Serie: Mein Museum
Point Alpha: Zeitreise in den Kalten Krieg

Der Höhepunkt ist zweifelsohne die direkte Erfahrung einer damals streng gesicherten „Staatsgrenze West“ der DDR, inklusive den erstaunlich nah beieinander liegenden originalen Beobachtungstürmen der damaligen Kontrahenten.
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  • Der Höhepunkt ist zweifelsohne die direkte Erfahrung einer damals streng gesicherten „Staatsgrenze West“ der DDR, inklusive den erstaunlich nah beieinander liegenden originalen Beobachtungstürmen der damaligen Kontrahenten.
  • Foto: Point Alpha
  • hochgeladen von Michael Steinfeld

Die Gedenkstätte Point Alpha in Geisa erinnert an authentischem Ort an die deutsch-deutsche Teilung. Christian Curschmann, Gedenkstättenpädagoge der Point-Alpha-Stiftung, führt durchs Museum.

Was gibt es „Musehenswertes“?
Die Gedenkstätte Point Alpha auf der ehemaligen innerdeutschen Grenzlinie bietet an zwei Standorten eine Zeitreise in die Zeit des Kalten Krieges. Im „Haus auf der Grenze“ auf dem ehemaligen Todesstreifen der DDR erfahren die Besucher mehr zum Aufbau der Grenzanlagen der DDR, den Hintergründen und dem Schicksal der Bevölkerung im grenznahen Sperrgebiet. Die Grenzanlagen der DDR werden dabei in den Zusammenhang des Kalten Krieges gestellt, wo der „Eiserne Vorhang“ eine Konfrontationslinie zwischen zwei gegnerischen Militärblöcken darstellte, deren Brisanz sich besonders in Deutschland zeigte.

Neben einem großen Außenbereich, auf dem Grenzsperranlagen der DDR im Wandel der Zeit erlebbar sind, ist sicherlich der ehemalige, authentisch erhaltene amerikanische Grenzbeobachtungsposten „Point Alpha“ sehenswert. Hier erfahren Besucher mehr zu den Aufgaben der US-Army an der Grenze zur DDR, insbesondere über das damals für wahrscheinlich gehaltene Szenario eines Vormarsches der Truppen des Warschauer Paktes über das „Fulda Gap“ in Richtung Rhein-Main-Gebiet im Kalten Krieg. Neben der Struktur, den Kasernen, der Militärtechnik der damaligen Zeit widmen sich zwei Ausstellungen dem militärischen und zivilen Miteinander zwischen Amerikanern und Deutschen im Kalten Krieg.

Woran führt kein Weg vorbei?
Der Höhepunkt ist zweifelsohne die direkte Erfahrung einer damals streng gesicherten „Staatsgrenze West“ der DDR, inklusive den erstaunlich nah beieinander liegenden originalen Beobachtungstürmen der damaligen Kontrahenten.

Außer der Reihe:
30 Jahre nach der Friedlichen Revolution in der DDR gibt es derzeit eine Plakatausstellung zum Thema „Von der Friedlichen Revolution zur deutschen Einheit“ zu sehen. Ab Anfang November wird sie abgelöst durch eine Ausstellung, die sich privaten Fotografien zur Grenzöffnung in der Rhön 1989/90 widmet.

Museum zum Anfassen:
Die meisten der zahlreichen Ausstellungen in der Gedenkstätte bieten Medienstationen, die die Erinnerungen von Zeitzeugen wiedergeben. Auch die unterschiedlichen militärischen Szenarien im Kalten Krieg lassen sich interaktiv erfahren. Zwar lassen sich auch die diversen rekonstruierten Grenzelemente anfassen und dadurch begreifen, allein aber die Präsenz eines authentischen Ortes verleiht der Gedenkstätte eine besondere Aura.

Auch das Kunstprojekt „Weg der Hoffnung“ welches mit überdimensionalen Metallskulpturen den Leidensweg Christi rechts und links des authentischen Kolonnenweges innerhalb der heutigen reizvollen Umgebung darstellt, ist nicht nur ein Kreuzweg, der zum Wandern einlädt, sondern Kunst zum Anfassen, welche sich stets auch mit dem Leid der DDR-Bevölkerung im Grenzgebiet auseinandersetzt.

Dies ist kein Kanaldeckel

Ihr liebstes Stück?
Lieblingsstücke sind nicht immer die augenfälligen Großexponate, die auch die Gedenkstätte Point Alpha bietet, sondern eher die unscheinbaren, aber vielsagenden Ausstellungsstücke. So befindet sich in der Ausstellung „Everyday Life – deutsch- amerikanischer Alltag im Fulda Gap im Kalten Krieg“ ein Objekt, welches auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Kanaldeckel aussieht. Tatsächlich ist es ein Sprengschachtdeckel, zum Verschließen von Sprengschächten, die im Kalten Krieg in Straßen der BRD installiert worden waren, um sie im Falle eines gegerischen Angriffs mit Sprengstoff zu füllen und zur Explosion zu bringen.

Museum For You:
Ausstellungstexte in der Gedenkstätte sind an vielen Fällen auch in Englisch verfasst. Darüber hinaus bietet die Gedenkstätte neben deutsch-sprachigen Rundgängen auch Führungen in Englisch und Französisch an.

Sind auch Kinder museumsreif?
Es gibt viele Bereiche, die sich ausdrücklich an Kinder wenden. Hier sei die Ausstellung „Vom Todesstreifen zur Lebenslinie“ empfohlen, die sich mit besonderen Tier- und Pflanzenarten am Nationalen Naturmonument Grünes Band und im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön beschäftigt. Außerdem versteht sich die Gedenkstätte ausdrücklich als Lernort zum Geschichte Begreifen, die sich an Schulklassen ab der 9. Klasse richtet. Jüngere Schüler können sich auch mit einer Mitmachbroschüre dem Gedenkort spielerisch nähern.

Museumrundgang:
Aufgrund des großen Geländes, den zwei Standorten und den vielen Ausstellungen könnten Besucher einen ganzen Tag auf Point Alpha verbringen, geführte Rundgänge dauern in der Regel aber nur 2 Stunden.

Museum zum Mitnehmen:
Im Museumsshop gibt es eine große Auswahl an diversen Souvenirs, jedoch auch eine gutsortierte Buchhandlung.

Das muss gesagt werden:
Fast jedes Jahr findet auf Point Alpha am 17. Juni die Verleihung des Point-Alpha-Preises für Verdienste um die Deutsche Einheit und die Einheit Europas statt. Die ersten Preisträger im Jahr 2005 waren Helmut Kohl, Michael Gorbatschow und Georg Bush sen. Der bis dato letzte Point-Alpha-Preis ging 2019 an Jean-Claude Junker.

Neben vielen anderen Besonderheiten sei auf die amerikanische Retreat-Zeremonie zum Last Border Patrol Day hingewiesen, die jedes Jahr im Frühjahr an den Abzug und die letzte Grenzpatrouille der Amerikaner auf Point Alpha im Jahr 1990 erinnert und der sich zunehmend zu einem Schülerbegegnungstag entwickelt, wo hessische, thüringische und amerikanische Schulgruppen auf deutsche und amerikanische Zeitzeugen des Kalten Krieges und der Teilung Deutschlands treffen. Zudem werden 2019 und 2020 diverse Projekte zum Thema 30 Jahre Friedliche Revolution und Grenzöffnung sowie 30 Jahre Deutsche Einheit in der Gedenkstätte umgesetzt.

Zur Sache
Gedenkstätte Point Alpha

Platz der Deutschen Einheit 1
36  419 Geisa

Kontakt:
Telefon  0 66 51 - 91 90 30
service@pointalpha.com
pointalpha.com

Öffnungszeiten:
Von April bis Oktober
täglich von 9 bis 18 Uhr,
im November und März
täglich von 10 bis 17 Uhr,
von Dezember bis Februar
von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16.30 Uhr (montags geschlossen)

Buchtipp:
„Mein ­Museum“, 13,95  Euro. ­Online ­kaufen: www.klartext-­verlag.de oder im Buchhandel; per E-Mail: info@­klartext-verlag.de

Alle Museen der Serie finden Sie hier als übersichtliche Karte und hier auf unserer Themenseite.

Autor:

Michael Steinfeld aus Erfurt

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