Die DEHOGA Thüringen will gegen den Mangel an Fachkräften in der Gastronomie vorgehen
Die Gastronomie hat eine sichere Zukunft

Wie wichtig das Thema Ausbildung in der Gastronomie ist, kann man daran ablesen, dass Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow sich in der Schulküche der Schule in Freier Trägerschaft der DEHOGA selbst ein Bild von der Ausbildung verschaffen wollte. Ein großer Teil der Auszubildenden stammt aus Vietnam.
  • Wie wichtig das Thema Ausbildung in der Gastronomie ist, kann man daran ablesen, dass Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow sich in der Schulküche der Schule in Freier Trägerschaft der DEHOGA selbst ein Bild von der Ausbildung verschaffen wollte. Ein großer Teil der Auszubildenden stammt aus Vietnam.
  • Foto: DEHOGA Thüringen e.V.
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Wenn Dirk Ellinger, der Hauptgeschäftsführer der DEHOGA Thüringen e.V., nach der Ausbildungssituation im Gastgewerbe gefragt wird, nennt er erschütternde Zahlen: „Wir haben derzeit 1081 Auszubildende, die im Thüringer Gastgewerbe eine Berufsausbildung absolvieren – 2005, vor knapp 15 Jahren, waren es noch 4.357, also mehr als das Vierfache.“

Die Gründe dafür sind vielfältig. Da ist zum einen die demografische Entwicklung. „Wir haben nur noch halb so viele Schulabgänger wie früher, das sinkt natürlich auch die Zahl der Auszubildenden.“ Das ist nachvollziehbar. Was für Dirk Ellinger dagegen nicht nachvollziehbar ist, ist „dieser regelrechte Akademisierungswahn“.

Der Hauptgeschäftsführer der DEHOGA Thüringen zitiert aus der Fachkräftestudie des Freistaates Thüringen, der zufolge in Thüringen bis zum Jahr 2030 einen Arbeitskräftebedarf von 344.600 Arbeitskräften hat. „Aber nur 13 Prozent der benötigten Arbeitskräfte sind Akademiker! Trotzdem wollen heute fast alle Jugendlichen Abitur machen und studieren. Wo soll das denn hinführen“, fragt Dirk Ellinger.

Er tippt mit dem Finger auf den überwiegenden blauen Anteil des Tortendiagramms: „73 Prozent der Arbeitskräfte, die wir bis 2030 in Thüringen brauchen, sind Facharbeiterinnen und Facharbeiter mit beruflicher Ausbildung! Das ist die Zukunft!“

Jetzt aber schon ist offensichtlich, dass mit Thüringern allein dieser Bedarf nicht gedeckt werden kann. „Das muss jedem klar sein: Wir brauchen in Thüringen ausländische Fachkräfte“, betont Dirk Ellinger und verweist wieder auf die Fachkräftestudie des Freistaates Thüringen, die bis 2030 eine Lücke von 72.400 fehlenden Arbeitskräften ausmacht. Allein in der Gastronomie knapp 3.000.

Einen Hinweis, wie die Lösung dieses Problems in der Praxis aussehen könnte, gibt die Schule in Freier Trägerschaft der DEHOGA, in der im November letzten Jahres 233 Auszubildende in den gastgewerblichen Berufen ihren Berufsschulunterricht erhielten. Von diesen 233 angehenden Köchen waren 102 Deutsche.

„Die Gastronomie war schon immer weltoffen, und Sie glauben nicht, wie interessant und anregend die Arbeit mit den Auszubildenden aus anderen Kulturkreisen ist. Das ist – und das meine ich ganz ernst – ein Geben und Nehmen“, sagt Dirk Ellinger.

Aber warum wollen so wenige Thüringer etwa Koch werden?

„Es herrscht immer noch ein hoher Grad an Unwissenheit über diesen großartigen Beruf vor. Und die vielen Kochshows im Fernsehen sind da keine Hilfe“, sagt der DEHOGA-Hauptgeschäftsführer.

Er warnt davor, all die abwertenden Argumente, die man immer hört, unkritisch zu übernehmen.

„Ja, es stimmt, dass man in der Gastronomie auch abends, nachts und am Wochenende arbeiten muss – wenn die Freunde womöglich feiern gehen. Das ist vielleicht nicht immer schön, aber das weiß man. Und das ist in ganz vielen anderen Berufen genau so“, argumentiert Dirk Ellinger an und fährt fort: „Die Gehälter sind möglicherweise auch nicht üppig. Aber es wurde gerade erst beschlossen, die Tariflöhne ab Februar um 4 Prozent anzuheben und in den nächsten beiden Jahren um jeweils 3,65 Prozent.

Und die Gäste müssen einfach einsehen, dass gute Qualität, faire Löhne und Tierwohl nicht billig zu haben sind. Qualität kostet Geld. Das gilt fürs Auto, für den großen Fernsehbildschirm – und eben auch für gute Gastronomie.“

Außerdem sei die Branche krisensicher. „Ganz gleich, was sich technisch noch alles ändert – am Ende wird da immer ein Koch in der Küche stehen, der das Essen handwerklich zubereitet und ein Kellner, der serviert. Die Menschen sind es, die gute Gastronomie ausmachen.“

Daniel Dreckmann

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