Atemloses Mutterglück: Nadja Doroshenko trainiert Arnstädter Mütter in Rückbildung

Kanga-Trainerin Nadja Doroshenko (links) mit Demobaby Alex und einer Mutter mit echtem Baby.
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Arnstadt.

Als Nadja Doroshenko ihr Baby zum ersten Mal erblickt, glaubt sie ihren Augen nicht zu trauen: Statt des erwarteten Mädchens - das Donna heißen sollte - liegt ein pausbäckiger, sechs Kilo schwerer Junge im Karton. „Wie im wahren Leben“, denkt die sportliche Frau.

“Tausch ihn doch um!“, raten Nachbarn und Freunde. Doch Nadja Doroshenko entgegnet aufgebracht: „Würdet ihr euer Baby umtauschen? Ein Kind schickt man nicht weg!“ Auch wenn es - wie im vorliegenden Fall - aus Kunststoff statt aus Fleisch und Blut besteht. Und so begleitet eben Alex seine „Mutter“ zu den wöchentlichen Kanga-Unterrichtseinheiten in die Volkshochschule.
Im Ilm-Kreis wird seit einiger Zeit Indoor-Kangatraining angeboten. „Das ist praktisch, weil ich für diese Zeit keinen Babysitter brauche“, erzählt eine junge Frau, die ihr Kind aus Jacke und Jeanshöschen pellt. Außerdem werde das Kind in die Bewegungsabläufe integriert, eine intensive Bindung zur Mutter gefördert. Und eine gute Gleichgewichtsübung sei es auch, meint die Physiotherapeutin und zertifizierte Kanga-Trainerin Nadja Doroshenko. „Die Kinder sind später sozial kompetenter, weil sie meist mit zwei Monaten schon Gruppenerfahrung machen.“
Jünger als acht Wochen sind die Kinder in der Regel nicht. „Die Frauen dürfen Kanga nur trainieren, wenn der Arzt grünes Licht gibt“, erklärt Doroshenko. „Denn mit Zunahme des Gewichtes steigen die körperlichen Anforderungen an die Mütter.“ Eine Tatsache, von der sich der Betrachter eine Viertelstunde später überzeugen kann. Das Training beginnt locker mit Bodenübungen, die die Trainerin mit Demobaby Alex zeigt. Spätestens als die Kinder auf den Beinen der Mütter durch die Luft schwingen, fließt der erste Schweiß. Sobald die Kinder mittels Tragegestell auf Mutters Rücken geschnallt werden, schlafen die meisten ein. Die sanften Bewegungen zu Musik zaubern einen glücklichen Ausdruck auf die Gesichter.
“Das Ausdauertraining ist sehr hilfreich für Bauchmuskulatur und Beckenboden der Mütter“, sagt Nadja Doroshenko, deren Atemlosigkeit erst lange nach der der Mütter einsetzt. Wenn überhaupt.
Erfunden wurde Kanga von der ehemaligen Tänzerin und Dreifachmutter Nicole Pascher. Sie war Chieftrainerin und Managerin in New York und begann 2008, das spezielle Training zu entwickeln. Die Idee entstand, weil Paschers drittes Kind keine Lust hatte, seiner Mutter beim Fitnesstraining lediglich zuzusehen.

Zur Sache: Man unterscheidet Indoor- und Outdoor-Kanga. Bei der Studiovariante teilt man nochmals in Prekanga (vor der Geburt), Kangatraining (für junge Mütter) und Kangaburn (die Geburt liegt über ein Jahr zurück). Die Outdoorversion teilt sich in Reaktivkanga (Übungen für Brust, Bauch, Rücken, Gesäß und Beckenboden), Nordickanga (walken im Intervall mit Übungen) und Kangaonwheel (mit Kind im Kinderwagen).

Kurse bietet die VHS in Arnstadt, Stadtilm, Gräfenroda, Erfurt, Großbreitenbach und Ilmenau an. Tragetaschen für Kinder können zum Nulltarif ausgeliehen werden. Der Acht-Wochen-Kurs dauert jeweils eine Stunde. Eine teilweise Rückerstattung durch die Krankenkassen ist möglich. Kontakt: 03628/61070, E-Mail: anmeldung@vhs-arnstadt.de

Autor:

Jana Scheiding aus Arnstadt

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