Beziehungen an über 20 Hunderassen (darunter auch American Staffordshire Terrier, der Bullterrier u.a.) entbehren der Daten für eine generell höher anzusetzende Gefährlichkeit der Haltung einer bestimmten Rasse. Hund und Mensch bilden stets ein "Beziehungsgespann"! Jede Hundezucht wie
Hundeentwicklung, jedes Hundeverhalten wird vom Menschen entscheidend beeinflusst, der überwiegend ursächlich verantwortlich ist für eine gestörte Beziehungen zum Tier und eventuelle späterer negativer Folgeerscheinungen.
Es sind die Züchter (Massenzuchten!) und Besitzer bzw. das gesamte soziale Umfeld, das Hunde gefährlich werden lässt.
Analysen der Genesen von schweren Beissvorfall weisen auf soziologische Probleme, das Bedürfnis von Menschen über den Missbrauch von Hunden zu imponieren, Angst einzuflößen und ihr Ego aufzuwerten. Dies gilt gerade für das Aggressionsverhalten. "Aggressionszüchtungen", in der Regel Kreuzungen (sogenannte "Hinterhof-Züchtungen"), sind als Symptom gesellschaftlicher Probleme zu werten. Das trifft aber absolut auf alle Hunderassen und Mischlinge zu und ist nicht unbedingt auf die in der „Rasseliste“ festgeschriebenen Rassen fokussiert. Das neue Tiergefahrengesetz in Verbindung mit dem Tierschutzgesetz verbietet Aggressionssteigerungen, züchterisch - wie über entsprechende Konditionierung. Jeder Entwicklung zum "gefährlichen Hund" liegt neben der negativen Prägung des Hundes, die Haltungsbedingungen u.a. immer auch eine individuelle soziale Konstellation zugrunde.
Definition:
Ein Hund ist „gefährlich“ für Mensch/Tier, wenn er die physische und/oder psychische Unversehrtheit der Person/des Tieres durch irgendeine seiner Verhaltensweisen, wie zum Beispiel gestörtes, aggressives Verhalten, Verfolgung, Jagdverhalten, wenig oder nicht kontrollierte, oder durch den Halter nicht kontrollierbare Bewegungen, bedroht oder in Gefahr bringt.
Grundsatz:
Im allgemeinen Umgang und Handling der Hunde (unabhängig von der Rassezugehörigkeit) muss es immer auch um die physische und psychische Befähigung und die Forderung an den Hundehalter und Führer gehen, so dass der benannte Hund/e innerhalb und/oder außerhalb seines eingefriedeten Besitztums, jederzeit so geführt und beaufsichtigt werden müssen/sollten, dass Menschen, andere Tiere oder Sachen nicht verletzt oder anderweitig geschädigt werden können!
Für die Haltung das Führen von Hunden in der Öffentlichkeit (aller Rassen und/oder Mischlinge) befürworten die Thüringer Sachverständigen die Einführung eines sogenannten „Hundeführerscheins“ für alle Hundehalter.
Leider gibt es in den 16 Bundesländern auch 16 verschiedene Gesetze und entsprechende Verordnungen zu dieser speziellen Thematik, auch wenn diese sich im Tenor doch nahe stehen sollte es zu dieser Thematik zeitnah auch grenzüberschreitend in der EU (Probleme im Reiseverkehr mit Hunden-Rasseproblematik) einheitliche Regelungen geben.
Es würde mich freuen, wenn wenigstens der Tenor/Auszüge dieser Ausführungen veröffentlicht würden und vielleicht auch einmal ein „anderes Bild - Listenhund“ dazu gedruckt würde!

Mit freundlichen Grüßen
Eckehard Dierbach (als Verfasser(Dipl.Vet.Ing.) berufene sachkundige Person des TLVwA )
(Bilder im Anhang aus Wesenstest und Sachkundeprüfung vorrangig "Listenghunde")

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