Geburtsbegleiterinnen sehen sich nicht als Konkurrenz zur Hebamme
Frau braucht Doula

Barbara Heinrich (links) und Mandy Möhring arbeiten als Doulas in Thüringen. Ursprünglich haben sie Ausbildungen als Bürokauffrau sowie Töpferin und Motopädin absolviert.
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  • Barbara Heinrich (links) und Mandy Möhring arbeiten als Doulas in Thüringen. Ursprünglich haben sie Ausbildungen als Bürokauffrau sowie Töpferin und Motopädin absolviert.
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Wie Hebammen werdende und junge Mütter unterstützen, ist allgemein bekannt. Doch wie hilft eine Doula? Das Wissen über diesen alten Beruf ist verschüttet.

Als Ultraschall und Feindiagnostik noch nicht zum gemeinen Vokabular jeder Schwangeren gehörten, da war „in guter Hoffnung sein“ eine gern genutzte Umschreibung, wenn sich ein Baby ankündigte. Die Frauen konnten weniger auf eine engmaschige medizinische Versorgung vertrauen als auf die eigene Kraft und den Beistand enger Vertrauter. Zu jenen zählten nicht nur Hebammen, sondern auch Doulas; Begleiterinnen während der Schwangerschaft, bei der Geburt und im Wochenbett.

Doulas verschwinden
mit der Klinikgeburt

„Bis in die 30er-Jahre waren Doulas auch in Deutschland bekannt“, erzählt Barbara Heinrich. „Doch als die Klinikgeburt zum Standard erklärt wurde, verschwanden sie leider aus dem allgemeinen Bewusstsein.“ Das bedauert auch Mandy Möhring. Sie ist selbst Mutter einer erwachsenen Tochter und weiß, wie wichtig der Beistand einer erfahrenen Frau sein kann. Eine Doula, die hätte sie sich vor 30 Jahren selbst gewünscht. Barbara Heinrich und Mandy Möhring beleben die alten Traditionen. Beide arbeiten als Heilbegleiterin und spirituelle Lebensberaterin und haben zusätzlich eine Ausbildung zur Doula abgeschlossen. Derzeit sind sie eine der wenigen in Thüringen, praktizieren in der Region rund um Meiningen und den anschließenden Landkreisen.

„Geburt ist das Tor zum Leben. Die Tatsache wird unterschätzt.“
Barbara Heinrich

„Die Geburt hat einen essentiellen Wert für die spätere Gesundheit“, erklärt Barbara Heinrich. Sie sei im Unterbewusstsein gespeichert. Wer beispielsweise zu schnell in die Welt gestoßen würde, hat oft mit Anpassungsproblemen zu kämpfen, die sich durchs ganze Leben ziehen. Je natürlicher und ruhiger ein Kind auf die Welt kommt, desto besser verlaufen auch seine Wachstumsphasen.

Mit einer bewussten Vorbereitung auf die Geburt setzt die Arbeit einer Doula ein. Dabei werden die Partner aber nicht ausgeschlossen, sondern aktiv in die Gespräche zwischen werdender Mutter und Doula eingebunden. „Dabei konzentrieren wir uns ganz auf die Wünsche der werdenden Familie“, so Heinrich. Geburtsabläufe werden besprochen, Wünsche für die Geburt entwickelt. Auch Massagen gehören dazu. Oder das Bemalen des Babybauches, wie es sich die 27-jährige Theresa wünschte, die von Mandy Möhring bei ihrer Hausgeburt begleitet wurde.

Unter der Geburt wird die Doula zur Begleiterin, die die Gebärende emotional und psychisch unterstützt. Mit Kopf und Herz gibt sie Nähe und Vertrauen. Das ist wichtig, damit sich die Frau öffnen, auf ihren Körper hören kann.

Gemeinsam die frühere Schwangerschaften aufarbeiten

Doch auch für jene Frauen, die bereits Kinder haben, kann eine Doula bei weiteren Schwangerschaften hilfreich sein. „Mit uns kann man die früheren Geburten aufarbeiten“, so Mandy Möhring. Vor allem, wenn diese dramatisch verlaufen sind. So könne man Ängsten und Sorgen begegnen. „Wir stärken das Urvertrauen der Frauen in sich selbst“, beschreibt Möhring das erklärte Ziel einer Doula.

Auch wenn das Baby da ist, bleibt die Doula weiterhin Ansprechpartnerin. Für die junge Mutter gestaltet sie ein Buch, in der die Geburt beschrieben wird. „Die Frauen sind gerührt, wenn ich sie damit beschenke.“, freut sich Barbara Heinrich. „Das Buch hat auch einen nachhaltigen psychischen Effekt für Mutter und Kind.“ Vielen sei auch ein bewusster Abschied vom „Schwanger sein“ wichtig. Kleine Rituale helfen hierbei, wie beispielsweise das gemeinsame Vergraben der Plazenta.

Thüringen braucht
mehr Doulas

Barbara Heinrich und Mandy Möhring wünschen sich mehr Doulas für Thüringen. „Jeder Frau sollte eine zur Seite stehen können, sofern sie es möchte“, spricht Barbara Heinrich eine Hoffnung aus. Vor allem, weil es immer weniger Hebammen gibt, die immer weniger Zeit für Schwangere und Gebärende aufbringen können. Ein erfahrener Beistand kann helfen, auch wenn die Doula keinerlei medizinische Hilfe leisten darf. Doch sie kann Fürsorge aufbringen und so die Hebamme in der Klinik oder während einer Hausgeburt unterstützen.

ZUR SACHE

+ Der Begriff Doula kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet Dienerin der Frau.

+ Eine Doula ist eine Frau, die eine werdende Mutter vor, während und nach der Geburt begleitet. Sie muss mindestens 25 Jahre alt und selbst Mutter sein.

+ Seit Mitte der 90er-Jahre arbeiten in Deutschland wieder verstärkt Doulas. In Großbritannien und den USA sind sie etabliert.

+ Deutschlandweit gibt es rund 200 Doulas, in Thüringen zwei.

+ In der Regel gehören drei Vor- und zwei Nachgespräche sowie die Betreuung während der Geburt zum Angebot.

+ Die Kosten für eine Doula müssen selbst finanziert werden und liegen zwischen 500 und 700 Euro.

+ Die Ausbildung zur Doula dauert ein Jahr. Bestandteil dieser ist die Betreuung von drei Geburten, die innerhalb von zwei Jahren zu begleiten und zu dokumentieren sind.

+ Inform@tion: www.doulas-in-deutschland.de

Autor:

Simone Schulter aus Weimar

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