Reihe der Montagsgespräche fortgesetzt
Vergänglichkeit, Tod und Ewigkeit in der Literatur

Seit einigen Jahren gehören zu den regelmäßigen Veranstaltungen der Ländlichen Heimvolkshochschule (LHVHS) Kloster Donndorf die Montagsgespräche. Diese Reihe wurde am 05. November durch Monika Scherer, Schulleiterin der LHVHS, fortgesetzt. Sie referierte zum Thema „Vergänglichkeit, Tod und Ewigkeit in der Literatur“. Jahreszeitlich passend – die Pflanzen welken und erwachen erst wieder im nächsten Jahr zu neuem Leben – verwob Scherer einen Streifzug durch die verschiedenen Literaturepochen mit Werken berühmter Dichter, die sich mit dem jeweiligen Zeitgeist einhergehend mit Themen rund um den Tod beschäftigten.
So konnten die Zuhörer beim Mittelalter beginnend einiges über das damals vorherrschende, auf Gott bezogene Weltbild erfahren, das von einem Bemühen um ein gottgefälliges Leben und damit dem garantierten Eintritt ins himmlische Reich beschäftigte. Vor allem die Malerei und auch die Architektur seien damals neben der Literatur Bereiche gewesen, die die kirchliche Lehre zu verbreiten suchten. In „Der Ackermann und der Tod“ von Johannes Tepl gäbe es eine erste Überlieferung, in der sich ein Mensch gegen den Tod auflehnt und damit Gottes Allmacht anklagt.
Nachdem sich das Weltbild während der Renaissance immer mehr dem Menschen zuwandte, besann man sich zunehmends der antiken römischen und griechischen Gedankengänge. Die Kirche hatte aufgrund von Ämterkauf und Korruption mit einem deutlichen Vertrauensverlust der Menschen zu kämpfen. Umweltkatastrophen und Krankheiten, gegen die die Kirche machtlos war, taten ihr Übriges. Auch das Vorankommen von Technik und Wissenschaft schufen den Boden für ein neues Selbstbewusstsein des je einzelnen Menschen. So ließ sich die „eine“ wahre Lehre nicht mehr als selbstverständlich verbreiten, sondern die Vorstellungen der Menschen von Vergänglichkeit, Tod und Ewigkeit differierten immer mehr voneinander.
Aufgrund der vorangegangenen Entwicklungen versuchte die katholische Kirche während der Zeit des Barock, ihre „Schäfchen“ wieder in ihren Schoß zurückzuholen. Durch den 30jährigen Krieg traten Fragen nach dem eigenen Überleben immer stärker in den Vordergrund. Die Literatur sei dabei vor allem von drei Motiven geprägt gewesen: „Carpe Diem“ (Genieße den Tag), „Memento Mori“ (Sei des Todes gewahr) und „Vanitas“ (Vergänglichkeit). Die Kirche schloss daraus für die Menschen den Schluss, dass allein die Zuwendung zum Glauben der richtige Weg wäre, um den Gegebenheiten zu begegnen.
Während die Aufklärung vor allem die Emanzipation des Denkens von kirchlichen Dogmen und die Nutzung des eigenen Verstands forderte, entwickelte sich demgegenüber die Strömung der Empfindsamkeit, die besonders die Gefühle betonte. Aus dieser heraus entstand der so genannte Sturm und Drang, dem unter anderem Goethe und Schiller anhingen. In den „Leiden des jungen Werthers“ findet die Auflehnung gegen starke Normen und der Selbstmord als letzte Möglichkeit, sich von ihnen zu lösen, ihren Ausdruck.
Hervorzuheben sei an dieser Stelle noch die Strömung des Vormärz, die den Tod als Thema auch politisch nutzt. Heine zum Beispiel gibt in seinen „Schlesischen Webern“ dem „falschen Vaterland“ die Schuld am Tod seiner Bürger. Der sich dieser Bewegung anschließende Realismus hatte das Ideal, den Tod – so wie alle anderen Themen – möglichst realistisch darzustellen.
Unter den Literaten des 20. Jahrhunderts sei als Letztes – und vielleicht als Fazit – Hermann Hesse zitiert, der die Meinung vertrat, dass jede Lebensstufe wie auch das Leben im Ganzen vergänglich sei, und folgenden Tipp für die Leser hat: „Wir sollen heiter Raum für Raum durchschreiten, an keinem wie an einer Heimat hängen.“

Zum nächsten Montagsgespräch lädt die LHVHS am 03. Dezember 2018 um 19.30 Uhr ein. Dabei referiert Dr. Eckard Schack (Pfarrer in Ruhe und ehemaliger Dozent der Universität Jena) zum Thema „Die Liebe führt in das verlorene Paradies. Marc Chagall in Wort und Bild“. Der Eintritt zum Montagsgespräch ist frei. Um eine Spende zur Unterstützung der Bildungsarbeit der LHVHS wird gebeten.

Pfarrer Helfried Maas (Pfarrer im Kirchspiel Wiehe und an der LHVHS)

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