Die Nurflügler-Konstruktion - Eine Tradition findet in Thüringen seine Fortsetzung
Die Horten HX-2. Kein Rumpf, kein Leitwerk und trotzdem heben sie ab

Modellpilot Michael Carrara und Testpilot Kai Schülter mit ihren Flugzeugen.
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  • Modellpilot Michael Carrara und Testpilot Kai Schülter mit ihren Flugzeugen.
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Flugzeugkonstrukteure treffen sich mit Flugmodellbauer

Von Andreas Abendroth

Nurflügler sind futuristisch anmutende Flugzeuge, denen Eigenschaften wie optimale Auftriebseigenschaften und wirtschaftliche Ausnutzung der Triebwerke zugesprochen werden. Alle wichtigen Komponenten eines Flugzeugs wie der Antrieb, die Tanks, der Bereich für Besatzung und Fracht befinden sich innerhalb des Tragflügels. Anders gesagt, das Flugzeug ist ein Cockpit mit Flügeln.
Auch der Flugzeugbau in Thüringen ist bis heute ganz eng mit der Entwicklung solcher fliegenden Tragflächen verbunden. Ein Prototyp eines Nurflüglers – die Horten Go 229 (Horten Ho IX) wurde in Friedrichroda produziert. Am 14. April 1945 erreichten US-Truppen die Fertigungsstätte in Friedrichroda und erbeuteten dabei neben Konstruktionsunterlagen den fast fertiggestellten Rumpf der Ho IX V 3. Die dazugehörigen Tragflächen wurden in Sonneberg beschlagnahmt. Alles wurde in die USA abtransportiert.
Aber die Luftfahrttechniker in der Gothaer Waggonfabrik verließen sich nicht alleine auf die Konstruktionen der Brüder Horten. Sie konstruierten mit der Gotha P.60 einen Gegenentwurf. Dessen Nachbau im Maßstab 1:1 kann heute im Luftfahrttechnische Museum Rechlin besichtigt werden.

Nach wie vor gilt unter Flugexperten der Nurflügler als einer der aussichtsreichsten Weiterentwicklungen für das Flugzeug der Zukunft. Die Flugzeugbauer aus Eisenach haben die alten Konstrukteurs-Ideen aufgegriffen und mit den technologischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts verwirklicht.
„Mein Traum war es, einen Nurflügler zu bauen. Der Konstrukteur Reimar Horten hat uns seine Visionen als Erbe hinterlassen. Und wir sind von diesem technischen Nachlass überzeugt, haben es weiterentwickelt, Realität werden lassen“, so Bernhard Mattlener, Initiator des Projekts Horten HX-2.
Das ehrgeizige Entwicklungsprojekt startete im Februar 2015 am Flugplatz Eisenach. Im April dieses Jahres konnte das Ergebnis als Weltpremiere auf der AERO 2019 der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Hinter der Bezeichnung Horten HX-2 verbirgt sich ein hochmodernes, zweisitziges Leichtflugzeug ohne Rumpf. Der Prototyp wurde aus glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK) und carbonfaserverstärkten Kunststoff (CFK) mit Wabenstruktur gefertigt. Das Flugzeug mit 10 Metern Spannweite verfügt über eine überrollsichere Kabine, ein Dreibein-Einziehfahrwerk, einen 100 PS Rotax-Motor und ist mit einem BRS-Rettungssystem ausgestattet.
Das Team aus Eisenach hat ein futuristisch anmutendes Fluggerät entwickelt und zum Flug gebracht. Trotzdem ist Entwicklungsstagnation kein Thema. Bei Horten Aircraft blickt man nach vorne, in die Zukunft. So ist bereits eine fünfsitzige Ausführung in der Planung. Auch denkt man bereits an integrierte Rotorensysteme, welche mit dem Flugzeug senkrechte Starts und Landungen möglich machen.

Begeistert von der Nurflügler-Technologie ist auch Michael Carrara vom Modellflugclub in Geschwenda. Der begeisterte Modellflieger aus Dosdorf im Ilm-Kreis hat die Horten IX im Maßstab 1:5 nachgebaut. Die Grundlage für das Modellflugzeug mit einer Spannweite von 2,6 Metern waren Baupläne und Fotos des Originals.
„Das Flugzeug besteht aus weit über einhundert Einzelteilen. Wie beim Original habe ich diese einzeln aus Holz angefertigt“, berichtet der Modellbauer voller Stolz.
Jede mögliche Minute seiner Freizeit hat er in die Konstruktion und den Bau investiert. Nach einer Bauzeit von einem dreiviertel Jahr konnte der erste Testflug auf dem Modellflugplatz durchgeführt werden. Da, wo bei der Originalhorten Turbinen saßen, wurden beim Modellnachbau zwei Impeller-Elektromotoren verbaut. Mit jeweils drei Kilogramm Schubleistung lassen sie einen sicheren Flug des acht Kilogramm schweren Modells zu.

Ob Manntragend oder als funkferngesteuertes Modell. Die visionären Ideen von Flugzeugkonstrukteuren wie Hugo Junkers und Reimar Horten im Bereich der Nurflügler begeistern Menschen bis zum heutigen Tag. Und sollten Sie liebe Leser eines dieser einmaligen Flugzeug in Thüringen sichten, müssen Sie keine Angst haben: Es sind kein UFOs und es muss auch keine derartige Sichtung bei den Behörden gemeldet werden…

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