Teure Heimat / Luises Biografie, 6. Teil

Wo lebt Luise?

Witwe Luise Wolny
Erich Wolny, der Vater meiner beiden Kinder, war Jahrgang 1912. Er verstarb nach langer, schwerer Krankheit am 23. 7. 1968. So wurde ich schon mit 51 Jahren Witwe, lebte allein in meinem Häuschen, war aber nicht einsam. Ich hatte ja Arbeitskollegen, Bekannte und auch eine Freundin. Später als Rentnerin erfreute ich mich an meinem Garten, aber in den Wintermonaten war ich viel unterwegs.
Ich besuchte meine Tochter in Elgersburg. Wochenweise war ich bei meiner Schwester in Spremberg. Auch nach Dresden zur Familie meines Sohnes fuhr ich. Doch er als Polier auf dem Bau und Schwiegertochter als Verkäuferin hatten unregelmäßige und lange Arbeitszeiten. Ich hatte meine Freude am Enkel, weilte aber am liebsten bei meiner Tochter Erika.
Im vorgerückten Alter machten sie und ihr Lebenspartner mein Haus winterfest. Viele Winter verbrachte ich bei ihnen in Wiehe. Sie kümmerten sich auch die übrige Zeit des Jahres gut um mich, mein Haus und meinen Garten. So konnte ich lange Zeit in gewohnter Umgebung bleiben.
Erika und Benno sorgten sich um meine Sicherheit. Da sie die große Entfernung von Wiehe in Thüringen nach Rademin bei Salzwedel nicht im Handumdrehen überwinden konnten, besorgte mir Erika über das Rote Kreuz einen Pieper mit großer Reichweite. Den musste ich immer bei mir tragen. Bei meiner Nachbarin lag stets ein Schlüssel bereit. Die Station des Roten Kreuzes ist in Magdeburg. Von hier wird der Einsatz der Hilfskräfte organisiert. So erhielt ich im Notfall schnell Hilfe. Beide kamen aber trotzdem so bald wie möglich angedüst.
Gut abgesichert, konnte ich nach eigenem Willen möglichst lang selbständig leben. Erst vor fünf Jahren siedelte ich ganz nach Wiehe um. Da ich im Mai 1998 mein Haus als Eigentum übertragen bekommen hatte, durfte ich es verkaufen. Gemeinsam mit der Familie löste ich meinen Haushalt auf, verkaufte mein Haus. Jeder bekam seinen Anteil. Das verbleibende Geld steckte ich in meine neue kleine Wohnung in Wiehe.
Für mich wurde das Wohnrecht auf Lebenszeit im Haus in Rademin in Hauseigentum umgewandelt, das heißt ich durfte mein Häuschen vererben oder verkaufen, wie ich es tat. Wie alle Vertriebenen der Bundesrepublik in den alten Bundesländern schon früher, so erhielten auch Alfred und Erika im März 1999 einmalig je 4000 Euro Vertriebenengeld.

Autor:

Hannelore Grünler aus Artern

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