Frauenpower in Zeiten der Reformation
Aus Sicht der Weiber: So hat Luthers Frau wirklich gedacht

Die Waltershäuser Autorin Rotraut Greßler sitzt im Kaminzimmer der Erfurter Stadt- und Regionalbibliothek. Hinter ihr auf dem Sims platziert sind ihre heimathistorischen Bücher. Ihr erstes Theaterstück wurde Ende 2017 prämiert.
2Bilder
  • Die Waltershäuser Autorin Rotraut Greßler sitzt im Kaminzimmer der Erfurter Stadt- und Regionalbibliothek. Hinter ihr auf dem Sims platziert sind ihre heimathistorischen Bücher. Ihr erstes Theaterstück wurde Ende 2017 prämiert.
  • Foto: Michael Steinfeld
  • hochgeladen von Michael Steinfeld

Zwischen Reformator Martin Luther und Komiker Mario Barth liegen 500 Jahre. Das Frauenbild der beiden gleicht sich dennoch.

Es gibt diesen Gag des Berliner Comedians: „Sie stand vor ihm und sagte: Ich geh zum Fitness. Bauch, ­Beine, Po. – Daraufhin er: Wieso? Davon hast Du genug. Mach doch lieber Brüste.“

Und jetzt Luther zum Vergleich: „Männer haben eine breite Brust und schmale Hüften, darum haben sie auch mehr Verstandes denn die Weiber, welche enge Brüste haben und breite Hüften und Gesäß.“

Männer, Frauen, Land und Liebe

Rotraut Greßler lächelt milde. „Es hat sich ­­eigentlich nichts geändert. Es ist früher gewesen wie heute und so wird es wahrscheinlich auch immer sein. Das ist rein menschlich.“ Sie muss es wissen: Mit Luther ist sie seit fast zwei Jahren verheiratet – zumindest auf der Bühne. So lange schlüpft sie schon in die Rolle der Katharina von Bora. „Nur der Männer Freud und Lust“ heißt das von ihr geschriebene Theaterstück, das im Dezember mit dem 14.  mitteldeutschen ­Histo­rikerpreis Ur-Krostitzer Jahresring prämiert wurde.

„Eigentlich ist es eine ganz profane Geschichte“, hat Greßler den Inhalt schnell ­erzählt. Luthers Witwe Katharina trifft im Jahr 1548 Barbara Brück, die Tochter von Maler Cranach dem Älteren. Denn: „Über ­solche Frauen wurde bisher zu wenig geschrieben“, findet die Thüringer Autorin. „Dann reden wir über Land, Leute, die Frauen und die Männer, die Reformation, den Alltag, über die Freundschaften und Lieben.“

Einfach, frisch, unterhaltsam, aber gleichzeitig fundiert und versiert wertete die Jury das Siegerstück. Ob es nun grünt und blüht, jemand im Dunkeln tappt oder ihm die Haare zu Berge stehen – Zitate und Redewendungen Luthers & Co. durchziehen die ­Dia­loge. Das Stück sollte zwar vor allem lustig werden, zum Schmunzeln und für jeden leicht verständlich. „Doch es war mir wichtig, dass die Zitate stimmen und auch die Geschichte richtig wieder­gegeben wird. Wenn auch mit einem Augenzwinkern.“

Fake News

Um immer glaubwürdig zu bleiben, durchstöberte ­Greßler Staatsarchive und Literatur, stieß dabei unter anderem auf „Fake News“ des Mittelalters. Zum Beispiel das üble Gerücht, dass Cranach d.Ä. seine Ehefrau nie malte, weil diese so hässlich gewesen sein soll. „Klar, wenn sich zwei Frauen unterhalten, dann tratschen sie natürlich auch“, gesteht sie den ­Promiklatsch.

„Wir haben Luther aus ­einer anderen Sicht betrachtet.“ Eben aus Sicht der ­Frauen, die schon damals wahre Multitalente waren. Heimlich im Hintergrund bekamen sie mehrere Berufe, Familie, Haushalt und ihre Männer mit ihren riesen­großen Egos in den Griff.

Die Waltershäuserin kennt sich mit Ehen aus. Jahrzehnte lang arbeitete sie als Standesbeamtin. „Doch mein eigentlicher Beruf und meine Berufung ist die Liebe zum Buch“, sagt die studierte ­Diplom-Bibliothekarin.

Vor zehn Jahren schrieb die heute 65-Jährige dann selbst ihr erstes Buch. Die historische Liebeserklärung an ihren Geburtsort Gräfenroda ging weg wie warme Semmeln. Und so begab sich Rotraut Greßler fürs zweite Buch auf Spurensammlung nach alten Gewerben in ihrer Heimat. Von den Hunderten ­Betrieben, die mit Holz, Glas oder Ton arbeiteten, sind nur noch Rudimente übrig. ­Greßler befragte letzte Zeitzeugen, durchstöberte Archive, mischte eigene Kindheits­erinnerungen hinzu.

In einem dritten Buch widmete sie sich schließlich der heimischen Turmuhrproduktion. „Die Ortschronisten und Heimatforscher leisten viel und haben ein unheimliches großes Wissen. Aber leider bringen dies nur wenige zu Papier. Doch so vieles geht und kommt nicht wieder. Sicherlich gibt es den notwendigen Wandel, aber einiges gilt es zu bewahren.“

Ein neues Buch, ein neues Stück – alles ist daher in Planung. Und immer gilt: Geschichtlich fundiert, aber nicht zu kompliziert formuliert. Denn, das ist Greßlers Credo: Wer seine Heimat lieben will, der muss sie auch verstehen.

Termin:
28. Februar, Jahresempfang mit szenischer Lesung „Nur der Männer Freud und Lust?“, Stadtmuseum Weimar im Bertuch-Haus, 17 Uhr

Informationen:
www.sagestreffend.de

Die Waltershäuser Autorin Rotraut Greßler sitzt im Kaminzimmer der Erfurter Stadt- und Regionalbibliothek. Hinter ihr auf dem Sims platziert sind ihre heimathistorischen Bücher. Ihr erstes Theaterstück wurde Ende 2017 prämiert.
Greßlers Credo: Wer seine Heimat lieben will, der muss sie auch verstehen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen