Interview vor dem Auftritt am 10. Mai in Erfurt
Comedian Sascha Korf im Kampf gegen das Verstummen

Comedian Sascha Korf tritt den Kampf gegen das Verstummen an.
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Improvisationscomedy trifft auf Kabarett, wenn Sascha Korf mit seinem Programm „Aus der ­Hüfte, fertig, los!“ nach Erfurt kommt. Dass die Menschen fast nur noch mit Statusmeldungen und Emojis kommunizieren, darüber sprach der Komiker mit AA-Redakteur Michael Steinfeld.

Sind Sie ein Morgenmensch?
Ja, absolut. Ich genieße den Tag. Seit ich 50 geworden bin, wache ich auch schon vor 7 Uhr auf.

In Ihrem Programm bitten Sie darum: Redet wieder mehr miteinander! Wen müssten Sie mal wieder anrufen?
Tatsächlich meine Mutter. Mit der habe ich seit zwei Wochen nicht mehr gesprochen, weil ich total viel zu tun habe – was keine Entschuldigung sein soll. Die Mama ist immer so wichtig. Das ist Familie.

Und wie sieht es mit den Freundschaften aus? Halten Sie sich für einen guten Freund?
Ja, wir haben einen kleinen Freundeskreis, aber der ist wirklich sehr eng. Man kann mich nachts anrufen. Ich schwöre es Ihnen! Ich setze Himmel und Hölle in Bewegung, wenn ich helfen muss. Sofort.

Ist das schon einmal vorgekommen?
Ja, einmal musste ich jemanden einen Ausweis nach Frankfurt an den Flughafen bringen. Er hätte sonst seinen Flug nach Amerika verpasst. Ich bin mit dem Taxi nach Frankfurt gefahren, weil ich keinen Führerschein besitze. Ich habe 240 Euro investiert, damit er seinen Flug nicht verpasst.

Selbst wenn man sich persönlich trifft, schauen viele immer wieder auf ihr Handy. Wann war Ihr letztes gutes Gespräch?
Das ist ungefähr drei Wochen her. Da war ich auf einer Party mit mehreren Leuten. Da haben wir vereinbart: keine Handys! Wir haben Brettspiele gespielt und die Handys alle weggelegt. Das war cool, weil plötzlich ganz andere Gespräche entstanden. Vor fünf Wochen waren wir zu viert auf einer Hütte zum Wandern. Da hatten wir gar keinen Empfang. Die ersten zwei Stunden war es total merkwürdig, weil man immer aufs Telefon guckte. Aber es war sinnlos darauf zu schauen, weil man ja keinen Empfang hatte. Das war so toll, so beruhigend. Einfach super.

Toller Austausch

Sie reden gerne mit den Leuten und improvisieren viel. Merken Sie dabei auch, dass die Menschen immer weniger reden? Die Impro könnte dann ja schnell ins Stocken geraten.
Ich baue das so auf, dass ich ganz langsam anfange. Ich lerne die Leute kennen. Ich führe sie nicht vor, ich beleidige sie nicht. Ich nehme sie mit auf meine Reise. Dann kann es sein, dass wie vor ein paar Wochen am Ende die Leute alle nach oben gerufen, mitgesprochen und mitgeredet haben. Das Gegenteil ist also eher der Fall. Wenn die Reise gut ist und die Leute den Weg mitgehen, dann ist das wirklich ein toller Austausch miteinander, der sehr viel Freude macht und komplett auf Augenhöhe ist.

Wen hätten Sie gerne einmal im Publikum sitzen?

Ich glaube, das ist doof, wenn man weiß, wer da sitzt. Dann kann man nicht mehr improvisieren. Ich improvisiere immer noch am besten, wenn ich die Leute nicht kenne. Dann bin ich viel unvoreingenommener als bei jemandem, auf den man sich freut oder den man kennt.

In Ihrem Programm dreht sich viel um Online, Apps, Streamen, Social Media usw. Die Digitalisierung macht Ihnen schwer zu schaffen, scheint mir.

Ja, total. Wir leben in einer Welt, in der sich jeder seine Meinung bilden kann. Ohne den anderen zu kennen, ohne den Sachverhalt zu kennen, kann man jeden kritisieren, auseinandernehmen, beschimpfen, beleidigen, bewerten. Es gibt überall Bewertungsportale. Ich fahre in den Urlaub, weil ich gelesen habe, dass das Hotel gut ist. Oder ich fahre nicht in ein Hotel, weil ich gelesen habe, dass es nicht gut ist. Wir machen uns kein eigenes Bild mehr, sondern vertrauen dem, was irgendwelche Leute unter ein Bild posten. Und das finde ich ein bisschen schwierig.

Und Sie verzichten auf das alles?
Gar nicht. Das wäre jetzt gelogen. Ich kommentiere Sachen und bin in den sozialen Medien unterwegs. Ich versuche aber auch, freundlich und nett zu sein und die Leute zu motivieren. Das ist für mich wichtig im Leben. Ich bin jetzt auch bei Instagram. Da habe ich mal drei Bilder eingestellt und hatte plötzlich über 800 Follower. Obwohl ich nichts dafür getan habe. Das ist doch gruselig.

Ob nun Quinoa oder Chia - auch in Sachen Ernährung scheinen Sie nicht jeden Trend mitmachen zu wollen.

Ernährung ist ein großes Thema bei mir. Ich rede im Programm viel darüber, wie sich das Essen verändert hat und dass die Leute nicht mehr einfach so ins Restaurant gehen wie früher. Dass man jetzt schon mit so einer Anforderungsliste kommt: Ist da Gluten drin? Wie viel Weight-Watchers-Punkte hat es überhaupt? Kommt es aus der Region? Ist es molekular? Das finde ich sehr lustig, dass die Leute da so durchdrehen.

Das sind Dinge, die Sie nur mit Humor ertragen können. Auf welche Entwicklung würden Sie denn nur ungern wieder verzichten?

Ich empfinde es als Luxus, auf den Streamingdiensten eine Serie komplett durchsehen zu können, wenn man das möchte und auch nicht mehr warten muss. Ich bin ein großer „Game Of Thrones“-Fan. Ich bin in der achten Staffel gerade völlig überfordert, dass ich nicht weitergucken kann, wie ich will. Ich muss eine Woche warten wie früher. Damals war das kein Problem. Aber jetzt möchte ich nicht mehr warten.
Ich finde es auch cool, dass es dort hingeht, dass Menschen sich verständigen, aus verschiedenen Nationen zusammenkommen und dass man heutzutage mit 70 nicht alt ist. Das sind Dinge, die ich schön finde.

Apropos Alter: Sie sind unlängst 51 geworden. Woran merken Sie, dass Sie älter werden?
Früher bin ich durch die Stadt gelaufen wie ein junger Gott. Jetzt brauche ich zwischendurch meine Pausen. Früher fand ich es total gut, abends trinken zu gehen, am Wochenende nach Berlin zu fahren, Party zu machen. Jetzt überlege ich, ins Ahrtal zur Weinprobe zu fahren, um dann am Rhein entspannt etwas Essen zu gehen. Die Lage ändert sich, was ich aber eigentlich ganz cool finde.

Drei Songs zum Wohlfühlen

Aus der Hüfte – wie es in Ihrem Programmnamen heißt - kommen also mehr die Gags und nicht die Bewegungen?
Aus der Hüfte, fertig, los – das heißt aus der Hüfte geschossen, also spontan. 60 Prozent sind improvisiertes Programm.

Machen Sie denn Sport?
Ich habe mit Yoga angefangen und mir ein Fahrrad gekauft.

Sie sind immer gut gelaunt auf der Bühne. Haben Sie denn manchmal eine Scheißlaune und schlucken diese dann irgendwie runter?
Ja, klar. Dafür kann dann das Publikum überhaupt nichts. Deshalb versuche ich immer, gut gelaunt an die Sache heranzugehen und zu schauen, wo ich mir meine Motivation und gute Laune herhole. Ich habe vor jedem Abend immer drei Songs, die ich mir anhöre. Die versetzen mich in ein wohliges Gefühl und dann ist alles wieder gut.

Welche Songs sind das?
Das sind Songs, die mir was gebracht haben. Einer ist „If you wanna be happy“ – da bekomme ich direkt gute Laune.

Je älter man wird, desto mehr im Leben regt einen auf. Das müsste einem Comedian doch entgegenkommen.
Es ist tatsächlich so. Dass man mit 50 mehr Geld verdient, darüber lacht man ja nicht. Eher darüber, dass man müde ist, dass man sich aufregt, dass man kantiger wird. Denn das kennen die Leute, damit können sie sich identifizieren und darüber lachen sie auch. Man lacht eher über Marotten.

Sind Sie gut im Älterwerden?
Ja, denn mein Umfeld wird ja auch älter. Daher ist alles entspannt. Es hat auch wirklich Vorteile, älter zu werden. Man ist in manchen Sachen viel gelassener. 51 ist auch weiß Gott kein Alter.

Wie alt wollen Sie werden?
Wie es reicht, wie weit ich komme. Ich möchte alles gemacht haben, was ich machen möchte. Ich möchte gerne noch nach Australien und nach Feuerland. Und wenn es dann soweit ist: Alles gut.

Termin:
„Aus der Hüfte, fertig, los!“, 10. Mai, 20 Uhr, Dasdie Live Erfurt
Karten: www.ticketshop-thueringen.de, Telefon  03 61 / 2 27 52 27,

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