Serie, mein Geheimtipp: Alte Kugelröster in Eisenach

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Kaffee ist ein schwarzes Pulver. Und erstammt aus einer 500-Gramm-Vakuum­verpackung. Oder ist Kaffee nicht doch ein schwarzes Heißgetränk? Für die meisten Menschen stimmt beides. Irgendwie.

Für Wolfram Sieler sieht Kaffee anders aus. Er wird als helle Bohne aus fernen Ländern im 60-Kilo-Jutesack geliefert. Er besitzt noch längst nicht den typischen Kaffee­geruch, erinnert noch nicht an jenes Pulver aus der Aufreißpackung.

Sieler betreibt eine Rösterei in Eisenach und führt durch ein kleine, aber spannende Ausstellung von Kugelröstern in der ehemaligen Malzfabrik im Palmtal 1. Ein historisches Gebäude, das einst eine bekannte Mälzerei gewesen ist. Dort wurde unter anderem auch Getreidekaffee geröstet. Sieler träumt davon, jene uralten Maschinen, die optisch an schwarze Betonmischer erinnern, irgendwann wieder in Gang zu setzen. Doch das wird noch dauern. Und es wird schwierig, denn die Maschinen müssen zertifiziert werden, um ­laufen zu dürfen.

Seit dem 17. Jahrhundert etwa sind Kaffeehäuser in Europa bekannt, damals waren sie eine ausgesprochen elitäre Veranstaltung; sie servierten etwas Exotisches, ein Getränk, das aus dem Nahen und Mittleren Osten kam. Nur langsam setzte sich Kaffee als Genussmittel für alle durch. Das lag auch an den nach 1867 indus­triell hergestellten Kaffeeröstmaschinen. Zuvor wurden die Bohnen zumeist in verschiedenen, offenen Behältern und über dem Feuer in ihre gebrauchsfertige Version verwandelt.

Die ältesten der ­Eisenacher Exponate stammen vermut­lich aus der Zeit um 1875 und haben ein Fassungsvermögen von rund 100 Kilogramm. Geröstet wurde mit Buchenholz. Die große Kugel drehte sich gleichmäßig, angetrieben durch einen Lederriemenantrieb. Langsam, erklärt Sieler, sei angefeuert worden - bis das Feuer ein gleichmäßiges Glutbett hatte und damit eine möglichst konstante Temperatur.

Kaffee zu rösten, ist nichts für Menschen, die es eilig haben. «Rund 25 bis 30 Minuten dauerte ein Durchlauf», weiß der Kaffee-Experte. «Probat, Hersteller auch unserer Geräte, ist dafür eine Firma vom Niederrhein, die sich bis heute der Kaffeeröstung verschrieben hat.»

So gut erhaltene Exemplare wie in Eisenach gibt es wohl nirgendwo mehr in Deutschland. «Viele dieser Maschinen sind der Kriegsproduktion zum Opfer gefallen und wurden eingeschmolzen.» Die vier Eisenacher haben diese Zeit überlebt und wurden nicht zu Kanonenkugeln. «Viele fleißige Helfer haben daran gearbeitet, den Kugelröster entrostet und wieder hergerichtet», sagt Sieler, der Interessierte gern durch die kleine, interessante Ausstellung führt. Allerdings nur nach vorheriger Anmeldung.

Historie

·Die «Alte Mälzerei» wurde ab 1871 als (Brau-) Malz- und Malzkaffeefabrik mit integriertem Wohn­bereich erbaut.

·Die Rösterei selbst wurde bis 1953 betrie-

ben. 1944 wurde die Produktion zwischenzeitlich gestoppt, nach dem Krieg wieder ange-

fahren und zuerst für

die Amerikaner gerös-

tet, die die Bohnen dafür selbst mitgebracht hatten.

·In der DDR diente insbesondere der große Gewölbekeller auch als Gemüse- und Obstlager.

·1989 wurde das Gebäude mit allen noch

vorhandenen Maschinen und Anlagen an die Stadt Eisenach verkauft.

Autor:

Axel Heyder aus Erfurt

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