Job-Profil: Wie ist das Leben als Logopädin, Frau Wagner?

Training für die Stimme: Logopädin Franziska Wagner pustet eine ­Feder.
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  • Training für die Stimme: Logopädin Franziska Wagner pustet eine ­Feder.
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Franziska Wagner schaut man zuerst auf den Mund. Denn der ist eines ihrer wichtigsten Werkzeuge. Die Logopädin schnaubt wie ein Pferd mit den Lippen, streckt gar nicht böse die Zunge heraus, zischt wie eine Schlange oder verscheucht mit einem „Tsch, tsch“ unsichtbare Hühner.

Die Geräusche sind Teil der ­Therapie. „Das Stimmband muss wie ein Muskel trainiert werden“, erklärt die Sprech­erzieherin. Apropos Training: Der Blick durch die Arnstädter Praxis fällt auf Trampolin und Balancierbälle. „Die Mund- und die Körpermotorik gehören zusammen. Beispielsweise begünstigen sich die Fußkanten und die Zungenrücken“, erklärt Wagner, warum man für manche Lautübungen auf die Fersen wippt.

Spiele besitzt die 30-Jährige ebenfalls eine Menge. Denn Kinder lernen beispielsweise Zischlaute am besten, wenn sie dabei Schlangenlinien in den Sand zeichnen. Einige Kleine hinken mit ihrem Wortschatz, ihrer Grammatik oder Lautbildung der durchschnittlichen Entwicklung hinterher. „Viele ­ersetzen zum Beispiel das K mit T.“ Oft sind die Eltern aber einfach zu panisch. Dann muss Wagner, selbst Mutter, sie beruhigen.

„Zum Patienten besteht ein besonderes Vertrauensverhältnis. Wer nicht auf Leute zugehen und sich in sie hineinversetzen kann, ist in diesem <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.meinanzeiger.de/themen/jobprofil.html">Beruf</a> nicht richtig.“

Logopädin Franziska Wagner

Viele denken bei Logo­päden an stotternde oder lispelnde Kinder, weiß sie. Doch rund die Hälfte ihrer ­Patienten sind Erwachsene. Sie müssen das Sprechen neu erlernen, weil sie nach einem Schlaganfall die Worte nicht mehr bilden können. Andere sind an Parkinson erkrankt und reden nur noch ver­waschen, monoton und leise. Andere können nicht richtig schlucken oder haben ihre Stimme überbelastet. Mal sind die Ursachen organisch wie mit Stimmlippenknötchen, mal sind sie neurologisch wie bei Demenz.

Logopäden gehen in Sachen klarer Aussprache mit gutem Beispiel voran. Um die Therapien zu planen, müssen sie sich gut organisieren. Da Fehlentscheidungen schwere Folgen haben können, sollten sie viel ­Eigenverantwortung mitbringen. Vor allem braucht ein Logopäde enorme ­Geduld. „Ich leide und freue mich mit – auch über die kleinen Fortschritte. Das fällt mir nicht leicht, denn privat bin ich sehr ungeduldig.“

Gut in Erinnerung bleibt Wagner eine ältere Patientin, die schon Angst vorm Sprechen entwickelt hatte. Sie wusste nicht mehr die Worte zu bilden, immer kam das Falsche aus ihrem Mund. Sie lebte zurückgezogen, isoliert, ihrer Sprache beraubt. Wagner ging ganz sensibel vor, erkämpfte sich ihr Vertrauen. „Sie war dann ganz motiviert, hat immer geübt und konnte am Ende wieder sprechen.“ Ein tolles Gefühl, dieses Glück zu teilen.

Hintergrund

Wo?
Die Ausbildung zum Logopäden ist rein schulisch, also ohne Ausbildungsbetrieb. Allerdings absolviert der Lehrling verschie­dene Betriebspraktika. In Jena, Erfurt, Gera oder Suhl gibt es Logopädie­schulen. Mittlerweile gibt es ein entsprechendes Studium.

Was?
Zu den Hauptfächern gehören Logopädie, Phoniatrie einschließlich Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Audiologie /Pädaudio­logie, Neurologie / Psychologie sowie Berufs-, Gesetzes- und Staatsbürgerkunde.

Wie lange?
Die Ausbildung dauert drei Jahre.

Franziska Wagner
• ist 30 Jahre alt
• 2005 Abitur
• 2005 bis 2008 ­Ausbildung zur ­Logopädin in Suhl
• Berufserfahrung in ­einer Arnstädter Praxis, dann im Rudolstädter Krankenhaus
• nach der Elternzeit seit 2016 selbstständig Infos: <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.logopaedie-arnstadt.de/">www.logopaedie-arnstadt.de</a>.

Autor:

Michael Steinfeld aus Erfurt

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