Serie: Mein Museum
Comics im Knast: Haft, Diktatur und die friedliche Revolution

Start zum Rundgang ist in der Haftetage im zweiten Obergeschoss. Die Gefangenen waren hier untereinander isoliert. Um sich doch zu verständigen, nutzten sie heimlich ein Klopfalphabet oder das weiße Telefon – sie sprachen also über die Toilettenleitungen.
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  • Start zum Rundgang ist in der Haftetage im zweiten Obergeschoss. Die Gefangenen waren hier untereinander isoliert. Um sich doch zu verständigen, nutzten sie heimlich ein Klopfalphabet oder das weiße Telefon – sie sprachen also über die Toilettenleitungen.
  • Foto: Claus Bach / Stiftung Ettersberg / Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße
  • hochgeladen von Michael Steinfeld

Der Weg zur Freiheit wird in der Erfurter Gedenkstätte Andreasstraße modern präsentiert. Der Tipp kommt von Dr. Jochen Voit, Leiter der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße.

Was gibt‘s Musehenswertes?
Die Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße erinnert in Erfurt an die politischen Häftlinge in der SED-Diktatur und zugleich an die mutigen Menschen, die hier 1989 die erste Besetzung einer Stasi-­Bezirksverwaltung wagten. Wir sind ein modernes zeitgeschichtliches ­Museum am authentischen Ort. Die Inter­views mit Zeitzeugen sind Grundlage für die Ausstellung. Die Videoclips ­behandeln wir wie Exponate, die Medienstationen sind unsere „Vitrinen“. Wir zeigen nicht nur Leiden und Opfer, denn es gibt mit der Überwindung der Diktatur auch Positives zu erzählen. Von der Repression in der Haft geht es bei uns über Lebenswirklichkeiten und DDR-Alltags­geschichten bis zur friedlichen Revolution.

Woran führt kein Weg vorbei?
Auch wenn es mit den Jahren normaler wird, in einem Gefängnis zu arbeiten – der Zellentrakt im zweiten Stock hat eine besondere, beklemmende Atmosphäre. Gerade wenn man sieht, für welche Nichtigkeiten, die Leute ­inhaftiert wurden.

Zeitzeugen erzählen hier in Filmen von ihrem Haftalltag. Besucher erschreckt am meisten die Isolations­zelle. Licht und Geräusche wurden hier absorbiert, um das Gefühl zu verstärken, ausgeliefert und vergessen worden zu sein. Man wird orientierungslos, verliert jedes Zeitgefühl.

Das Spannende an dieser Etage: Nach der Stasi-Besetzung am 4. Dezember 1989 lagerten Bürgerrechtler die sichergestellten Stasi-Akten in den Zellen ein. Man sieht noch die Versiegelungen an der Tür. Das gab es nur in Erfurt, wo 1978 die Keimzelle der Friedensgebete war. Dies ist ein besonderer Ort, der geschützt werden muss, denn es wurde nichts verändert.

Kubus der friedlichen Revolution

Ihr liebstes Stück?
Einzigartig in der deutschen Gedenkstättenkultur ist der Kubus der friedlichen Revolution. Ein Comicfries zeigt den Herbst in Thüringen 1989. Der Betrachter spiegelt sich in der „Grafic Novell“ von ­Zeichner Simon Schwartz, wird damit fast ein Teil davon.

Außer der Reihe:
Wir erforschen gerade die Historie unseres Hauses. Am 1. Dezember startet eine neue Dauerausstellung über die politische Haft in der NS-Zeit zwischen 1933 und 1945. Zur Eröffnung am 1. Dezember kommt auch der Zeitzeuge Karl Metzner, der als Jugend­licher Widerstand gegen Hitler geleistet hat.

Museums-Rundgang:
Der Rundgang dauert etwa anderthalb Stunden.
Museum For You: Wir haben einen Media-Guide in ­englischer Sprache.

Das muss gesagt werden:
Trägerin der Gedenkstätte ist die Stiftung Ettersberg in Weimar. Sie beschäftigt sich mit Diktaturforschung.

Museum zum ­Mitnehmen:
Wir verkaufen Bücher, Postkarten, DVDs – keinen Nippes und Klimbim, denn wir wollen hier nichts verniedlichen.

Zur Sache:
Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße
Andreasstraße 37a
99 084 Erfurt

Öffnungszeiten:

Dienstag und Donnerstag von 12 bis 20 Uhr,
Freitag bis Sonntag
und an Feiertagen
von 10 bis 18  Uhr

Kontakt:
Telefon:  03 61 / 2 19 21 20,
andreasstrasse@­stiftung-ettersberg.de,
www.stiftung-ettersberg/andreasstrasse

Alle Museen der Serie finden Sie hier als übersichtliche Karte und hier auf unserer Themenseite.

Autor:

Michael Steinfeld aus Erfurt

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