Günthers Jahns Andenken wird bewahrt
Der Picasso Thüringens

Günther Jahn
8Bilder

Eine in Erfurt ansässige Stiftung bewahrt das künstlerische Andenken an den bekannten Thüringer Maler Günther Jahn. Ausstellung im August auf Schloss Heidecksburg

"Wenn ich mir seine Bilder und meine so ansehe - da liegen Welten dazwischen!" Noch heute spricht Christoph Jahn voller Ehrfurcht und selbst einen Schritt zurücktretend von dem Können seines Vaters. Günther Jahn. Der Picasso aus Thüringen, so haben ihn viele genannt, vielleicht sogar der des gesamten deutschen Ostens. Seit sieben Jahren lebt der Maler und Grafiker nicht mehr, der es weit über seine Heimatstadt Sondershausen und schon in Vorwende-Zeiten über die westliche Grenze hinaus zu ziemlicher Bekanntheit gebracht hat. Seine Bilder aber sind lebendig.

Das ist vor allem dreien der sieben Jahn-Kinder zu verdanken. "Unser Vater wollte immer, dass sein Werk zusammenbleibt. Das haben wir ihm schon zu Lebzeiten versprochen", erzählt Sohn Michael Jahn. Gemeinsam mit Bruder Christoph, Schwester Katharina und ein paar gleichgesinnten Kunstfreunden gründeten sie im Oktober 2013 die "Günther Jahn Stiftung". Ein Riesenwerk habe der Vater hinterlassen, mit weit mehr als 2000 Bildern, erzählen die Brüder. Jedes einzelne von ihnen ist bewahrenswert. "Unser Vater war ein begnadeter Zeichner", gerät Michael Jahn ins Schwärmen. Günther Jahn galt als vielseitiger, vielschichtiger Künstler. Einer, der sich das Gestalten selbst beibrachte und der nicht an der Kunsthochschule studieren durfte - und sich mit dieser Absage als geadelt fühlen durfte. Er sei doch schon fertig ausgebildet, hieß es, ihm könne man dort nichts mehr beibringen.

"Er hat alle Genre bedient", spricht Michael über die Art des Vaters zu malen. So erinnern Günther Jahns Bilder durchaus an die alten Meister, andere wieder spielen mit Abstraktem, mit expressionistischen Formen und Farben. Realität und Traum waren immer wieder die beiden Komponenten, die Jahns Bilder beeinflussten. Er selbst sagte einmal "Die Sehnsucht nach einem Zustand der Harmonie, nach einem fernen Land - nach dem anderen Ufer des Flusses - bestimmt zum großen Teil meine Arbeit." Holzschnitte, Aquarelle, Ölbilder - Günther Jahn wählte sie alle für seine Kunst. Manchmal erregte er mit seinen Motiven sogar Anstoß, stach der DDR-Obrigkeit unangenehm ins Auge. Er malte weiter. Die Wende gab seinem Schaffen noch einmal gehörigen Auftrieb, verschaffte ihm neue Ausstellungen, noch mehr Ansehen.

Bilder mit magischer Anziehungskraft

"Die Bilder haben eine magische Anziehungskraft, das ist phänomenal und bis heute ungebrochen", weiß Sohn Christoph. Er erinnert sich an die Ausstellungen der vergangenen Jahre, in Sondershausen zum Beispiel, in Mühlhausen oder Altenburg, die alle die Besucher in Strömen kommen ließen. Derlei Ausstellungen zu organisieren, sei eines der Anliegen ihrer gemeinnützigen Stiftung, die den Vater ehrt. Für viele namhafte Häuser in Deutschland hat sich die Stiftung um Ausstellungen beworben, geplant sind in nächster Zeit welche in Berlin und Bad Saarow. Eine große Ausstellung startet im August auch in Thüringen, auf Schloss Heidecksburg. Dort ist inzwischen ein Großteil der stiftungseigenen Jahn-Werke magaziniert und wird konservatorisch betreut, einige sind dauerhaft zu sehen. "Über diese Lösung sind wir sehr glücklich, immerhin ist es ein Anliegen der Stiftung, die Bilder an ein öffentliches Haus zu bringen. Wir haben lange nach einem geeigneten Depot und Ausstellungsort gesucht", erklärt Christoph Jahn. Besser kann das Andenken an den Maler nicht bewahrt werden. Mit einer ebenso anspruchsvollen Aufgabe hat die Stiftung, die derzeit wie andere turnusmäßig durch das Finanzamt überprüft wird, auch alle Hände voll zu tun: Im Auftrag der Stadt Sondershausen erstellt sie einen Werkskatalog. Weit mehr als die Hälfte aller Jahn-Bilder ist bereits erfasst. Und im Oktober, zum 85. Geburtstag des Vaters, wird es einen Bildband geben.

Günther Jahns Bilder sind lebendig, bis heute. Genau wie die Erinnerungen seiner Kinder an ihn. "Unser Vater war einer, der fürs Malen seine Freiräume brauchte. Aber am Wochenende und in den Ferien hatten wir beim Paddeln und Zelten intensive Zeiten mit ihm", lässt Sohn Christoph seine Gedanken spazieren. Er schwärmt von seinem unglaublichen Humor, davon, wie er Klavier spielen konnte, Literatur liebte und denkt daran, wie er als Kunstlehrer in der Schule den eigenen Kindern eher streng gegenübertrat. "Der Mann war eine Instanz, er hat uns alle im kreativen Bereich geprägt." Und er hat allen anderen so viel hinterlassen, das sich anzuschauen lohnt.

Ausstellung & mehr:

Ab dem 3. August zeigt Schloss Heidecksburg in Rudolstadt zwei Monate lang eine umfangreiche Ausstellung mit Günther Jahns Bildern. Anlässlich seines 85. Geburtstages erscheint im Oktober ein Bildband.

Zur Person:

- Günther Jahn wurde 1933 in Sondershausen als Sohn eines Drogisten geboren.

- Nach dem Schulbesuch in Sondershausen begann er 1950 eine Lehre als Maurer. 1952 Architekturstudium an der Baufachschule Görlitz, Abbruch aus familiären Gründen.

- 1953 Lehre als Drogist in Erfurt, anschließend sechs Jahre Tätigkeit in der väterlichen Drogerie.

- In den folgenden Jahren beschäftigte er sich intensiv in der Freizeit mit Malerei.

- 1963 Bewerbung an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin-Weißensee, die ihn als fertig ausgebildet einstufte und ihn an den Verband Bildender Künstler weiterempfahl.

- Zwischen 1967 und 1980 arbeitete er als Kunsterzieher in Ebeleben und an den Gymnasien Sondershausen und Greußen. Danach wirkte er als freiberuflicher Maler und Grafiker. Er starb im Jahr 2011.

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