Versuchter Mord in Erfurt
Der Angeklagte bestreitet Tötungsabsicht

Mit Polizeihunden und einem Hubschrauber war die Polizei im Sommer in Erfurt auf der Suche nach einem Mann, der seine Ex-Freundin in seine Gewalt gebracht hatte. Nun muss sich der 42-Jährige auch wegen versuchten Mordes verantworten - dabei wollte er eigentlich nur reden, wie er beteuerte.

Der Fall hatte weit über die Stadtgrenzen Aufsehen erregt: Ein mit einem Küchenmesser bewaffneter Mann soll im vergangenen Sommer seine Ex-Freundin durch Erfurt geschleppt haben und auf seiner Flucht auf einen Unbeteiligten eingestochen haben. Beim Prozessauftakt am Montag am Landgericht Erfurt hat der Mann nun zwar die Geschehnisse im Groben bestätigt. Aber gerade die besonders schwerwiegenden Vorwürfe der Staatsanwaltschaft - darunter versuchter Mord und Freiheitsberaubung - sollen sich seiner Darstellung nach nicht so ereignet haben. Einig waren sich Ankläger und Angeklagter, dass Drogenprobleme des 42-Jährigen eine Rolle bei den Taten spielten. Die Anklage geht von einer verminderten Schuldfähigkeit des Mannes aus.

Der Mann soll laut Anklage im Juli vergangenen Jahres über den Balkon in die Wohnung seiner Ex-Freundin eingestiegen sein. Dort soll er die Frau mit vorgehaltenem Küchenmesser dazu aufgefordert haben, mit ihm mitzukommen. Auf der Flucht soll er dann mit dem Messer einen auf einer Wiese schlafenden Mann in den Rücken gestochen haben, um an dessen Brieftasche zu kommen. Er soll aus Habgier und heimtückisch versucht haben, den Mann zu töten, so der Vorwurf. Das Opfer wurde lebensgefährlich verletzt und konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden.

Der Angeklagte bestritt, dass er den Mann habe töten wollen. Er habe lediglich versucht, an die Geldbörse zu kommen. Als der Mann dabei erwacht sei, habe er sich gegen ihn wehren wollen und dabei vergessen, dass er noch das Messer in der Hand hatte. Dass er den Mann schwer verletzt habe, will er nicht bemerkt haben.

Auch seine Ex-Freundin soll der Darstellung des Angeklagten nach mehr oder weniger freiwillig mitgekommen sein. Er habe sich eigentlich nur mit ihr aussprechen wollen. Die Staatsanwaltschaft spricht dagegen von Nötigung. Seiner Ex-Freundin soll er nach eigener Aussage während der Flucht gesagt haben: «Ich mache dir ein Loch in das Bein.» Das habe er aber nicht so gemeint, schon gar nicht als Drohung, sondern als Motivation. Ein Dolmetscher übersetzte die Aussagen des aus Litauen stammenden Angeklagten.

Die Ex-Freundin und der von dem Angeklagten niedergestochene Mann waren als Zeugen geladen. Der nächste Prozesstermin ist für den 21. Januar geplant. (dpa/th)

Autor:

meinanzeiger .de aus Erfurt

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