Schortens: Die Verantwortlichen in Schortens haben aus der Vergangenheit nichts gelernt.

Wenn Björn Höcke von der AFD Betroffenheit über die Ereignisse in Halle äußert, dann hat das Gott sei Dank die Mehrheit der Kommentatoren im Internet als Heuchelei erkannt und empfindet es als widerlich. In Schortens haben Bürger und Politiker kein Problem, auch weiterhin eine Straße wie die frühere SS-Organisation Lebensborn zu benennen, obwohl die verstorbene Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Oldenburg, Frau Sara-Ruth Schumann, der frühere Pastor der Gemeinde Schortens, Gerhard Küsel und die bekannte Autorin Dorothee Schmitz-Köster diesen Namen für so "verbrannt" bezeichnet haben, dass es für die Verwendung des Begriffs "Lebensborn" keine Rechtfertigung geben kann.

Pastor Gerhard Küsel hat zu seinem Abschied von der Gemeinde Schortens sein Unverständnis gegenüber der NWZ so ausgedrückt:

"Bis zuletzt hatte ich darauf vertraut, dass die Lokalpolitik eine Entscheidung treffen würde, die auch vor geschichtlichen Ereignissen Bestand haben kann“, so Küsel. Er verstehe, dass Rücksicht auf Gefühle von Anwohnern genommen werde. Aber Entscheidungsträger in einer Stadt wie Schortens lebten innerhalb eines Gesamtgefüges und da dürfe man erwarten, dass es auch übergeordnete Kriterien für Entscheidungen gebe.

Küsel räumt ein, dass auch er lange mit dem Straßennamen gelebt habe, ohne darüber nachzudenken. „Ein Anstoß von Außen war dazu nötig. Der Respekt vor den Leiden der heute noch lebenden Kinder des Nazi-„Lebensborn“ hätte eine andere Entscheidung angesichts der Geschichte verdient, so Küsel."

Küsel kann nicht verstehen, dass die Politik mit der "NIE WIEDER-VERGANGENHEIT so umgeht.

Sarah-Ruth Schumann stellte bei der Bürgerversammlung fest:

Sara-Ruth Schumann hatte eingangs einen historischen Abriss über die „germanische Rassenzüchtung“ unter der SS-Organisation „Lebensborn“ gegeben und klargestellt, dass sie natürlich einer Beibehaltung des Straßennamens überhaupt nicht zustimmen könne. „Doch mein Votum ist nicht maßgebend“, so Schumann, „vielmehr müssen die Bürger sich die Frage beantworten, ob sie heute mit einem derart belasteten Namen leben wollen.“

Auch wenn der Straßenname auf ei­ne dort um das Jahr 1900 ansässige Gartenbaukolonie zurückgehe: „Lebensborn“ sei ein durch die Nazis „verbranntes Wort, das nur negativ besetzt sei und immer falsche Assoziationen wecke", sagte Schumann. „Da genügt auch kein Hinweisschild.“

Zahlreiche Politiker und Persönlichkeiten haben sich in den letzten Tagen zu den Ereignissen in Halle geäußert und festgestellt, dass es nicht genügt, sich allein auf bessere Sicherheitsmaßnahmen zu fokussieren, sondern das schon früh und ausführlicher in Schulen und geeigneten Foren die Auseinandersetzung mit dem Rechtsradikalismus gesucht und aufgeklärt werden muss. Leichtfertiges Tolerieren von negativen Äußerungen über Ausländer, Schwule, Migranten, Juden, usw. und Hasstiraden im Internet müssten ernsthafter verfolgt und bestraft werden.

Wenn aber der Bürgermeister von Schortens Gerhard Böhling, seine Gefolgschaft und uneinsichtige Bürger meinen, mit einem kleinem Schild unter dem Straßennamen "Lebensborner Weg" der SS-Vergangenheit Genüge getan zu haben, dann sind sie es, die eine Mitschuld daran haben, wenn rechtsradikale Äußerungen heute wieder als Bagatelle abgetan werden.

NIE WIEDER erfordert eine andere Einstellung.

Passieren Ereignisse wie in Halle, dann sind es als erste die Sonntagsredner wie die Schortenser Politiker, die Betroffenheit äußern. Ihre angebliche Betroffenheit ist reine Heuchelei.

Nicht anders kann man auch das Verhalten von Pastor Volker Landig einordnen, der sich gerne in den Medien als Aufarbeiter der Nazi-Vergangenheit darstellt und im Zusammenhang mit Halle von einem Weckruf spricht.

LINK:
https://www.wzonline.de/nachrichten/aktuelles/artikel/das-sollte-uns-allen-als-weckruf-gelten.html

Offensichtlich sind Pastor Landig anders als Pastor Küsel die vielen Kinder des Lebensborns egal, die wenn sie nicht ohnehin wegen arischer Defizite in Konzentrationslagern umgebracht wurden oder heute noch ihre Identität suchen. Pastor Landig sollte sein Amt aufgeben oder, denn ihm fehlt nicht nur intellektuelle Kompetenz, sondern auch Moral und Anstand.

Wie hatte Herr Schwitters von Heimatverein noch so schön in einer E-Mail an den Autor formuliert:

"Wi Schörtensers laat uns oll historisch Naams nich dör den Schiet trecken, nich van een GröFaZ ut Östriek, nich van Schmeerfinken un ok nich van Hör."

Den Gartenbauverein Lebensborn von Anfang 1900 kannte so gut wie niemand. Nicht einmal Herr Schwitters vom Heimatverein konnte dem Autoren genaue Angaben dazu machen. Das sich der Gartenbauverein "Lebensborn" sofort in die nationalsozialistische Gewerkschaftordnung eingliedern ließ, war auch kein Hindernis für die Schortenser Politiker, einen völlig verbrannten Namen für die Benennung einer Straße erst Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur zu verwenden. Wenn Herr Böhling behauptet, dass dieser Weg auch schon vor der NS-Diktatur so geheißen habe, dann sollte er vielleicht einmal in den Archiven in Varel nachschauen.

Weiter so

Autor:

Bernd Wehage aus Weimar

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