Sachbeitrag zur aktuellen Fuchs-Attacke in Schmiedefeld

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Sachbeitrag zur Fuchs-Attacke in Schmiedefeld
Auch wenn ich mich bestimmt nicht als „Experte“ bezeichne - aber trotzdem zur Thematik über einen gewissen beruflichen Sachverstand mit praktischen Erfahrung verfüge, erlaube ich mir zur aktuellen Diskussion und Berichterstattung in den verschiedenen Medien über die Fuchs-Attacke in Schmiedefeld - einige realistische Anmerkungen zum Sachverhalt und einer eventuellen Tollwutinfektion - zu machen
In der sogenannten Neuzeit war die „Öffentlichkeit“ doch eher über Berichterstattungen solcher Tierseuchen und Erkrankungen wie Vogelgrippe und/oder BSE/TSE ( (Transmissible oder Bovine Spongiforme Ezephalopathien) beunruhigt. Insbesondere bei der TSE/BSE (Wiederkäuererkrankungen-Rinder/Schafe u.a.) werden durch pathologische Proteine (Abnorme Eiweiße) Symptome von Degenerationen des zentralen Nervensystems hervorgerufen. Dabei sind die äußerlichen bemerkbaren Symptome durchaus auch mit der Tollwutsymptomatik vergleichbar und unter ungünstigen Umständen auch auf den Menschen übertragbar.
Nach dem zweiten Weltkrieg nahm in Deutschland, besonders im Norden, die Tollwut erheblich unter dem Wildbestand zu, das hat damals dazu geführt, dass diese weitaus häufiger beim Wild als z.B. beim Hund oder anderen Haustieren zur Beobachtung gelangte. Besonders „heimgesucht wurden/werden bei Wildtieren Füchse und auch Dachse, die sich vorwiegend bei Beißereien in der sog. Ranzzeit (Fortpflanzung im Januar und Februar) gegenseitig infizierten. An Tollwut erkrankte Füchse hatten dann Kontakt mit anderen Haustieren oder auch mit Menschen und die Gefahr einer direkten Infektion war so gegeben.
Die Tollwut als Virus Erkrankung (Zoonose) war damals wie heute eine anzeigepflichtige Tierseuche und ist schon viel länger bekannt als die o.g. relativ neu endeckten Tiererkrankungen. Der Verdacht oder der Ausbruch der Krankheit sind unverzüglich der Gemeinde und insbesondere dem zuständigen Amtstierarzt mitzuteilen, der weitere Behörden informiert und gemeinsam notwendige Maßnahmen koordiniert. z.B. Einrichtung von Sperrbezirken und entsprechenden Maßnahmen in diesen Zonen–(siehe auch Bild DDR -Schild)
Bei einer charakteristisch verlaufenden Tollwut lassen sich eigentlich drei Krankheitsstadien unterscheiden, auch wenn diese oft sehr unterschiedlich verlaufen können!
1. Das Vorläuferstadium –hier beginnen Veränderungen im Wesen/ Verhalten der betroffenen Wild oder Haustiere –ungewöhnliches Fressverhalten - hier können sich schon bereits gewisse Lähmungserscheinungen bemerkbar machen - Angst vor Schlucken - auch zunehmender Speichelfluss.
2. Das Erregungsstadium –hier verstärken sich die vorher geschilderten Symptome und Verhaltensabnormalitäten- es können auch Fremdkörper aufgenommen werden und der Speichelfluss nimmt zu, indem sich auch eine größere Menge der Krankheitserreger/Vieren befinden-Tobsuchtanfälle wechseln sich mit depressiven Phasen ab- verstärkte Lähmungserscheinungen treten auf- auch Schlucklähmungen.

3. Das Lähmungsstadium –hier nehmen die Erregungszustände zu, aber auch die Lähmungserscheinungen -Schließlich ist das Tier nicht mehr fähig sich von seinem Lagerort zu erheben und verendet an der Kreislaufschwäche und/oder Atemlähmung. Diese Krankheitsphasen verlaufen selten über eine Woche eher nur drei bis vier Tage bis zum Verenden der Tiere, aber eben auch nicht immer kontinuierlich gleich.
Ein zuverlässiges Untersuchungsverfahren, mit dem sich die Tollwut bereits an den noch lebenden Tieren nachweisen lässt ist noch in der Forschung. Auch heute werden zwar mit verfeinerter Technik und Elektronen Mikroskopen zum Nachweis mit Gehirnuntersuchungen bestimmter Nervenzellen (Ammonshorn) und mit Einfärbungen eigenartige-spezifische Zelleinschlußkörper auftreten und zur Diagnose erkannt. Sicher ist aber bis heute gibt es keine Heilung, wenn die genannten Symptome und Verhaltensauffälligkeiten sowohl bei den Tieren als auch bei Menschen erst einmal aufgetreten sind!
Noch in den 70iger und 80ziger Jahren hatte ich während meiner beruflichen Tätigkeit im staatlichen Veterinärwesen der damaligen DDR und insbesondere bei meiner Anstellung beim Kreistierarzt noch relativ häufig mit Tollwutinfektionen von Haustieren aber auch mit Füchsen während meiner Einsätze zu tun. Hier mussten bei Verdacht die Tiere /Köpfe unmittelbar zu Untersuchung in die zuständigen Veterinär –Untersuchungsämter verbracht werden. Damals wurden koordiniert mit Veterinärämtern und Forstämtern und Jagdgenossenschaften noch „Fuchsbaubegasungen“ vorgenommen. „Den Tollwutviren“ haben aber die damaligen politische Konstellationen oder die Grenze zwischen Ost und West oder auch geschichtliche Zeitspannen „wenig Interessiert“.
Später wurden durch den Einsatz von Hubschraubern „auch behandelte /beimpfte „Köder“ abgeworfen um die Tollwut einzudämmen, was letztendlich auch deutliche Wirkung zeigte.
Trotz aller Vorsicht kam es dabei leider bei mir auch zu einem direkten Kontakt mit einem infizierten Tier und ich musste mich einer damals noch relativ komplizierten und aufwendigen Impfung unterziehen, die auch nicht ohne gesundheitliche Risiken war. Durch den aktuellen medizinischen Fortschritt sind solche Impfungen heutzutage wesentlich unkomplizierter und mit weniger Risiko behaftet.
Vom Eindringen der Tollwutviren in den Organismus infizierter Tiere und/oder auch Menschen bis zum Auftreten der ersten Krankheitssymptome (Inkubationszeit) verstreicht eine unterschiedliche Zeit –je nach Eintrittsort der Viren (Entfernung zum Hirn) Diese beträgt im Allgemeinen aber zwischen 2 -6 Wochen –es kann nach wissenschaftlichen Erkenntnissen aber auch mehrere Monate dauern. (Abhängig vom Eintrittsort der Infektion-Bissverletzung u.a.)
Wenn auch mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit (nach Erfahrung und der bekannten Symptomatik),ausgeschlossen werden kann, dass der Fuchs im aktuellen Vorfall im Kreis Schmiedefeld an Tollwut erkrankt ist , so kann zu dem Zeitpunkt kein einhundert-prozentiger Ausschluss einer Tollwut- Erkrankung des bestimmten Fuchses erfolgen.
Hier sollte unbedingt eine schnelle Arztentscheidung bei einem direkten Kontakt (Bissverletzung oder Körperkontakt) trotzdem immer eine zeitnahe Schutzimpfung der Betroffenen sein oder man hat ein rechtzeitiges Untersuchungsergebnis und man kann dann von einer Schutzimpfung absehen.
Deshalb kann ich die Diskussionen und Verzögerungs-Handlungen der Verantwortlichen überhaupt nicht nachvollziehen. Und Insbesondere dann, wenn noch kein Untersuchungsresultat des betroffenen Fuchses/Tieres vorliegt. Hier sollten die Verantwortlichen eigentlich in der Diskussion - Abschussgenehmigung-zur Diagnostik durch einen zuständigen, erfahrenen Förster/Jäger- mit entsprechenden Sicherungsmaßnahmen im bewohnten Gebieten und, dem des unberechenbaren Risikos, dem Einfangen mit einer Kastenfalle – Ihrer „Verantwortung“ zeitnah - wenn auch ohne „Hektik und Hysterie “ nachkommen!

Der letzte gemeldete Tollwutfall mit tödlichem Ausgang trat in Deutschland im Jahre 1996 auf. Es handelte sich um einen Mann aus Nordrhein-Westfalen, der in Sri Lanka von einem Hund gebissen wurde.
Deutschland gilt nach den Kriterien der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) seit
September 2008 als „frei von Tollwut“. Der Status „tollwutfrei“ wird anerkannt, wenn innerhalb der letzten zwei Jahre kein Tollwutfall bei Tier und Mensch aufgetreten
ist. (Hiervon ausgenommen sind aber Fledermäuse.)
Bei dem abnormalen Verhalten des betroffenen Fuchses von Schmiedefeld könnte es sich auch um eine Wirkung mit Folgeerscheinung im Verhalten durch einen hormonellen Überschuss, sowohl bei männlichen und weiblichen Tieren während der oben schon genannten Ranzzeit handeln (Jan/Februar/März) auch eine Hirnstaupeerkrankung kann man nicht ausschließen. Zudem könnte man auch eine Erkrankung an einen Hirntumor in Betracht ziehen. Aber man sollte sich nicht unbedingt an Spekulationen in der Öffentlichkeit beteiligen, sondern mit Sachverstand und Wissen unter den gegebenen Bedingungen und Möglichkeiten und ohne Aktionismus die „Angelegenheit“ zeitnah abklären.
Eckehard Dierbach (Plaue) eigene Bilder Warnschild und ein vermutlich kerngesunder Fuchs beim „Mäuseln“ aktuell beobachtet in der Nähe von Cursdorf bei Oberweissbach in Thür)
(Hier: einmal als (Dipl.) Veterinär.Ing –Tierwirt –beruf.. Hundesachverständiger)

Autor:

Eckehard Dierbach aus Arnstadt

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