Erinnerungsstück oder Haushaltsmüll

roter Hut auf schwarzer Abfalltonne

Das traurige Ende des roten Hutes
Einst, damals trugen die Berliner Enkelmänner noch Kinderschuhe, dekorierten sie ein Mitbringsel mit einem Werbegeschenk für JÄGERMEISTER, mit einem knallroten Hut. Schwiegertochter meinte erklärend, Opa könne ihn bei der Gartenarbeit tragen. Dazu war der Hut gut. Er passte, hatte eine breite Krempe als Sonnenschutz, leuchtete zwischen Grün. Ab mit dem roten Hut in den Garten. Anfangs saß er wie ein Signal auf Opas Kopf. Später hing das rote Ding irreführend an Baum oder Strauch, schließlich ungenutzt im Gerätehaus.
Ich erlöste das gute Stück aus dem Winterschlaf, trug den roten Hut zum schwarzen T-Shirt einige Jahre am Rosenmontag beim Sport. Zwischendurch durfte er den ausrangierten Küchenschrank auf dem Schuppen zieren. Das Knallrot verblich zu Orangerot. Als nach Jahrzehnten der Geraer Enkelmann und seine Liebste sich den Schrank zum Aufmöbeln erkoren, bekam der Hut einen neuen Platz, hing ungenutzt an einem rostigen Nagel.
Durch Abwanderung des Küchenschrank-Stauraumes wurde eine gewisse Krempelwirtschaft, ein Zuviel an altem Kram unübersehbar. Ich beschloss, den Schuppen zu entrümpeln. Dazu wollte ich die 14tägige Hausmüllabfuhr nutzen. Gleich mein erster Versuch misslang. „Der Hut gehört nicht in die Tonne“, protestierte mein Guter. Ich entsorgte stattdessen anderes Gerümpel, ließ Zeit verstreichen. Eines schönen Tages knüllte ich den roten Hut zusammen, warf das Hutknäuel in die Tonne und schüttete den Inhalt des Abfalleimers darüber. „Verschwunden“, dachte ich.
Nach Tagen lag der Rote unversehrt auf dem Arbeitstisch unterm Schuppen, schien mich anzugrinsen: „Wusstest du nicht, dass ich unverwüstlich bin?!“ Sollte ich wüten oder lachen?
Den heimkehrenden Obergärtner fragte ich: „Was soll der Quatsch? Keiner trägt den Hut. Wir haben seit Jahren Strohhüte. Keiner weiß, welches Mitbringsel das rote Ding einst zierte. Die Enkelkinder sind zu Männern herangewachsen. Schwiegertochter und Sohn haben sich getrennt. Diesen roten Hut benötigen wir nicht als Erinnerungshilfe an längst Vergangenes. Das besorgen unsere Enkel, die beiden Prachtkerle. Also warum mit dem Hut nicht ab in die Tonne?“
Kurz war seine Antwort: „Du musst den Draht in der Hutkrempe zerschneiden.“

Autor:

Hannelore Grünler aus Artern

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