Kinder- und Jugendhospiz Mitteldeutschland in Tambach-Dietharz
Eine 19-Jährige erzählt, wie sie ihr Praktikum erlebt hat

Michelle Halder, 19 Jahre, Kittelsthal

Kittelsthal/Tambach-Dietharz. Die junge Frau aus einem Ortsteil von Ruhla absolvierte einen Monat lang ein Praktikum im Kinder- und Jugendhospiz Mitteldeutschland in Tambach-Dietharz. Sie bleibt dem Kinderhospiz auch nach dieser Zeit als ehrenamtliche Helferin erhalten. Das ist nicht nur für die Kinder gut, sondern auch für sie selbst, wie sie berichtet. Denn sie mag die Gemeinschaft, den Umgang mit Gästen und Kollegen und das Gefühl, etwas Gutes bewirken zu können. Später will die 19-Jährige Sozialpädagogik studieren.

Wie kam es zu dem freiwilligen Engagement hier im Kinderhospiz?

Meine Eltern haben früher bereits für das Kinderhospiz gespendet und ich wollte wissen, was hier Tag für Tag passiert und stellte mir die Frage, wohin die ganzen Spenden fließen würden, doch kaum einen meiner Gedanken konnte ich mir beantworten. Ich entschloss mich, es mir selbst anzuschauen. Ich möchte nicht mit dem Thema abschließen, indem ich sage, dass ich das nicht könnte und wollte mich auf die Reise begeben, Familien zu begleiten und schwerkranke Kinder zu pflegen. Außerdem wusste ich schon seitdem ich klein war, dass ich in die soziale Richtung gehen möchte, weshalb es in meinen Augen richtig ist, sich alle Bereiche mal anzuschauen.

Wie war der erste Tag?
Der erste Tag war extrem aufregend, mein Bild hat sich komplett verändert, ich wusste vorher keine konkreten Details über das Kinderhospiz. Dann kam der Moment, an dem ich vor dem Haus stand: Was sage ich, wie verhalte ich mich? Später habe ich vermutlich drei Millionen Fragen gestellt. In meiner Vorstellung war dieses Bild, dass ich hier vor allem auf Kinder treffe, die gerade im Sterben liegen. Darauf habe ich mich gedanklich vorbereitet. Und, dass es hier schwere Situationen, die mich sehr berühren werden, für mich geben wird, weshalb ich vor Dienstbeginn gesagt hatte, dass ich unter Umständen zwischendurch mal raus muss. Aber dazu kam es dann nicht.

Was hat Sie besonders beeindruckt?
Vieles, die Stärke der Eltern beispielsweise, wie sich die Pfleger liebevoll um die Kinder kümmern und wie auch die Geschwister betreut werden. Ich wusste gar nicht, dass Eltern, Brüder und Schwestern mit hierherkommen können. Ihnen wird ein ausgiebiges Programm geboten, unter anderem Alpaka-Touren. Außerdem haben wir mit den Kindern gebastelt, wir haben mit den Fingern gemalt oder sind auf den Spielplatz gegangen. Besonders beeindruckte mich jedoch das Miteinander, die Absprache untereinander, das Gemeinschaftsgefühl und die Herzlichkeit. Man ist dankbar für alles, was für an Hilfe angeboten wird.

Was nehmen Sie für sich persönlich mit aus diesem Praktikum?

Ich habe für mich selbst mehr Lebensfreude gefunden, ich bin extrem gerne hier in Tambach-Dietharz. Ich möchte außerdem andere Leute motivieren, hierher zu kommen. Sie sollten sich das anschauen und sich ein eigenes, neues Bild von dieser ganz besonderen sozialen Einrichtung machen.

Was würden Sie sagen, wenn Sie jemand fragt, was das Kinderhospiz ist?

Es ist ein Erholungsort, nicht nur ein Ort zum Sterben. Sondern auch ein Ort voller Lebensfreude, voller schöner Momente. Die Familien bekommen Unterstützung in allen Belangen. Ich würde außerdem erzählen, dass es im Haus die Möglichkeit gibt, die komplette Pflege der Kinder zu übernehmen, die mit einem reichlichen pädagogischen Angebot versehen ist, von einem Musikkreis bis über eine Klangreise oder verschiedene Therapien. In dieser Zeit können die Eltern mal alleine in die Stadt gehen oder einen Tagesausflug planen, was sie zu Hause nicht können.

Wie beurteilen Sie Ihr Praktikum hier?
Hier steckt in allem viel Herzlichkeit drin. Allein, wie die Eltern mir gegenüber getreten sind. Sie sind für alles dankbar, was man ihnen an Unterstützung anbietet. Es ist eine Gemeinschaft. Das muss man selbst erlebt haben. Ich war mit allen Kindern in Kontakt, mit den kranken Kindern und den gesunden Geschwistern. Und ich selbst wurde während des Praktikums von allen im Team bei meiner Arbeit unterstützt, dieses Gemeinschaftsgefühl ist einmalig.

Was hat Sie noch überrascht?
Ich wusste nicht, dass hier so viele der Aufgaben, die hier liebevoll geleistet werden, einzig über Spenden finanziert werden. Da war ich wirklich perplex.

Und werden Sie anderen Menschen mitteilen, was Sie hier erlebt haben?

In meinem privaten Umfeld habe ich schon viele angesteckt mit meiner Begeisterung. Ich wollte außerdem eine Art Tagebuch auf Facebook veröffentlichen, zu meinem Erlebnissen während des Praktikums: Möglichst viele Menschen sollten einen Eindruck bekommen, was ich erlebt habe. Ich bin zwar kein Influenzer, aber es wäre schön, wenn ich etwas von meinen Eindrücken weitergeben
könnte. (Interview: Axel Heyder)

Autor:

Kinder- und Jugendhospiz Mitteldeutschland in Tambach-Dietharz aus Nordhausen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

3 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.