Auf seinem Internetblog zeigt Mark Komiskey die Vielfalt des Thüringer Lebensmittelhandwerks der ganzen Welt
Von Tomah in Wisconsin (USA) nach Thüringen

Der US-Amerikaner Mark Komiskey hat in Thüringen viel gelernt und ist von der Offenheit der hiesigen Handwerksbetriebe und -meister tief beeindruckt.
  • Der US-Amerikaner Mark Komiskey hat in Thüringen viel gelernt und ist von der Offenheit der hiesigen Handwerksbetriebe und -meister tief beeindruckt.
  • Foto: privat / HWK Erfurt
  • hochgeladen von Daniel Dreckmann

Der ehemalige Versicherungsmathematiker Mark Komiskey (37), aufgewachsen auf einem Bauernhof in Tomah in Wisconsin (USA), machte sich 2017 auf eine Abenteuerreise in die Welt der traditionellen, handgefertigten Produkte, der guten Lebensmittel und der faszinierenden Menschen – nach Thüringen. Auf seinem Internetblog (www.fermentician.com) dokumentiert er seine Einblicke. Er berichtet über die spannende Welt der Thüringer Bäcker, Fleischer, Brauereibetriebe und Käsereien aus Sicht eines Landesfremden.

Was hat Sie 2017 dazu bewegt, als ehemaliger Versicherungsmathematiker nach Deutschland – speziell nach Thüringen – zu kommen?
Der Beruf Versicherungsmathematiker gefiel mir gut. In diesem Beruf hatte ich acht Jahre in Chicago, sechs Monate in Belfast und vier Jahre in San Francisco gearbeitet. 2014 in San Francisco bei der Firmenweihnachtsfeier sagte der CEO in seiner Rede, „ich danke euch; wir sind immer näher daran, meinen Traum zu erfüllen.“ In diesem Moment wusste ich, dass es für mich Zeit wird, einen neuen Weg einzuschlagen. Ich hatte zu lange meine Zeit „verkauft“ und wollte jetzt meinen eigenen Traum erfüllen.
In den folgenden zwei Jahren entwickelte ich meine Geschäftsidee, nämlich eine Hobbyschule im Midwest zu eröffnen.
Ich hatte schon lange zuhause selbst Bier gebraut, Käse hergestellt und Brot gebacken. Aber ich wollte mehr als nur ein Bastler sein, ich musste mir einen Hintergrund aufbauen. Weil ich Deutsch als Nebenfach an der Uni studierte und meine Deutschlehrerin in der High School ursprünglich aus Tambach-Dietharz kam, zog ich im Januar 2017 aus San Francisco nach Tambach-Dietharz, um Erfahrungen zu sammeln.

Und welche Stationen haben Sie bislang durchlaufen?
Meine Reise durch Thüringen fing in Tambach als Bäckerpraktikant an. Durch die Kontakte dort hatte ich die Möglichkeit, in Mechterstädt und Waltershausen jeweils ein Fleischerpraktikum zu machen.
Bis jetzt besuchte ich sechs Bäckereien und sammelte dort 24 Monate lang Erfahrungen, zwei Fleischereien besuchte ich für vier Monate, zwei Käsereien für drei Monate, und einen Monat verbrachte ich bei einer Brauerei. Es waren alles Thüringer Handwerksbetriebe.
Ich wurde dieses Jahr Bäckermeister und suchte daraufhin spezifische Erfahrungen bei Bäckereien, wie zum Beispiel mit dem Holzbackofen in Waltershausen und glutenfreiem Backen in Glauchau.
Ich habe aber noch viel vor, zum Beispiel weitere Praktika in Käsereien und als Brauer absolvieren.
Interessanterweise bekam ich Angebote von anderen Handwerksbereichen, die ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten weitergeben möchten. Obwohl sie nicht genau zu meinen Zielen passen, möchte ich es am Ende nicht bereuen, eine Möglichkeit verpasst zu haben. Deshalb freue ich mich schon auf Praktika als Tischler, Mälzer und Schmied.

Was gefällt Ihnen gut im Thüringer Handwerk?

Was mir am besten gefällt im Thüringer Handwerk ist die Offenheit, Tricks und Tipps mitzuteilen. Ich habe immer tausende Fragen und die Handwerker nehmen sich die Zeit, um alles zu erklären. Durch ihre Bereitschaft zum Austausch gibt es nun aber auch Peanutbuttercremetorten von der Konditorei am Rathaus Trautmann in Artern und in Zukunft auch Milk Stout vom Heimathafen in Erfurt.

An welche Besonderheiten in Deutschland/Thüringen mussten Sie sich erst gewöhnen? Womit hatten Sie Schwierigkeiten?
Die Sprache. Nicht nur, dass „die deutsche Sprache eine schwere Sprache“ ist – Thüringisch ist kein Hochdeutsch. Erst nach drei Monaten verstand ich zum Beispiel was man mit „freilich“ meint. Danach lernte ich, wie man in einem „Schaffen“ brät, was „Gelumba“ ist und was man meint, wenn etwas „ein‘ Bahn frei“ („einwandfrei“) ist.
Der Wechsel vom beredsamen Geschäftsleiter zu jemandem mit beschränktem Wortschatz war eine riesige Herausforderung. Mit meinen vielen Fragen bleibt die Sprache meine größte „Behinderung“, gelle?

Wie lang wollen Sie noch in Deutschland bleiben?
Mein ursprünglicher Plan war, vier Jahre Erfahrungen zu sammeln. Nun habe ich schon Praktika bis Februar 2020 geplant.
Als Bäckermeister habe ich auch die Möglichkeit, mich selbstständig zu machen. Ich bin so dankbar für die Möglichkeit bei so vielen Betrieben zu lernen, dass ich die Eröffnung einer Craft Bakery in Erfurt erwäge. Damit könnte ich Thüringen etwas zurückgeben und den Handwerksbetrieben, bei denen ich viel gelernt habe, Ehre erweisen.
Meine Abenteuer sind noch nicht zu Ende.

Und welche Erfahrungen werden Sie vor allem mit nach Hause nehmen?
Im Gegensatz zu einem Urlaub habe ich auf dieser Reise die Möglichkeit, Menschen sehr gut kennenzulernen. So lernte ich Leute kennen, die ganz andere Weltanschauungen, Geschichten und Ziele haben. Durch sie lernte ich Winnetou kennen, und wie man Klöße herstellt.
Die Menschen hier sind unverwüstlich und einfallsreich. Ich nehme die individuellen Geschichten der Thüringer Handwerker mit nach Hause.

Interview: HWK Erfurt

Autor:

Daniel Dreckmann aus Zeulenroda-Triebes

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