Azubi-Wochen: Wenn Lehrlinge den Laden übernehmen

Die Rossmann-Filiale in Artern in Azubi-Hand: „Jetzt sind wir dran“, finden Julia Schröder (links), die als Marktleiterin agiert, und ihre Stellvertreterin Melanie Kohl. Zum Lehrlingsteam gehören auch Steffen Eger und Sebastian Hoyer.
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  • Die Rossmann-Filiale in Artern in Azubi-Hand: „Jetzt sind wir dran“, finden Julia Schröder (links), die als Marktleiterin agiert, und ihre Stellvertreterin Melanie Kohl. Zum Lehrlingsteam gehören auch Steffen Eger und Sebastian Hoyer.
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Chefin für zwei Wochen: Eigentlich steckt Julia Schröder noch in der Ausbildung, doch während der „Azubi-Wochen“ führt sie in Artern den Rossmann-Markt.

Die Abschlussprüfungen an der Berufsschule starten erst im Mai. Also kein Grund zur ­Panik. Dass Julia ­Schröder dennoch eine gewisse Auf­regung verspürt, hat einen ganz anderen Grund. Während der Azubiwochen (13. bis 25. März 2017),  die die Drogeriemarktkette ­Rossmann alljährlich veranstaltet, betreiben die Lehrlinge eine Filiale komplett in Eigen­regie. Und hier in Artern ist sie die Chefin auf Zeit.

Selbst noch Lernende im dritten Lehrjahr, kümmert sich die 20-Jährige zwei Wochen lang darum, dass der Laden läuft. „Kassieren, Ware einräumen, Regale pflegen – die Aufgaben müssen klar verteilt werden“, sagt sie und plant, ­koordiniert, kon­trolliert. Immerhin trägt sie Verantwortung für 25 Auszubildende. So viel wirbeln normalerweise nicht in einem einzigen Markt umher. Doch von den 52 ­Filialen, die sich bundesweit an der Aktion beteiligen, befinden sich nur zwei in Thüringen: in Artern und in Kahla. Daher kommen die angehenden Einzelhandelskaufleute auch aus anderen Arbeits­orten, um dabei zu sein.

Julia Schröder selbst bedient sonst Kunden in Bad Langensalza. Ihre Stellvertreterin Melanie Kohl, Azubi im 2. Lehrjahr, ist eigens aus ­Leinefelde angereist. „Die beiden agieren schon sehr umsichtig und gewissenhaft“, lobt Ausbilder Frank Gothe, der sich bewusst im Hintergrund hält. Schließlich sollen die jungen Nachwuchskräfte miteinander und vonein­ander lernen.

Schon nach den ersten Tagen als Chefin sieht Julia Schröder die Arbeit ihrer gestandenen Kollegen mit anderen Augen. „Der Kopf ist voll. Es sind so viele Dinge, an die man gleichzeitig denken muss.“ Unvorstellbar, wenn sie zum Beispiel vergessen würde, das Wechselgeld zu bestellen. Die Probleme an der Kasse wären vorprogrammiert.

Sie kennt das Sortiment aus ihrem Lehrlingsalltag, weiß, wie man Kunden berät. Jetzt muss sie zudem die Arbeitsabläufe organisieren und – als wohl schwierigste Aufgabe – ihre Mitarbeiter führen. „Wir sind alle Azubis, alle in einem Alter, das ist nicht so leicht“, gesteht sich Julia Schröder ein. „Durchsetzungskraft ist etwas, was man lernen muss.“ Sie will es lernen. Denn nach den Azubi-Wochen, die am 25. März zu Ende gehen, steht für sie fest: „Verantwortung zu übernehmen ist anstrengend, macht aber auch riesigen Spaß.“ Sie kann sich einen solchen Karriereweg vorstellen.

Die Rossmann-Filiale in Artern in Azubi-Hand: „Jetzt sind wir dran“, finden Julia Schröder (links), die als Marktleiterin agiert, und ihre Stellvertreterin Melanie Kohl. Zum Lehrlingsteam gehören auch Steffen Eger und Sebastian Hoyer.
Azubis des 1. bis 3. Lehrjahres aus mehreren Filialen der Region arbeiten als Team zusammen und lernen sich erst während der zwei gemeinsamen Arbeitswochen besser kennen.
Autor:

Sibylle Klepzig aus Nordhausen

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