Mit der Kamera auf der Wartburg
Eine fotografische Eroberung

In der Ausstellung: Atelierkamera von Ferdinand Franz Meyer, Dresden, um 1900
6Bilder
  • In der Ausstellung: Atelierkamera von Ferdinand Franz Meyer, Dresden, um 1900
  • Foto: Wolfgang Rewicki
  • hochgeladen von Wolfgang Rewicki

Übertreibt man, wenn man behauptet, die Wartburg sei die meistfotografierte deutsche Burg? Sicher nicht. Immerhin ist die hoch über Eisenach gelegene imposante Burg der Minnesänger, der Elisabeth von Thüringen sowie des Reformators Martin Luther seit nunmehr 165 Jahren ein veritables Fotomotiv.

Die Geschichte der Wartburgfotografie beginnt im Jahre 1855, als der damals 37-jährige Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach die ersten Lichtbilder der Burg anfertigen lässt. Dieses noch recht junge Bildgebungsverfahren – rund ein Vierteljahrhundert nach dessen Erfindung – schien ihm wohl bestens geeignet zu sein, den Stand der Wiederherstellungsarbeiten an der Burg seiner Ahnen dokumentieren zu lassen und für die Nachwelt festzuhalten.

Die diesjährige Sonderausstellung „Objektiv – Die Wartburg im Spiegel der Fotografien des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts“, welche noch bis zum 31. Oktober zu sehen ist, widmet sich also dem Thema Fotografie und Fotografien rund um die Burg. In der Werkschau wird zudem die Entwicklung der Fotografie von den „Kinderschuhen“ in Form einer nachgebauten Camera obscura über stereoskopische Aufnahmen bis hin zu den ersten farbfotografischen Arbeiten im frühen 20. Jahrhundert dokumentiert.

Die historischen Fotodokumente erzählen anschaulich vom Alltag auf der Wartburg, insbesondere über ihren Wiederaufbau seit 1853 und einzelne Bauabschnitte. Sie geben desgleichen Auskunft über diverse Festivitäten wie etwa Jagdvergnügen, Kaiserbesuche, Kostümfeste und ähnliche Anlässe. Haben sich Bedienstete vom Burghauptmann Hans Lucas von Cranach in historischen Kostümen ablichten lassen, kann der Betrachter recht leicht nachvollziehen, dass das sprichwörtliche „Kind im Manne“ auch auf dieser Burg ein fröhliches Zuhause hatte. Befremdlich wirken mag hingegen heutzutage eine Aufnahme von zahllosen Hirschgeweihen, die im Festsaal aufgereiht am Boden liegend präsentiert werden. Auch mit Einblicken in seine privaten Gemächer überrascht der Großherzog. Den weltoffenen Monarchen sehen wir im Kreise seiner Familie und Gefolgschaft, abgelichtet auf seinen zahlreichen Besitztümern, am Schreibtisch arbeitend oder recht entspannt sich auf einer Liege im Wilhelmsthaler Park erholend.

Ziemlich bald nach ihrer Erfindung fuhren – wen wundert’s? – die ersten Automobile bergan. Gerade diese Fotografien sind wegweisende Zeugnisse des Beginns einer bis heute andauernden engen Verbindung zwischen Burg und der ihr zu Füßen liegenden Auto-Stadt.

Es ist zweifellos das Verdienst der Kuratorin Grit Jacobs, in einer Zeit, da Fotos für jedermann leicht herstellbare und kaum mehr haptisch wahrnehmbare Massenprodukte geworden sind, die Anfänge dieses modernen Mediums so umfassend und konkret an einem lokalen Beispiel zu verdeutlichen.

Die Sonderausstellung kann bis 31. Oktober 2019 täglich von 8.30 bis 17 Uhr besucht werden. Zur Ausstellung ist der Begleitband „OBJEKTIV!? – Die Wartburg im Spiegel der Fotografien des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts“ erschienen (hrsg. von Grit Jacobs, 200 Seiten, 154 Abbildungen, 15 Euro).
Internet: www.wartburg.de

Autor:

Wolfgang Rewicki aus Eisenach

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.