Am Samstag wird in Bittstädt ein Lauf zur Deutschen Meisterschaft der Seifenkisten ausgetragen
Mit Tempo 60 ohne Motor die Straße runter

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Sie brauchen unbedingt eine gute Lenkung und eine noch bessere Bremse sowie eine funktionierende Hupe. Anders werden Seifenkisten heute nicht zu Rennen zugelassen. Das ist fast schon alles, was bei dieser Gaudi-Sportart klar geregelt ist. Ach ja, das Gewicht spielt auch eine Rolle, denn es gibt verschiedene Klassen. Alles andere ist Geschmacksache und erlaubt ist fast alles, was gefällt. Auch wenn es Menschen wie Jürgen Ludwig aus Klettbach gibt, die ihren "Sport" mit Hingabe nachgehen. Denn obwohl bei den meisten Seifenkisten-Bauern und -Fahrern der Spaß im Vordergrund steht, wird gefochten und gekämpft um jeden Meter und jede Sekunde.

"Gewinnen möchte natürlich Jeder", sagt der fast 78-Jährige, der erst am vergangenen Wochenende das Seifenkistenrennen "Cool Runnings" im fränkischen Altershausen für sich und seinen "Erfurter Blitz" entscheiden konnte. Der rüstige Senior hat mit seinem blauen Renner schon so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Und natürlich war er auch schon Deutscher Meister und will genau das auch 2017 wieder werden, weshalb er an Samstag in Bittstädt sich ebenfalls die steile Straße herunterstürzt.

Im Jahre 1904 wurden in Deutschland die ersten Wettfahrten mit
selbstgebauten Kinderautomobilen für Kinder veranstaltet. Zur damaligen
Zeit wurden noch Rennwagen so naturgetreu wie möglich in Miniaturformat
nachgebaut. Völlig unabhängig von diesen früheren Rennen, entwickelte
sich später der Seifenkistenrennsport. Der Zeitungsfotograf Myron E.
Scott von der Daily News in Dayton, Ohio fotografierte 1933 Jugendliche
die Kinderautomobile bastelten. Dabei ist ihn aufgefallen das die
Jugendlichen hölzerne Verpackungskisten, in denen Firmen Seifenmittel
und Käse an den Einzelhandel lieferten. Daraus hat sich der Name
Seifenkiste (engl. Soapbox) entwickelt. Zum Einsatz kamen aber auch Kinderwagen, Blechwannen und Ähnliches.

Seifenkistenrennen werden an abschüssigen Strecken allein durch die Hangabtiebskraft bewegt. In der heutigen Zeit wird im Seifenkistenrennsport die Deutsche Meisterschaft, die Europäische Meisterschaft und die
Weltmeisterschaft ausgefahren. Aber auch die regionalen Rennen mit ihren
skurrilen Fahrzeugen sind sehr interessant ujnd immer wieder ein besonderer Gaudi für die Besucher. Dem Ideenreichtum beim Bau einer solchen Kiste sind kaum Grenzen gesetzt.

Am kommenden Samstag, 16. September, wird wieder ein solches Rennen ausgefahren: Der 1. Thüringer-Bratwurst-Cup, organisiert vom 1. Deutschen Bratwurstmuseum in Holzhausen. Los geht es am Lindenbaum in Bittstädt. Auf einer Streckenlänge von 650 m und einem Gefälle von um die 10 % bekommen die Kisten ein ordentliches Tempo. Da kann die eine oder andere Fahrt schon einmal im Begrenzungsstroh enden, zur Freude der sicher wieder vielen Zuschauer, die sich auf tolle Fahrzeuge freuen können, erst recht die, die im  "Hans-Wurst-Cup" starten.

Übrigens, an diesem Rennen kann jeder teilnehmen. Also ran an die Kiste und/oder ran an die Strecke und Spaß haben.

Autor:

Uwe-Jens Igel aus Gotha

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