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Mitten im Leben
Behinderte und Nichtbehinderte spielen gemeinsam im Luther-Musical

Michael Jahn (Mitte) und einige der Darsteller.
Michael Jahn (Mitte) und einige der Darsteller. (Foto: Helke Floeckner)
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Im Luther-Musical des Christophoruswerks Erfurt und anderen inklusiven Projekten dort spielen behinderte und nichtbehinderte Darsteller und Musiker gemeinsam. 

"Als Martin Luther den Nonnen einen Heringswagen schickte", ermöglichte er ihnen, aus dem Kloster zu fliehen, in dem sie gegen ihren Willen festgehalten wurden. Außerdem ist genau das auch ein einprägsamer Titel, um eine andere Geschichte über den Reformator und seine Zeit zu erzählen. Eine über den 'zivilen' Luther, über die schlimmen Zustände damals in den Klöstern, über die Flucht der Nonnen, von denen eine Katharina, seine spätere Frau, war.

"Luthers Thesen sind ja immer Thema, deshalb haben wir uns auf diese Episode konzentriert, dazu auch sehr viel recherchiert", erzählt Kantor und Musikpädagoge Michael Jahn. Er, der die seit 15 Jahren bestehende Musik- und Theatergruppe des Erfurter Christophoruswerkes leitet, schrieb für sie ein ganzes Musical, die gereimten Texte steuerte Gabriele Albrecht bei. Doch nicht nur "seine" Darsteller betreten die Bühne. Das Luther-Musical ist ein inklusives Projekt, in dem Menschen mit geistigen Behinderungen, körperlichen Beeinträchtigungen und psychischen Erkrankungen, die im Christophoruswerk leben und arbeiten, mit Theater- und freien Musikern gemeinsam spielen.

Ein direktes Arbeiten

"Es ist ein sehr pures, direktes Arbeiten mit den Darstellern, eine ganz herzliche Atmosphäre", denkt Texterin Gabriele Albrecht gern an die Proben mit der Christophorus-Theatergruppe zurück. Musikpädagoge Michael Jahn stimmt ihr zu. "Sie haben alle eine so große Freude am Spiel, jeder hat besondere Stärken", freut er sich über nicht nachlassende Neugier, Talent und unbändige Spielfreude. Manchmal, gesteht er, gerät er selbst ins Staunen. Über den Melanchthon-Darsteller zum Beispiel, der in kürzester Zeit nicht nur seinen, sondern alle Texte auswendig kannte. Oder über den ersten Luther-Mimen (dessen Rolle inzwischen ein anderer spielt), der seine herrliche Impulsivität so wunderbar in die Rolle einbrachte. Und wenn seine Theatergruppe vom für Michael Jahn so selbstverständlichen Kontrabass begeistert ist, beginnt auch er wie so viele Male bei den Proben, gewohnte Dinge wieder mit anderen Augen zu sehen.

Auch das Zusammenspiel mit den anderen Musikern und Darstellern, denen von 'draußen', ist ein gutes. Sie machen das ja immer wieder, auch bei anderen gemeinsamen, inklusiven Projekten. "Schön, dass es ein solches Miteinander gibt", schwärmt Kantor Jahn. "Das ist für beide Seiten ein großes Geben und Nehmen." Und wenn andere von Teilhabe reden, wird das mit dem Luther-Musical gelebt. Wenn das Stück am Montag erneut zu sehen ist, dann sind einfach da - mittendrin im Leben.

Termin:

Montag, 18. Dezember, 17 Uhr, Erfurter Luthermarkt an der Kaufmannskirche (Anger).

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