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Skifahren im Winter kann jeder! Dieses Wochenende geht die Ruhlaer Sommerski-Elite wieder auf die Bretter

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Sommerski in Ruhla seit 14 Jahren und das 15. Mal steht unmittelbar bevor. Auf die Bretter gehen die Ruhlaer auch im Sommer - egal ob es regnet oder die Sonne scheint.
Sommerski in Ruhla seit 14 Jahren und das 15. Mal steht unmittelbar bevor. Auf die Bretter gehen die Ruhlaer auch im Sommer - egal ob es regnet oder die Sonne scheint. (Foto: Alle Fotos: privat / Frank Michel)
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An den Juni 2003 wird sich der Ruhlaer ­Carsten Göpel wohl ewig erinnern. Nicht nur, weil er am Vorletzten des Monats die Jugend an den Nagel hängte und sein 30. Wiegenfest feierte. Nein, vielmehr deshalb, weil etwas passierte, das in die Thüringer Event­geschichte eingehen sollte.

An die Situation ein paar Tage zuvor in Göpels Garage kann sich einer seiner besten Freunde – Frank Michel – noch gut erinnern. „Wir überlegten, was wir zu Carstens Geburtstag anstellen sollten. Zum 30. musste es schon etwas Verrücktes sein“, erzählt Michel und lacht. „Entweder im Winter ins Waldbad oder im Sommer Ski fahren – wir entschieden uns für letzteres.“
So nahmen die Dinge ihren Lauf. Die elf Freunde suchten auf ihren Dachböden nach alten Skiern und weil der Lauf durch das Städtchen nicht nur verrückt, sondern auch lustig sein sollte, erschien jeder in seiner Arbeitskluft.
Es war schönes Wetter und so liefen wir mit unseren Skiern vom Glasbachstein bis zur Ruhlaer Skihütte und von dort auf die ­Geißenalm“, erzählt Michel. Als der Wirt die lustige Parade zu Gesicht bekam, gefiel ihm das sehr gut und er versprach den Sommer­skifahrern in die Hand: „Wenn ihr das ­T­radition werden lasst, ­spendiere ich ein Fass Bier.“

Irgendwann sprengte das Fest den privaten Rahmen

Das Fass haben Göpel und seine Freunde bis zum heutigen Tag nicht eingelöst, aber zur Tradition ist der Sommerskilauf nach 14 Jahren tatsächlich geworden. „Eigentlich sollte es eine einmalige Sache im Freundes­kreis bleiben, aber ein Jahr später entschlossen wir uns, den Sommerskilauf zu wiederholen. Aus den ursprünglichen elf Läufern waren 39 geworden und ein Jahr später waren es über 60. Die letzen Jahre waren wir immer um die 100 Teilnehmer.“
Irgendwann sprengte das Event den privaten Charakter und die Ruhlaer Freizeitski-Elite beschloss 2006, einen Verein zu gründen – den Ruhlaer Sommerskiverein RSV 03. Natürlich konnten die Aprés-Ski-Partys nun nicht mehr in Göpels Garten stattfinden, sondern mussten in die Stadt verlegt werden. Die einstige Schnapsidee hatte inzwischen professionelle Züge angenommen, es gab feste Strecken und Pausenorte.
Mit den Skiern – alte DDR-Bretter der Marke „Germina“ eignen sich übrigens am besten – geht es durch Wald und Flur, über Stock und Stein. Da würden Hilfsmittel wie Rollen nur stören. „Auf Gras und Straßen­belag lässt es sich schon ganz gut laufen“, meint Frank Michel. „Nur Schotter und Wald­boden sind nicht so gut ­geeignet.“ In 14 Jahren gab es nur einen Unfall: Eine der Trockenskifahrerinnen hatte sich beim Stolpern über eine Wurzel ein Bein gebrochen.
Heute erscheint keiner der Teilnehmer mehr in seiner Arbeitskluft. „Die Leute sind in den Jahren immer kreativer geworden. Was wir nicht schon alles hier hatten: Bernd das Brot, Enten, die Gruppe Kiss. Einmal kamen Leute mit einem Streitwagen, der leider kurz vor dem Ziel auseinanderfiel“, weiß Michel, der vom Verein als Kontaktmann für die Medien auserkoren wurde.

Kreativität wird belohnt

Mediale Aufmerksamkeit bekommt das verrückte Event im Thüringer Westen jedes Jahr. „2015 wollten zwei Radioleute den Lauf unbedingt mitmachen. Es regnete in Strömen, aber sie hielten tapfer durch“, erinnert sich Frank Michel und erzählt, dass einige Läufer für die Übertragung mit Kameras verkabelt worden waren. Eine Gruppe von Leipzigern war im Internet auf die Parade aufmerksam geworden und reiste nach Ruhla. „Das waren begeisterte Skifahrer, aber im Sommer hatten sie noch nie auf Brettern gestanden“, erzählt Michel. „Mit ihrer Kostümierung gewannen sie sogar den Hauptpreis.“
Kreativität wird belohnt. Eine Jury vergibt Sponsorenpreise für die ausgefallensten Kostüme. Je nach Idee und Umsetzung können Sommerskifahrer Preise vom Kaffeegedeck bis zur Reise ins Karwendelgebirge gewinnen. Carsten Göpel, der inzwischen die 40 überschritten hat, wird sein Kostüm nicht ändern. Er ist und bleibt ein Weihnachtsmann.

15. Sommerskilauf in Ruhla:
• 23. Juni, 19 Uhr, ­Startnummernausgabe auf dem Markt gegenüber dem Rathaus;
• 24. Juni ab 12 Uhr ­Startnummernverkauf auf
der Häßlichswiese und 14 Uhr Start.
• Weitere Stationen: ­Krümme, Liesenberg, Waldbad, ­Innenstadt, Sprintrennen zum Festzelt, 18.30 Uhr Ankunft im Festzelt, 19 Uhr Siegerehrung, Aprés-Ski-Party.
• Kinder bis 18 Jahre können ­kostenfrei am Lauf teilnehmen.
• Informationen:
sommerski.michel-ruhla.de

Die Bildergalerie, die uns Frank Michel aus seinem privaten Archiv zur Verfügung stellte, zeigt Impressionen aus vergangenen Jahren.

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