Domstufenfestspiele
Carmen

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Es gibt kein ehernes Gesetz, das besagt, dass man Opern immer gleich spielen muss. Zum Glück. Gerade wenn der Stoff so populär ist wie Carmen, braucht es Abwechslung über die Jahrhunderte. Sonst würde es ja reichen, sich eine Inszenierung immer wieder anzuschauen.

Deswegen ist es mehr als erlaubt, Bühnenbilder, Kostüme ja sogar in die Handlung in die Moderne zu holen. So lange es ein einheitliches Bild ergibt und den Sinn nicht entstellt. Die 40 Wracks als Zuhause des fahrendes Volkes auf die Domstufen zu bringen, war gewagt, was die vielen Diskussionen im Vorfeld zeigen.

Der Stoff kann trotzdem glaubhaft vermittelt werden, selbst wenn an einigen Stellen etwas übertrieben wird.  Das Gesamtbild ist stimmig, so auch die Stimmen der Sängerinnen und Sänger. Ab und an wird es richtig voll auf und vor der Bühne: Chor, Statisten, Kinder, zu den stehenden noch fahrende Autos: doch das Chaos verschwindet regelmäßig und löst sich in die einzelnen Handlungsstränge auf, denen der Zuschauer dann auch folgen kann. 

Vor allem der charismatische - nicht nur optisch, sondern auch stimmlich - Mandla Mndebele macht seine Sache hervorragend. Carmen (Katja Bildt) wirkt überzeugend in ihrer Rolle, die man sicher optisch hätte etwas mehr nach vorne stellen können. Das rosa Oberteil und der bunte Rock fallen in den Szenen mit Chor nicht immer auf, auch vor den farbigen Autos gilt das. Immerhin ist Carmen ja die Eine, die den Männern den Kopf verdreht. Da will man sie nicht nur immer hören, sondern auch sehen.  Was nicht heißen soll, dass es den schwarz-roten Rock benötigt. 

Insgesamt allerdings hat die Inszenierung die teils verständnislosen Kommentare bezüglich des Bühnenbildes im Vorfeld nicht verdient. Kunst muss und soll provozieren,  Inszenierungen haben keine Verpflichtung, jedem zu gefallen.

Termine: Premiere 3. August 2018, letzte Aufführung am 26. August 2018.

 Inhalt (Text Theater Erfurt)
Die unnahbare Zigeunerin Carmen wickelt alle Männer um den Finger, sowohl den draufgängerischen Torero Escamillo als auch den gewissenhaften Soldaten Don José, der an ihr verzweifelt. Das tödliche Eifersuchtsdrama fasziniert seit jeher durch seine exotische Titelfigur, durch unbürgerliche Wunschphantasien über das Schmugglerleben sowie durch eine Fülle an Liedern und berühmten Melodien wie Carmens „Habanera“ und „Seguidilla“, Josés Blumenarie und Escamillos Torero-Lied.„Die Liebe ist ein Zigeunerkind, sie hat niemals ein Gesetz gekannt...“, singt Carmen stolz, selbstbewusst und frei – und dabei doch zur Außenseiterin stilisiert. Das „fahrende Leben“ weckt zwar idyllische Bilder, aber in der Realität war es stets ein Kampf um Anerkennung in einer feindselig gesinnten Umwelt. So zeigt diese Carmen-Inszenierung den Kampf um Freiheit und die bewundernswerte Selbstbehauptung einer an den Rand gedrängten, auf die Müllhalde der Gesellschaft abgeschobenen Frau und geht damit über die klischeehafte Zigeunerromantik und Spanienfolklore weit hinaus.

Autor:

Axel Heyder aus Erfurt

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